The Acting Debut (RPG)

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The Acting Debut (RPG)

Hey hoo =) Dieses RPG eröffne ich für Laufmasche - Fragen, Steckis etc. an sie.

HIER findet ihr die Gruppe zum RPG.

Story
Wir schreiben das Jahr 2010.
Ein gutes Jahr für die Schüler an der Schauspielschule TAFE in Südaustralien. Jährlich schaffen es nicht mehr als 40 verschiedene junge Leute an der Schule angenommen zu werden, meist auch nur die reichen und schönen, immerhin verdient sich die Schule an ihnen ihr Geld. Die TAFE gilt als eine der besten und angesehensten Schauspielschulen auf der Welt, auch in diesem Jahr finden Auswahlprüfungen statt, wer wird sie wohl meistern?
Der Druck, unter dem die angehenden Schauspieler/innen stehen, ist enorm hoch. Da wird schon mal die ein oder andere Pille eingeworfen um dem Stress zu entkommen und der ein oder andere Schluck Alkohol zu viel getrunken um Spaß zu haben, schließlich sind es auch nur Menschen.
Wie in jeder guten Geschichte muss es auch hier die bösen Jungs geben, sie sorgen immer wieder für Intrigen, Lügen und Skandale, jedoch werden diese immer nur in der Schule weitergegeben, es scheint so, als würde kein gesprochenes Wort welches in der Schule fällt je hinter die Türen der TAFE gelangen, was gut für den ein oder anderen zu sein scheint. Immerhin ist nicht alles aus Gold was glänzt.
Doch auch die Lehrer scheinen es faustdick hinter den Ohren zu haben, es spricht sich herum dass der ein oder andere sich schon mal an Schülern vergriffen hat. Oder war es vielleicht umgekehrt und die Schüler machen die Lehrer verrückt?
Was ist mit dir? Wirst du dem Druck standhalten können und die Schule meistern? Oder wirst dran kaputt gehen und zum Schluss in'ner Klinik landen?

Die TAFE :

Eine Schauspielschule in Südaustralien, hier wirst du ganz besonders unter Schauspiel und Tanz unterrichtet Doch natürlich gibt es noch andere Fächer. Eine Ausbildung dauert 3 Jahre und ist ziemlich anspruchsvoll, in der Schule stehen dir angrenzende Häuser zur Verfügung die genutzt werden können sofern man nicht zu Hause bleiben kann/will/darf. Der Unterricht beginnt um 8 Uhr morgens und endet erst um 15 Uhr nachmittags, auch Samstag ist Unterricht jedoch nur von 9 bis 14.30 Uhr.
Danach haben die Schüler und Lehrer Freizeit und können machen was sie wollen. Geregelte Bettzeiten gibt es an dieser Schule nicht da keiner der Schüler unter 19 Jahre sein darf.

Stundenplan

Mo. Di. Mi. Do. Fr.

  1. Tanz
  2. Körper – Stimm Training
  3. Improvisationstheater
  4. Theatergeschichte
  5. Gesang
  6. Schauspiel
  7. Pause (1. Std.)
  8. Bühnenkampf

Sa.

  1. Fechten
  2. Körperschule
  3. Schauspiel
  4. Bühnenkampf
  5. Pause (30. min.)
  6. Sprecherziehung
  7. Musik

Charaktere :
Schüler/innen
Sie dürfen nicht jünger als 19 und nicht älter als 21 sein, wenn sie auf die Schule aufgenommen werden. Entweder leben sie in der Schule oder zu Hause bei ihren Eltern. Meist sind es Kinder reicher Eltern, da ihnen der Platz gekauft wird oder aber man hat ein Stipendium und ist wirklich durch sein Talent auf dieser Schule.

Lehrer
Die Lehrer auf der Schule dürfen nicht jünger als 27 und nicht älter als 45 sein. Viele der Lehrer wohnen auch in der Schule. Einfach weil es für die meisten praktischer ist. Außerdem können sie folgende Fächer unterrichten.

  • Schauspiel
  • Tanz
  • Fechten
  • Musik
  • Bühnenkampf
  • Improvisationstheater
  • Theatergeschichte
  • Sprecherziehung
  • Körperschule
  • Körper – Stimm Training

Kein Lehrer darf mehr als 3 Fächer unterrichten.

Steckbriefvorlage :

(bitte auch Lehrer spielen, ich weiß, dass es mit Schülern mehr Spaß macht, aber ohne Lehrer geht’s leider nicht.)

HoN Name : Wie heißt ihr im HoN?
Rollen Name: Wie soll euer Chara heißen?
Geschlecht : Ist euer Chara männlich oder weiblich?
Alter: Wie alt ist euer Chara?
Schüler/in oder Lehrer?: Was seid ihr?
Aussehen (Link): Wie seht ihr aus?
Wie kam er/sie auf die Schule?: Reiche Eltern oder Stipendium?
Klasse: 1. 2. o. 3 Klasse
Charakter/Eigenschaften ( 4 – 6 Sätze sollten reichen) : Welche Eigenschaften besitzt euer Chara?
Stärken : Was sind eure Stärken?
Schwächen : Was sind eure Schwächen?
Geschichte : Was hat euer Chara alles vorher erlebt?
Extra Informationen : Ihr wollt noch etwas sagen? Hier ist Platz!
Fach (nur für Lehrer) : Welche Fächer unterrichtet der Lehrer?

Regeln ! :
- Erstmal gelten die  Allgemeinen RPG Regeln !
- Nochmals Steckbriefe, Fragen etc. bitte nur an mich.:)
- Keine richtigen Beleidigungen, es sei denn sie gehören zum RPG – aber auch dann, keine zu harten !
- Keine MarySues !
- Es wird in der Ich – Form geschrieben. Gesprochenes in „ - “. Gedachtes in ' - ' und Sachen die nicht ins RPG gehören bitte in ( - )
- Achtet bitte auch auf Groß- und Kleinschreibung. Damit das Geschriebene auch gut rüber kommt und es nicht zu monoton klingt.
- Versucht nicht all zu viele Rechtschreibfehler mit reinzubringen. Ein paar sind voll ok, aber man sollte nicht überlegen müssen, was der andere gerade geschrieben hat.
- Bitte zwei – bis dreimal die Woche im RPG vorbeischauen :)
- Falls wer in den Urlaub fährt, wegen Schulstress nicht on kommen kann etc. möge doch bitte mir, einem anderen Mitspieler oder gleich im RPG schreiben.
- Bitte immer Bescheid geben wenn man off geht, ein einfaches 'muss off, bye' reicht.
- Keine zu kurzen Sätze. Mehr als 5 wären schon schön.
- Wenn jemand gegen die meisten Regeln immer wieder verstößt und er sich nach mehrmaligem Ermahnen noch immer nicht dran hält wird er aus dem RPG gelöscht !

