Das Internet - zwischen Informationsflut und Schimpftiraden

Das Internet - zwischen Informationsflut und Schimpftiraden

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Das Internet - zwischen Informationsflut und Schimpftiraden

Guten Abend, meine Lieben..

Diesen Thread eröffne ich für corvus

Moin,
ich denke, das Thema ist aktueller denn je, auf so manchen sozialen Plattformen macht sich langsam Resignation breit - sogenannte "Hasskommentare", Trolle und Beleidigungen sind derzeit Phänomene, die leider keine Seltenheit mehr sind. Vermehrt macht sich das Gefühl breit, dass das Internet derzeit eher ein Ort ist, um sich wüsten Beschimpfungen hinzugeben als wirklich eine Diskussion führen zu können.

Insofern hier ein paar Leitfragen an euch:
Wie steht ihr zum Diskussionswandel hier im Internet? Lest ihr beispielsweise noch Kommentar auf Facebook, Youtube oder anderen sozialen Plattformen? Würdet ihr sagen, dass das schon immer so war oder das es hier definitiv einen Wandel in den letzten Jahren gibt? Falls ja: woran liegt das?
Würdet ihr das Internet ganz generell betrachtet noch als zivilisierten Ort sehen, bei dem Anstandsregeln noch Bedeutung haben?
Und die zentrale Frage: was fällt heutzutage noch unter Meinungsäußerung? Sollte man gegen Hass im Netz vorgehen - oder kann man das gar nicht?

Gerne dürfen sich hier auch User zu Wort melden, die selbst des trollens mächtig sind. Insofern freue ich mich schon auf eure Beiträge.

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Ich für meinen Teil betrachte diesen Diskussionswandel eher mit Sorge. Anscheinend ist das Internet zu einem Ort verkommen, in dem es legitim ist, alles und jeden zu beschimpfen, wie es einem gerade passt - ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen. Das faszinierende daran ist eigentlich, dass die Menschen sich anscheinend unter dem Deckmantel der Anonymität so einiges herausnehmen - ohne dabei auch nur ansatzweise ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich bezweifle zumindest, dass die Autoren fragwürdiger Kommentare wildfremde Menschen auf der Straße beleidigen. Und hier sehe ich auch den Knackpunkt: das Internet ist - was diesen Sachverhalt angeht - durch soziale Netzwerke wie Facebook, die das weiterhin dulden, zu einem rechtsfreien Raum geworden.
Die Frage die ich mir aber stelle: hilft dieses "Wegschauen" und "Wegignorieren" von augenscheinlicher Dummheit, Hass und Ignoranz? Sollte man diesen Leuten einfach das Feld überlassen?
In diesem Punkt bin ich mir selbst nicht wirklich einig. Natürlich kann man sich einfach andere "seriösere" Plattformen suchen um zu kommunizieren - die Frage ist, inwiefern es richtig ist, dass man sich in öffentlichen Netzwerken nicht mehr äußern kann, ohne beleidigt zu werden. Und ob man dass als Status Quo einfach akzeptieren muss oder sollte.

Ich für meinen Teil muss gestehen, dass ich schon lange keine Kommentare mehr unter jeglichen Artikeln lese. Denn ja: es tummeln sich dort zu 90% recht ungebildete Mensche, die anderen Meinungen mit Beschimpfungen begegnen. Fakten werden verdreht oder sind schlichtweg einfach nur falsch. Teilweise mangelt es an einfachster Schulbildung, wenn man beispielsweise geschichtliche Hintergründe erläutern möchte: Das biuarre daran: die Menschen hätten Zugang zu diesen Informationen, heutzutage ist schließlich alles googlebar. An wirklichen Informationen scheint allerdings das Interesse eher gering.