Diskussion

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Leopold Ares Westfield
Zitternd reichte ich ihr mein Tshirt und schnappte mir dann meine Hose, die ich schnell über meine Hüften zog. Meine Beine waren noch ein wenig feucht, sodass sich das wesentlich schwerer gestaltete als erwartet. Ich richtete erneut alles, was in der Hose war und schloss dann den Gürtel, ehe ich mich bückte und die Socken und die Schuhe über meine Füße strich. Scheiße, die Chemo verlangsamte mein Immunsystem wirklich erheblich. Mir war eiskalt und mein Körper zitterte nur wenig. Ich funktionierte eben einfach nicht mehr so wie ich es früher getan hatte. Mein Körper war geschwächt und das merkte ich besonders in der Kälte. Deswegen zuckte ich auch bloß zusammen, als sie mir den Pullover zuwarf. Was...? "Oh da schaut jemand Game of Thrones?", stellte ich fest, um davon abzulenken, dass mein ganzer Körper praktisch vibrierte. Scheiße, das war eine dumme Idee gewesen. Ich wusste doch wie schlecht es mir körperlich momentan ging. Ich war nicht mehr so robust wie früher. Vermutlich hatte ich richtig Glück, wenn ich morgen nicht krank war. "Danke. Den kriegst du vor den Wohnungen wieder. Reicht dir das mit den zwei Tshirts denn?" Es war ja eigentlich Anfang des Sommers, also sollte das wirklich machbar sein. Na ja, für Leute, die nicht unbedingt gerade mitten in einer Chemo steckten. Ich schob also meine Arme in den Pullover und zog ihn über. Er war sogar mir noch eine Nummer zu groß, aber wenigstens warm, sodass ich erleichtert seufzte und zu ihr ging. "Also 21 Dinge vor deinem 21. Geburtstag, ja? Wie lange ist es denn noch bis dahin und was von den Dingen haken wir morgen ab?", fragte ich sie und grinste sie hoch motiviert an, während ich sie schon ein wenig in Richtung Ausgang schob, damit wir auch schnell zu Hause waren, um uns warm einzupacken.

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Zara Winther
Menschen waren wohl einfach nicht dazu gemacht um Versprechen zu halten. Man gab sie, aber wirklich dran halten tat sich niemand, zumindest kannte ich niemanden der mir jemals etwas versprochen und auch wirklich eingehaöten hatte. Es lief doch aber auch wirklich jedes Mal auf das Selbe hinaus: man versprach etwas, die Situation änderte sich und das Versprechen wurde vergessen oder gar gebrochen. Es wäre ja nicht einmal so schlimm, hätte Leopold mir nicht etwa gerade gesagt das er nicht etwa vorhatte genau das zu tun, was jeder andere auch tat. Als er sich aber dann auch sofort in Bewegung setzte, als er zu verstehen schien weshalb ich es wirklich nicht fair von ihm fand mich alleine ins Wasser springen zu lassen, starrte ich ihm mit zusammengezogenen Augenbrauen hinterher. Er sprang rein, obwohl er gerade noch gesagt hatte er würde kneifen. Tat er das für mich? Sprang er für mich ins Wasser, obwohl er eigentlich nicht wollte, und wahrscheinlich auch wirklich seine Gründe dafür hatte? Ich könnte es ja sogar verstehen, würde er sagen er fühlte sich doch nicht fit genug, aber so war es ja nicht. Er hatte doch vorhin noch damit geprahlt das er mit ins Wasser kommen würde, weil er fit genug dafür war, und sich keinerlei Gedanken darüber machte das er eben noch im Krankenhaus alles vollgekotzt hatte. Gut. Er tat es für mich, weil er gesagt hatte er würde es tun, und ich ihm glauben wollte. Kaum hatte er sich an die Wasseroberfläche gekämpft, machte er sich aber auch schon auf den Weg zurück ans Ufer des Sees und trocknete sich mit seinem T-Shirt ab. Na wunderbar - es war also doch keine gute Idee gewesen einfach so hier her zu kommen, ohne auch nur irgendwie daran zu denken das wir nass werden würden. Kurz sah ich sein T-Shirt an, das er mir ohne ein Wort zu sagen entgegenhielt, ehe ich es entgegen nahm. Anstatt mich aber damit abzutrocknen, griff ich nach meinem Pullover und warf ihm diesen entgegen. Groß genug war er ja, immerhin kaufte ich diese Dinger immer in der Männerabteilung. "Zieh den an bevor du noch zum White Walker wirst", er hätte doch nur sagen müssen das er es sich anders überlegt hatte, und sich nicht fit genug fühlte. Ich wrang den letzten Rest Wasser aus meinem T-Shirt, zog es mir wieder über den Kopf, schlüpfte auch gleich noch in sein T-Shirt und zuckte die Schultern. "Es ist Nacht", und uns würde ohnehin niemand sehen. Wenn ihm ernsthaft so kalt war, sollte er den Pullover anziehen und ihn mir irgendwann zurück geben. Nass war ich ohnehin schon. Ich schlüpfte wieder in meine Hose, ließ mich auf den Boden sinken und zog mir meine Schuhe wieder an.

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Leopold Ares Westfield
Scheiße, ich war wirklich kälteempfindlich! Kerle waren doch dafür bekannt, dass sie vor kalten Gewässern zurückschreckten. Selbst im Freibad waren sie es, die Stunden lang am Eingang des Beckens standen und sich den Arsch abfroren. Wir waren eben ein wenig zimperlich, was das anging. Das war doch allseits bekannt! Ich hatte mir das hier zugetraut, aber jetzt fühlte ich wie eiskalt das Wasser war und ich mutierte zum Weichei. Hey, ich stellte mich sonst wirklich nicht so an, aber ich kam gerade von der Chemo und mir war sowieso schon kalt deswegen. Jetzt sollte ich auch noch in halb gefrorenes Wasser springen? Ich wollte das nicht. Wer kam auch auf solche Ideen? Wieso sollte man nachts schwimmen? Ja, die Sterne sahen ganz hübsch aus und spiegelten sich sicher schön im Wasser, aber es war eiskalt, wenn man nicht gerade in der Sahara wohnte! Oh halt! Selbst dort war es nachts eisig! Wie das konnte ich nicht machen? Natürlich, es war eiskalt! Ich würde blau anlaufen und erfrieren, wenn ich dort hineinsprang. Perplex sah ich dabei zu wie Zara wieder aus dem Wasser stapfte und ziemlich angepisst aussah. Oh. Darum ging es ihr also. Ich hatte gesagt ich würde mit ihr schwimmen gehen und jetzt kniff ich, obwohl ich versprochen hatte ihr keine falschen Hoffnungen zu machen. Shit. Ich seufzte tief, nahm Anlauf und versenkte mich im Wasser. Eine dumme Idee, aber die einzige Möglichkeit ihr zu beweisen, dass sie mir vertrauen konnte. Es war ihr wirklich ernst mit diesem Versprechen-halten. Klar, so machte man das, aber es war eine Kleinigkeit gewesen. Sie kannte mich ein paar Tage, ich sollte also tun, was ich versprach, richtig? Dennoch bereute ich es, als ich nach Luft schnappend auftauchte und mit den Armen ruderte, um schnellstmöglich wieder aus dem See zu stapfen. Bibbernd schnappte ich mir mein Tshirt und tupfte mich damit schnell ab, ehe ich es ihr reichte, damit auch sie es als Handtuch missbrauchen konnte. Sie konnte ja nicht klatschnass in ihren Pullover klettern und ich konnte oben ohne durch die Stadt laufen, ohne allzu viele Blicke auf mich zu ziehen. Hoffentlich war sie jetzt zufrieden, ich fror mir wirklich den Arsch für sie ab.

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Zara Winther
Hätte ich gewusst, dass das Wasser so verdammt kalt war, hätte ich es mir doch noch einmal anders überlegt, und wäre nicht einfach so drauf an losgelaufen um in den See zu springen. Es stand auf meiner Liste, ganz weit unten und als einer der Punkte auf der Liste, die ich wirklich nicht zwingend erledigen musste bevor ich einundzwanzig wurde! Dennoch war es etwas, das ich von meiner Liste streichen konnte, und irgendwie fühlte ich mich gerade beinahe schon stolz darauf das ich etwas tat, das ich für gewöhnlich niemals getan hätte, wenn mich Dr. Martin nicht dazu gebracht hätte darüber nachzudenken, was ich auf diese Bucketlist schreiben wollte. Einundzwanzig Dinge, die ich vor meinem einundzwanzigsten Geburtstag erledigen wollte, die ich erleben oder sehen wollte - Dinge, vor denen ich gewöhnlich Angst hatte, oder von denen ich mich normalerweise immer von irgendwelchen Stimmen in meinem Kopf aufhalten ließ. Scheiße war das Wasser kalt! Ich hatte ehrlich gesagt gedacht das es wenigstens irgendwie etwas wärmer wäre, zumindest soweit das es angenehm war, aber so hatte ich fast schon das Gefühl das lediglich verrückte Menschen hier schwimmen gingen, weil sie sonst keinen Weg fanden um ihren Körper etwas abzukühlen. Als Leopold aber meinte das er kneifen würde, sah ich ihn blinzelnd an und schüttelte den Kopf. "Das kannst du nicht machen!", beschwerte ich mich laut bei ihm und schwamm augenblicklich etwas in seine Richtung. Gut, es war kalt aber er würde es ja wohl überleben! Wenn ich es überlebte, konnte er das doch auch - dann hätte er verdammt nochmal nicht sagen sollen das wir es jetzt von meiner Liste streichen könnten! "Du sagst schon jetzt Dinge die du nicht halten kannst! Ich dachte du machst das mit mir, du kannst jetzt nicht einfach kneifen", und wie er kneifen könnte. Er könnte sich einfach wieder anziehen und gehen, dann wäre ich wieder da wo ich schon gewesen war. Das konnte er jetzt aber wirklich nicht bringen. Genervt von der Tatsache das er ernsthaft zu kniffen schien, schwamm ich das letzte Stück zum Ufer, lief wieder aus dem Wasser und spürte augenblicklich wie kalt das Wasser eigentlich war. Heilige Scheiße! "Danke für die Hilfe, Idiot. Das nächste Mal sagst du vorher wenn du kneifen willst", murrte ich und zerrte mir das durchnässte T-Shirt vom Körper. Eingeschnappt wrang ich das Wasser aus dem Stoff, tat das gleiche bei meinen Haaren und drehte mich dabei von ihm weg. Ernsthaft, dann sollte er eben gehen. Dann sollte er mir aber auch nicht irgendwelche Dinge versprechen oder sonst etwas, die er sowieso nicht einhalten würde. Genau davon hatte ich doch gesprochen! Selbst wenn es nur eine Kleinigkeit war; das konnte er einfach nicht bringen.

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Leopold Ares Westfield
Gut, es war nicht ganz fair, immerhin hatte ich auch selbst Schuld ihren Namen nicht von Anfang an gekannt zu haben, aber sie hätte ihn mir genauso gut auch einfach verraten können. Außerdem war "kleines Fräulein" doch eigentlich ganz witzig. Es war fast wie ein Rollenspiel - natürlich nicht sexuell gesehen. Es war eben einfach amüsant. Für mich zumindest und für sie scheinbar ja auch, denn sie grinste. Sie grinste und schien alles andere als wütend zu sein, dass ich darauf bestand sie weiterhin damit aufzuziehen. "Na geht doch. Manchmal muss man eben einfach Kompromisse eingehen, hm?", murmelte ich und zog die Boxershorts hoch auf meine Hüften, als ich alles soweit gerichtet hatte. Gut, es war ein wenig unhöflich mir hier in aller Öffentlichkeit in die Hose zu fassen und meine Eier zu richten, aber hey! - keine Frau wusste, was das für eine Qual war, wenn alles schief hing. Und dazu kam, dass ich unter strengster Disziplin aufgewachsen war und seit ich hier bei der TAFE lebte, hatte ich praktisch direkt dagegen gearbeitet. Ich konnte tun und lassen, was ich wollte. Ich könnte eine Bank ausrauben und es wäre egal, denn bald wäre ich sowieso tot. Ich genoss das Leben eben einfach und ließ mir von niemandem mehr etwas sagen. Diese Zeiten waren vorbei und würden auch nie wieder kommen. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich fast nicht mitbekommen hätte, dass Zara schon hineingesprungen war. Ich sah wie sie wieder auftauchte und sich direkt beschwerte wie kalt das Wasser war. "Oh nein, ernsthaft? Ich dachte es wäre noch aufgewärmt von der Sonne heute... Fuck, ich glaub ich kneife. Ich steh nicht so darauf, wenn mir die Nippel abfrieren." Kälte war echt nicht mein Ding. Vor allem nicht kurz nach der Chemo. Ich dachte es wäre ein wenig kühl und frisch, aber wenn ich den Zeh so hineintunkte, war es doch eiskalt!