Zu einem Teil mache ich den Internetzugang verantwortlich: ein Internetzugang ist in unserem Land ein Grundrecht, was dazu führt, dass tatsächlich ein jeder billig an einen Anschluss kommt. Und seinen Mist zum Leidwesen aller verbreiten kann.
Wirklich sichtbar wird das an Youtube: während sich dort immer mehr "Müllcontent" ansammelt, der fleißig geclickt wird, ist dieses Phänomen in den USA deutlich seltener. Die Ursache dafür liegt wohl darin, dass nicht jeder in den USA einen Internetanschluss bekommt - zum größten Teil nur deswegen, weil es schlichtweg zu teuer ist.

Speziell dazu kann ich an dieser Stelle nur die Beschandsaufnahme von Behaind empfehlen, der sich gerade mit dem Müllcontent auf YouTube und dessen Ursachen beschäftigt.

Letztendlich möchte ich hier nicht zu viel vorneweg nehmen, und beende an dieser Stelle mal meinen Post. ^^

Diskussion

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Beigetreten: 05.02.2018
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Oh na das ist mal ein interessantes Thema. Ich hoffe, dass da endlich mal eine anständige Diskussion zustande kommt. :)

Prinzipiell stimme ich dir zu, was die Verrohung der Debattenkultur im Internet angeht, zumindest in Deutschland. Aktiv Kommentare lese ich eigentlich nur wenn ich erwarte das es für mich humorvoll ist. Selbst beteilige ich mich aber kaum an einer öffentlichen Diskussion mehr, besonders in politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Themen. Doch der Grund dafür ist nicht, dass ich per se alle als unfähig einstufe – das wäre nicht nur arrogant, sondern auch extrem ignorant – es liegt eher daran, dass ich selbst immer denke, nicht genug über einen Sachverhalt zu wissen, um eine fundierte und kritische Meinung äußern zu können. Ich denke, wodurch der Eindruck entsteht, dass im Internet nur noch flachgeistig diskutiert wird, rührt daher, dass viele sich nicht die Mühe machen, die Möglichkeiten des WWW auszuschöpfen. Es ist nun mal wesentlich bequemer, wenn Spiegel Online oder irgendeine andere etablierte Seite eine Meldung in die Welt schickt, anhand deren Schlagzeile man schon gesagt bekommt, wie man zum Inhalt stehen muss. Ich denke, es ist einfach zu viel verlangt, wenn man von jedem, der sich an einer Diskussion im Internet beteiligen will, erwartet, dass derjenige vorher intensiv eine Suchmaschine seiner Wahl bemüht und Quellen gegenprüft. Hinzukommt die Anonymität, die die Hemmschwelle zum Posten unsachlicher Kommentare weiter senkt.

An dieser Stelle möchte ich noch ein interessantes Video von BeHaind und HandofBlood einwerfen: (https://m.youtube.com/watch?v=VvyOdYlCEfI) - Damit würde vermutlich auch die Frage beantwortet, ob man gegen Hass im Netz vorgehen sollte. Es ignorieren ändert nichts, nur drüber reden aber auch nicht. Da liegt es wohl an jedem selbst, ob er sich auf diesen Kampf gegen Windmühlen einlässt oder sich eben damit abfindet und sich sagt, dass er dann eben aufhört, Kommentare zu lesen.

Beigetreten: 25.03.2013
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Ich finde besonders diese Anonymität schlimm! Aber das kenn ich auch von mir selber. Nicht dass ich Leute im Internet beleidige, aber ich traue mich eher jemanden auf WhatsApp oder sonst wie anzuschreiben, einen Termin abzusagen oder ähnliches. Und das ist schlimm! Wenn wir unsere Gefühle (positiv wie negativ) nur noch im Netz rauslassen, wird unser Leben immer mehr von Technik belastet und wir können überhaupt nicht mehr 'normal' miteinander agieren.
Das Video auf YouTube ist wirklich gut und ich finde es spricht extrem wichtige Sachen an. Zum Beispiel wie verletzend es sein kann grundlos und ohne Anhaltspunkte die ganze Zeit beleidigt und runtergemacht, gemobbt zu werden...
Wenn ich etwas im Internet äußern will sollte ich auch den Mut haben es jemandem direkt zu sagen. Das nehme ich mir fest vor.

◇ Blessed be ◇