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Zara Winther
Okay - gut, ja er hatte ja Recht. Ich hätte ihm meinen Namen einfach sagen können, stattdessen aber hatte ich geschwiegen und seine Frage überhört, weil ich wirklich gedacht hatte das ich ihn so loswerden würde. Ich war zu stur gewesen, und er einfach viel zu unaufmerksam, etwas was ich ihm noch nicht einmal wirklich übel nehmen konnte, immerhin war genau das mein Plan gewesen. Ich hatte nun einmal versucht jeden Menschen auf Abstand zu halten, und konnte noch nicht einmal wirklich sagen was sich denn nun verändert haben sollte - es hatte sich doch auch gar nichts verändert! Es hatte sich nichts verändert, und trotzdem war alles irgendwie anders. Nun musste ich mir den Konsequenzen meines Handelns, vor allem aber seiner Verbissenheit leben. Ich musste mit der Veränderung leben, obwohl ich panische Angst davor hatte wieder in eine Sackgasse zu laufen. "Ist ja gut, okay! Ich sag schon nichts mehr!", lachte ich leise und verdrehte ein weiteres Mal die Augen. Ich konnte ihm diese Dinge nicht übel nehmen, konnte ihm nicht böse sein. Wie sollte ich auch? Es war mein eigener Fehler gewesen, war meine eigene Dummheit und die Tatsache das ich nun schon seit Jahren versuchte jedem aus dem Weg zu gehen gewesen, die mich davon abhielt ein normales Leben zu führen. Ich war kein Optimist, das war ich noch nie gewesen - nicht mit den Dingen die ich erlebt hatte, viel mehr war ich meist pessimistisch gestimmt und dachte doch nur darüber nach was schief gehen konnte. Deshalb hielt ich mich doch auch von allen fern! Ich musste wohl einfach damit leben für den Moment so von ihm genannt zu werden, und das obwohl er meinen Namen bereits kannte - nicht von mir, sondern von Mr. Watson, aber er kannte ihn. Mit angespanntem Kiefer sah ich zum Wasser, in das ich - vielleicht - noch springen würde, um einen weiteren Punkt meiner Liste streichen zu können. Es war schon so lange her das ich schwimmen gewesen war, und Nachts war es doch wieder etwas vollkommen anderes als Tagsüber und bei praller Sonne die es schier unmöglich machte nicht zu schwitzen. Leopold drehte sich wieder dem See zu, ohne mich dabei wirklich anzusehen - ich war ihm gerade wirklich dafür dankbar, denn auch wenn ich mein T-Shirt immer noch anhatte, fühlte ich mich gerade sehr viel nackter als nötig - und .. fasste sich in die Boxershort. Wow. Ernsthaft? Schnell drehte ich den Kopf wieder etwas zur Seite und sah zum See. Ich würde reinspringen. Ich würde jetzt nicht kneifen. Ich konnte jetzt doch nicht kneifen - Gott, was würde Leopold denn bitte von mir denken? Mit wild pochendem Herz atmete ich ein letztes Mal tief ein, presste die Lippen fest aufeinander und sprang ins Wasser. Ich blieb nur für den Bruchteil einer Sekunde unter Wasser, holte tief Luft als ich auch schon wieder an der Wasseroberfläche war und schüttelte mich etwas. "Scheiße ist das kalt", was wohl entweder daran lag das es schon dunkel wurde, vielleicht aber auch einfach die Tatsache das mir immer warm war, weil ich meinen Pullover nie auszog.

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Leopold Ares Westfield
"Ich habe in meinem Leben einfach schon sehr viele Leute kennengelernt und ich kann mir nicht alle Namen merken. Darin war ich noch nie gut. Es hat Wochen gedauert, bis ich die Idioten beim Namen nennen konnte, die mir hinterhergerannt sind." Das stimmte! Namen waren wirklich nicht meine Stärke. Ja, ich hätte in den zwei Jahren bloß aufpassen müssen, aber sie hatte mir keinen Grund gegeben mich auf sie aufmerksam zu machen und na ja, viele Leute lernten nur die Namen, die sie im Leben brauchten. Sie war bisher nicht ansatzweise darin vorgekommen, sondern war immer untergetaucht. "Du hättest mir deinen Namen aber auch einfach verraten können. Dann hätte ich mit dem Spitznamen nicht erst anfangen müssen. Du warst zu stur und ich zu unaufmerksam. Sagen wir einfach es war eine Konstellation aus beiden Szenarien und du musst eben jetzt mit den Konsequenzen leben." So einfach war das. Und wirklich schlimm ja nun auch nicht. Hey, ich hätte ihr sehr viel schlimmere Kosenamen verpassen können. Etwa "Noname" oder "Jane Doe". Sie konnte sich also glücklich schätzen. Immerhin war sie ja weiblich und eben auch klein. Im Gegensatz zu mir zumindest. Ich schaute gen Himmel, der langsam immer dunkler wurde. Die Farben der Dämmerung schwächten ab und verblassten langsam, während der Mond bereits zu sehen war und die Sterne langsam in den Vordergrund traten. Das würde eine klare Nacht werden. Den Punkt auf ihrer Liste könnte sie also getrost abhaken. Ich drehte mich zum See und nickte leicht, während meine Hand wie von selbst unter den Bund meiner Boxershorts glitt, um darin meine Kronjuwelen ein wenig zu richten. Scheiße, ich hatte den ganzen Tag in der Hose und den Shorts verbracht, da war einiges gerutscht und das nicht gerade ins Bequeme. Zwei Griffe und schon war es viel besser, sodass ich mich wieder anständig benehmen konnte. "Kerle starren nun einmal. Aber okay, ich versuche es.", versprach ich ihr und sah sie bloß im Augenwinkel an.

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Zara Winther
Kleines Fräulein war also bereits die Bestrafung dafür, dass ich ihm meinen Namen nicht gleich hatte nennen wollen. Was? Hätte er ein einziges Mal im Unterricht wirklich darauf geachtet wer in seiner Klasse war, hätte er meinen Namen schon vor zwei Jahren erfahren können - es war doch nun wirklich nicht meine Schuld das er mich die letzten zwei Jahre über kein einziges Mal angesehen hatte, ebenso wenig war es mein Fehler gewesen das er lieber Zeit mit seinen Freunden - diesen Vollidioten - verbrachte und Leute wie mich auslachte, als sich mit Menschen wie mir zu beschäftigen. Bis jetzt hatte es mich ja noch nicht einmal gestört das man mich nicht beachtet hatte, bis jetzt war ich froh darüber gewesen wenn ich in der Menge untergegangen war, und nicht etwa von allen angestarrt zu werden - alleine schon die Tatsache das mich die Leute angestarrt hatten als ich Leopold angegangen war, er solle mich einfach in Ruhe lassen, hatte gereicht um mir ein weiteres Mal zu zeigen das ich einfach nicht gemacht war um wirklich angestarrt zu werden - wenn es nicht gerade für die Musik war. "Du bist doch selbst Schuld das du meinen Namen nicht wusstest", beschwerte ich mich leise bei ihm und zog die Augenbrauen zusammen. Um ehrlich zu sein war er selbst Schuld daran, ich hätte ihm aber auch einfach nur meinen Namen sagen können als er danach gefragt hatte, statt mich anzustellen als wollte ich einfach gar nichts mit ihm zutun haben. Ich stellte mich wohl aber auch einfach generell so sehr an, das ich einfach nicht normal sein konnte. Er kam ja auch nüchtern auf dumme Ideen - toll. Wow, toll, das sollte mich jetzt beruhigen? Um ehrlich zu sein tat es genau das Gegenteil, immerhin erzählte er mir hier das er selbst im nüchteren Zustand Dinge tat, die andere als dumm betitelten. Alleine schon die Tatsache das wir gerade am See standen sollte wohl genug Grund sein es ihm zu glauben, immerhin war er gerade noch wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus gewesen, und nun wollte er schwimmen gehen. Als er sich aber auch schon umdrehte, atmete ich erleichtert aus. Zwar hatte ich nun nicht unbedingt gemeint er müsste sich umdrehen, viel mehr aber sollte er mich einfach nur nicht so anstarrten, aber so gab es wohl wirklich keinen Grund es zu lassen. Kurz stockte ich jedoch selbst, da Leopold sich auch schon selbst auszog, ehe ich den Blick abwandte und ihm den Rücken zudrehte, mir den Pullover vom Körper zog und zu meinen Schuhen und der Hose fallen ließ. Die Leute würden uns für vollkommen verrückt halten, schließlich wurde es schon dunkel und wir zogen uns gerade aus um noch schwimmen zu gehen. Fragend zog ich die Augenbrauen zusammen. "Du sollst mich einfach nur nicht anstarren", das konnte er ja wohl doch tun, oder nicht? Er sollte mich einfach nur nicht anstarren, dann wäre es mir weder peinlich, noch würde ich mir Gedanken darüber machen das ich gleich ernsthaft schwimmen würde. Scheiße, wann war ich das letzte Mal schwimmen gewesen?

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Leopold Ares Westfield
Tja, gute Frage. Wieso nannte ich sie kleines Fräulein, obwohl ich ihren Namen doch mittlerweile kannte? Wieso nannte man Leute generell anders als bei ihrem richtigen Namen, obwohl man ihn kannte? Das war eben einfach so ein Ding. Es war... ein freundschaftliches Necken. Ich wusste nicht inwieweit sie mit diesem Freundschaftsding vertraut war, aber so machten das Freunde eben manchmal untereinander. Man neckte und ärgerte sich und diese Kosename war eben der Anfang gewesen. "Das ist die Bestrafung dafür, dass du mir deinen Namen am Anfang nicht genannt hast. Du wirst für's erste also kleines Fräulein bleiben.", erklärte ich ihr und grinste sie schelmisch an. Ja, ich war ein kleiner Idiot, aber sie verzieh es mir scheinbar ja auch irgendwie, oder? Immerhin gab sie mir dennoch eine Chance mich ihr zu beweisen. Ich schob meine Hände in die Hosentaschen, da meine Finger plötzlich ganz kalt wurden. Das waren wohl die Nachwirkungen der Chemo. Nach dem nächtlichen Bad im See würde ich vermutlich direkt ins Bett fallen und durchschlafen. Mein Körper machte das alles eben nur begrenzt mit und na ja... direkt nach der Chemo fühlte ich mich meistens nicht besonders fit, aber ich wollte auf nichts verzichten. "Ich komme auch nüchtern auf dumme Ideen, aber meistens habe ich Spaß dabei. Es lohnt sich also, auch wenn ich es danach bereue.", erklärte ich ihr und zuckte leicht die Schultern. Man musste Dinge eben ausprobieren. Wer wusste schon wie lange man das noch konnte? Ich hatte nicht mehr allzu viel Zeit so wie es momentan aussah und dann sollte ich eben alle Dinge tun, die ich gern einmal machen wollte ohne darüber nachzudenken, was morgen sein könnte. Ich konnte mir die Leber mit dem Alkohol komplett zerficken! Ich würde so oder so sterben, also war es doch egal! Völlig in Gedanken versunken bemerkte ich kaum, dass ich ihr gerade dabei zusah wie sie die Hose von ihren Beinen strampelte. Sie sprach mich an und schlang ihre Arme verschüchtert um ihren Oberkörper, sodass ich blinzelte. "Oh ja... Sorry, ich drehe mich um!", sagte ich und hob beschwichtigend die Hände, ehe ich mich umdrehte und den Baum vor mir ansah. Dann fing ich auch selbst an die Schuhe und Socken abzustrampeln, schließlich die Hose und das Tshirt auszuziehen. "Soll ich... jetzt die ganze Zeit mit dem Rücken zu dir stehen?", fragte ich sie. Hey, wenn ihr das lieber war, würde ich das tun!

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Zara Winther
Glaubte er etwas das ich nicht wusste das er mich nur damit hatte aufziehen wollen? Ich war vielleicht nicht unbedingt sehr gut darin Kontakt zu meinen Mitmenschen zu suchen, und Freundschaften zu pflegen, das hieß aber doch noch lange nicht das ich zu dämlich war um zu wissen wenn er etwas nicht wirklich ernst meinte. Gut, sonderlich viel ändern tat dieses Wissen nun auch wieder nicht, immerhin nahm ich seine Worte vorhin auch ernst, und das obwohl er es nicht unbedingt als das gemeint hatte. Er wollte mir nichts böses, das hatte er mir nun schon mehrmals versichert, trotzdem fiel es mir manchmal ziemlich schwer es auch so zu akzeptieren. Schmunzelnd verdrehte ich die Augen. Kleines Fräulein - warum nannte er mich bitte so? Er kannte meinen Namen, und Kleines Fräulein klang ehrlich gesagt eher so als hätte ich irgendetwas falsch gemacht und würde nun darauf warten bestraft zu werden. Er schubste mich ja auch noch! "Wieso nennst du mich kleines Fräulein?" Es war ja nun nicht unbedingt so das ich Angst davor hatte von ihm angeschossen zu werden, oder von ihm Schläge zu kassieren weil ich etwas falsch getan hatte, ich wusste ja das er mir nichts böses wollte - es war dennoch komisch. Noch dazu brauchte er noch nicht einmal sonderlich viel Kraft anwenden um mich schon zur Seite zu schubsen, was wohl einfach nur daran lag das ich ohnehin ziemlich klein und ziemlich zierlich gebaut war. Das war wohl auch immer der Grund gewesen weshalb man mich nie wirklich überprüft hatte. Deshalb war ich wohl auch nicht unbedingt der beste Kandidat um mich zu betrinken - ich würde wohl sowieso nicht viel vertragen. Anders als Leopold, der es wohl irgendwie schon gewohnt war. Der seine Grenze aber auch schon kannte - sie aber trotzdem überschritt. Betrunken sein war toll. Ja, natürlich, betrunken sein war toll, danach war es dann aber doch nicht so toll. Dann, wenn man sich nicht daran erinnerte was passiert war. "Betrunkene Leute kommen immer auf die dümmsten Ideen", das hatte ich wohl auch oft genug mitbekommen. Ehrlich gesagt wusste ich schon gar nicht mehr was denn nun die dümmste Idee gewesen war, die diese stockbesoffenen Leute denn überhaupt jemals gehabt hatten. Fragend sah ich an mir runter, zuckte die Schultern. War mir nicht warm? Natürlich war mir warm - das war es mir jedoch wert. Ich trug diese Pullover doch auch nicht einfach nur so, sondern weil sie mir wenigstens etwas Halt gaben, und mich irgendwie doch unsichtbar machten. Auch wenn es bei Leopold nicht geklappt hatte. Auf das T-Shirt würde ich aber trotzdem nicht verzichten. So unglaublich dick waren meine Pullover aber auch gar nicht. Erneut sagte er es! Na und, dann war ich eben hübsch - das machte mich nicht weniger komisch. Er wusste sich trotzdem zu benehmen. Naja, gerade noch hatte er gesagt sein betrunkenes Ich kam auf dumme Ideen, und gerade noch hatte er sich die Seele aus dem Leib gekotzt. Ich zerrte mir die Hose von den Beinen, ehe ich mich zu Leopold umdrehte und ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen ansah. "Was? Willst du jetzt hier rumstehen und mir dabei zusehen wie ich mich ausziehe?" Dann würde ich wohl doch erst Recht kneifen. Er konnte mir doch nicht einfach dabei zusehen wie ich mich auszog! "Es ist echt nicht in Ordnung das du mir dabei zusiehst", beschwerte ich mich und schlang die Arme um meinen Körper. Ehrlich; das war nicht in Ordnung. Es fiel mir doch ohnehin schon schwer genug nicht einfach wieder umzudrehen, und was tat er? Sah mir beim ausziehen zu!

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Leopold Ares Westfield
Ich schaute sie an und legte den Kopf schief, als sie meinte ich solle sie nicht auslachen. Sie grinste dabei! Hey, ich mochte es total, wenn ich sie zum Grinsen brachte. Ihr ganzes Gesicht erhellte sich, wenn ihre Mundwinkel sich hebten und ich als ihr neuer Freund würde mich höchstpersönlich darum kümmern, dass das ab jetzt öfter geschehen würde. "Hey, ich habe dich nur geneckt, kleines Fräulein. Das macht man unter Freunden so, weißt du?", erklärte ich ihr grinsend und stupste sie mit dem Ellenbogen leicht in die Seite, sodass sie ein wenig vom Gehweg abkam und ich leise lachte, da sie so leicht und schmal war, dass ich sie locker umschmeißen könnte. Sie war wirklich ein Fliegengewicht. Man sah es eben nur nicht, da sie sich immer unter diesen riesigen, unförmigen Pullovern versteckte. Klar, man sah, dass sie schlank war, aber ich konnte nicht einschätzen wie schlank. Ob sie vielleicht auch noch ein Problem damit hatte zu essen oder ob sie die perfekte Figur hatte, ich wusste es nicht! Es kümmerte mich aber auch nicht. "Oh betrunken sein ist toll! Glaub mir, sonst würde ich mir das ja nicht immer wieder antun. Aber man kann es auch eingrenzen und nicht alles vollkotzen. Ich kenne den Punkt eigentlich, den man nicht überschreiten soll, aber mein betrunkenes Ich kommt auch dumme Ideen...", erklärte ich ihr und zuckte leicht die Schultern. Sie hatte wirklich noch nie getrunken. Wow... Ich hatte meinen ersten Absturz mit gerade einmal vierzehn Jahren, weil ich viel zu früh zu den Whiskeys in Dads Regalen gegriffen hatte. Na ja, dafür hatte ich aber auch einige Schläge von ihm kassiert. Ich folgte ihr und zuckte leicht die Schultern. Wenn sie jetzt umdrehte, würde sie kneifen. Wo sie Recht hatte... Du hast noch ein Tshirt darunter an? Ist dir nicht warm?", fragte ich sie. Immerhin stand ich nur im Tshirt hier neben ihr. Wir gingen in den Park und steuerten den See an. Es war mittlerweile beinahe dunkel und kein Mensch war zu sehen. Wir waren allein. Da hatte sie ja noch einmal Glück gehabt. Als sie nun anfing sich die Schuhe auszuziehen, hob ich eine Augenbraue. "Wieso sollte ich lachen? Das ist nicht unbedingt der erste Reflex eines Kerls, wenn sich ein hübsches Mädchen auszieht. Aber ich weiß mich zu benehmen!" Na ja, meistens jedenfalls...

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Zara Winther
Okay. Okay war ein ziemlich mächtiges Wort, dafür wie kurz es eigentlich war. Okay - ich würde ihm eine Chance geben. Okay - ich würde versuchen irgendwann mit ihm zu sprechen, auch wenn ich nicht so wirklich wusste ob ich jemals dafür bereit sein würde. Okay konnte so viele Bedeutungen haben, und gerade war es wohl wirklich sehr viel mehr als ein einfaches Okay. Ich gab nach, ließ ihn wissen das ich Einverstanden mit den Bedingungen war, und ihm eine Chance geben würde. Er war der Erste dem ich eine Chance gab, eine Freundschaft mit mir zu schließen. Er war der Erste, vor allem aber Einzige bei dem ich nachgab, weil er doch einfach nicht nachgab und doch ohnehin niemals aufhören würde zu nerven. Wobei - ich war es gewesen die auf ihn zugegangen war. Ich hatte ihn, nach einer ganzen Woche die er sich von mir ferngehalten hatte, angesprochen und ihm damit wohl doch irgendwie bestätigt das ich an einer Freundschaft mit ihm interessiert wäre. Ich war doch auch interessiert an einer Freundschaft mit ihm. Das war ich wirklich! Das bedeutete jedoch nicht das ich einfach so aufhören würde es ihm schwer zu machen, ich machte es mir aber doch auch selbst noch unglaublich kompliziert. "Mach dich nicht darüber lustig, sonst überlege ich es mir noch einmal", antwortete ich und schmunzelte. Er sollte sich bloß nicht lustig darüber machen das ich ihm nun doch eine Chance geben wollte! Kopfschüttelnd sah ich zu Leopold. Ich hatte noch nie getrunken, das hieß aber nicht das ich es nicht irgendwann tun wollte. Im Moment nicht - wirklich nicht, ich traute mich ja noch nicht einmal einfach so hinaus zu gehen und mich unter eine betrunkene Menschenmenge zu mischen. "Es steht auf meiner Liste. Nicht unbedingt eine Alkoholvergiftung, aber irgendwann .. will ich betrunken herumlaufen", zwar stand es auch nicht sonderlich weit oben, aber es stand auf meiner Liste. Nicht weil ich unbedingt trinken wollte um dazu zu gehören, sondern um einfach einmal das zu erleben, was andere Menschen in meinem Alter so erlebten. Weil ich ein Mal normal sein wollte und mich auch so fühlen wollte. Deshalb wollte ich ja auch nachts schwimmen gehen - weil es doch irgendwie etwas war, das jeder Mensch ein Mal im Leben tat. Weil ich mich normal fühlen wollte. Deshalb wollte ich ja auch nicht mehr zurück zur TAFE um mich umzuziehen. Leopold aber schien es etwas zu wundern das ich einfach so den See ansteuerte, ohne darüber nachzudenken mich umzuziehen. Fragend stockte ich für einen Moment, lief dann aber doch einfach weiter. Ich würde es tun. Ich würde schwimmen gehen, und wenn sich Leopold umdrehen musste dann in Ordnung! "Wenn wir jetzt umdrehen weigere ich mich doch nur wieder", erklärte ich leise und zog meinen Pullover enger um mich. Gut, bei dem Gedanken das ich mich gleich ausziehen und vor ihm in Unterwäsche herumhüpfen würde, war dann doch etwas, das ich nicht wollte. "Ich springe einfach im T-Shirt rein", immerhin hatte ich unter dem Pullover hier immer noch ein T-Shirt an, das zwar nicht halb so groß war wie der Pullover, aber immer noch etwas größer. Ich biss mir auf die Unterlippe, blieb am Seeufer stehen und schlüpfte aus meinen Schuhen, drehte mich zu Leopold um. "Du darfst nicht lachen", Gott wenn er ehrlich lachen würde weil ich mich anstellte, würde ich mich wohl doch wieder einfach vergraben.

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Leopold Ares Westfield
Schon wieder antwortete sie nur mit einem Okay. Diese Frau war wirklich seltsam, aber das war gut. Seltsam war anders und anders war alles andere als langweilig. Meine sogenannten Freunde waren es. Sie waren vorhersehbar und anstrengend. Diese Art von Freundschaft war nicht das, was lange hielt. Für die Schule reichte es, um nicht allein dazustehen, aber es hatte nie gereicht, um mit ihnen reden zu können. Nun, das tat ich mit Zara aber ja auch nicht und hatte es auch nicht vor. Niemand durfte erfahren, was mit mir los war, denn sonst würde es sich wie ein Lauffeuer ausbreiten und ich würde mein Stipendium verlieren. Das einzige, was mir momentan wirklich wichtig war, da mein restliches Leben sonst komplett aus den Fugen geraten war. Dieses Stipendium war alles für mich und auch mein letzter Halt. Würde ich das verlieren, würde ich die Therapie machen und sterben, ohne etwas im Leben erreicht zu haben, auf das ich stolz sein konnte. Dieses Stipendium war mein Leben und es war mir wichtig wenigstens das noch zu schaffen, bevor ich dann doch ging und es mir nichts mehr nützte. "War dieses Okay etwa eine Einverständniserklärung mir eine Chance zu geben?", zog ich sie grinsend auf. Hey, immerhin hatte ich nie mehr von ihr verlangt und gerade stimmte sie dem zu. Ich freute mich also natürlich. Wie sollte ich auch nicht? Ich bekam nun das, was ich von ihr gewollt hatte. Ja, ich war zufrieden. Ich lächelte und folgte ihr, als sie plötzlich den Weg in Richtung Park einschlug und nicht weiter auf die TAFE zuging. Es war schon relativ spät, ja, aber wollte sie nicht erst ihre Badesachen holen? Oder war sie doch nicht so schüchtern wie ich dachte und würde in Unterwäsche in den See springen. "Du hast noch nie getrunken? Ach da hast du nichts verpasst! Am Abend fühlt man sich super, aber die Nacht und den nächsten Morgen über bereut man es. Du hast ja gesehen wie elendig es mir gerade ging." Ja, die schwache Chemo erinnerte ein wenig an einen sehr heftigen Kater. Allerdings war es nicht das selbe, oh nein. Ich folgte ihr und lief kurz schweigend neben ihr her, bis ich meinen Mund doch nicht halten konnte. "Du willst jetzt sofort schwimmen gehen? So... ganz ohne Badesachen? Wenn du dich unwohl fühlst, können wir dir auch erst einen Badeanzug holen. Es sei denn es macht dir nichts aus in Unterwäsche schwimmen zu gehen. In einer halben Stunde ist es ja sowieso dunkel...", stellte ich mit einem Blick in den Himmel fest.

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Zara Winther
Es gab Regeln und Bedingungen für diese Freundschaft hier, so wie es doch überall Bedingungen gab. Das Kleingedruckte das niemand las, weil doch überall immer das gleiche stand, oder aber weil es einen wirklich nicht interessierte. Die Benutzerbedingungen denen man zustimmte, ohne sie auch nur ein einziges Mal gelesen zu haben, weil niemand sich die Zeit nehmen wollte auch wirklich alles zu lesen, vor allem aber weil es niemanden interessierte. Es gab sie doch überall, die Regeln die für ein sicheres Nutzen sorgen sollten, und die meisten hielten sich auch an diese Dinge, trotzdem gab es noch die wenigen Menschen die etwas böses im Schilde führten. Denen man diese Regeln an die Brust drücken musste, denen man erklären musste was das Kleingedruckte bedeutete, damit sie nicht irgendwann die Konsequenzen dafür bezahlen mussten. So war es immer und überall, und eine Freundschaft war nichts anderes als das Zustimmen dieser Benutzerbedingungen. Man erklärte sich einverstanden mit den Bedingungen, erklärte das man sich daran halten würde, ohne sie irgendwann zu lesen. Die meisten ließen sich einfach darauf ein, die meisten vertrauten darauf das jeder wusste was darin stand, ich aber nicht. Das konnte ich nicht, nicht nach dem was ich bereits durchgemacht hatte, nicht nach dem was mir die Menschen die für meine Sicherheit und eine schöne Kindheit hätten sorgen müssen. Sie hatten dieses Vertrauen in andere Menschen zerstört, und nun war ich es die die Konsequenzen dafür tragen musste. Und alle Menschen die irgendetwas mit mir zutun haben wollten und sich doch wieder umentschieden weil ich zu kompliziert war. Außer Leopold. Er war der Erste seit einer unglaublich langen Zeit der wirklich Interesse daran zeigte Zeit mit mir verbringen zu wollen, der wirklich dafür arbeitete mein Freund sein zu können, und das obwohl ich es ihm nicht einfach machte. Er hatte nicht vor mir Dinge zu versprechen die er nicht einhalten würde, er würde nicht lachen und mit kompliziert kam er klar. Ich hatte ihn gewarnt, wenn er dennoch irgendwann entscheiden würde das eine Freundschaft mit mir einfach zu schwer war, konnte er die Schuld nicht mir unterschieben. Ich hatte es ihm gesagt, hatte ihn gewarnt. Knapp nickte ich, schlang dabei meine Arme um meinen Körper. "Okay", es war ein erneutes Zustimmen das es in Ordnung war. Das ich verstanden hatte, vor allem aber das ich den Bedingungen zustimmte. Ich würde irgendwann mit ihm reden, wenn ich soweit war. Und ich würde dieser Freundschaft die er so unbedingt wollte, eine Chance geben. Würde ihm eine Chance geben. Dr. Martin wäre wahrscheinlich so unglaublich stolz, das er mich einfach nur nachhause schicken würde, damit ich nicht wieder über irgendetwas nachdenken musste über das ich doch ohnehin nicht nachdenken wollte. Fragend zog ich die Augenbrauen zusammen und sah Leopold an. Ich sollte ihn nicht als Ausrede nutzen? Das tat ich doch gar nicht, ich glaubte nur wirklich nicht das es eine sonderlich gute Idee war schwimmen zu gehen wenn er gerade vom Krankenhaus kam. Leopold aber fühlte sich fit genug dafür, und er musste es doch wissen oder nicht? "Woher soll ich wissen was man bei oder gegen Alkoholvergiftung braucht? Ich habe noch nie getrunken", noch nicht einmal versucht hatte ich es. Kein einziges Mal, einfach weil ich schon viel zu früh in die falsche Richtung abgerutscht war, oder viel mehr weil man mich in die falschen Hände geschubst hatte. Ich musterte ihn schweigend, denn um ehrlich zu sein war mir nicht wohl bei dem Gedanken im See schwimmen zu gehen, vor allem aber weil ich einfach nicht wusste was genau es denn nun war das mich davon abhielt zuzusagen. Es konnte doch nichts passieren - ich konnte schwimmen. Ich biss mir auf die Unterlippe und drehte mich etwas zur Seite, sah in die Richtung in der der See lag. Nur ein kurzes Bad, wir würden nur kurz schwimmen und dann zurück zur TAFE. Nickend drehte ich mich wieder zurück zu Leopold und atmete tief ein. Nur kurz. Wir würden nur kurz schwimmen gehen. Ohne ein weiteres Wort zu sagen lief ich los, vergrub meine Finger im Stoff meines Pullovers und hoffte das ich es auch wirklich tun würde. Ich wollte nicht wieder ängstlich zurückweichen, oder vor dem Wasser stehen und etwas das so einfach sein sollte, ausfallen lassen weil ich Angst hatte. Ich wollte mir keine Zeit lassen um mich umzustimmen. Ich wusste ja noch nicht einmal wovor ich Angst haben sollte. Ich konnte schwimmen. Ich würde einfach nur kurz ins Wasser, und könnte einen weiteren Punkt von meiner Liste streichen. Und einen dritten könnte ich vielleicht auch bald von der Liste streichen - Freunde finden. Leopold war ein Anfang.

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Leopold Ares Westfield
Ich verschränkte die Arme auf meinem Rücken und seufzte. Vielleicht war ich ja doch nicht der geeignete Freund, wenn sie mich ablehnte. Wir waren nicht befreundet, das hatte sie selbst gesagt und hatte bisher auch keine Anstalten gemacht das zu ändern. Wollte sie überhaupt mit mir befreundet sein? Oder sollte ich es besser ganz lassen? Belästigte ich sie? Noch nie hatte ich mich das bisher fragen müssen. Bisher war... es nie so schwer gewesen jemanden zu überzeugen, dass eine Freundschaft mit mir gar nicht so schlimm war. Bei ihr war es aber eine Freundschaft generell, die sie zulassen musste. Und das tat sie scheinbar nur unter bestimmten Bedingungen. Ich hob die Augenbrauen, als sie mir ihre Bedingungen nannte. Was unter diesen Vorraussetzungen durfte ich ihr Freund sein? Verstand ich das richtig oder gab es da einen Haken? Denn wirklich schwer schienen ihre Forderungen nicht zu sein. "Ich hatte nicht vor dir Dinge zu versprechen, die ich nicht halten kann, Zara. Ich werde nicht lachen und mit kompliziert komme ich klar. Sonst hätte ich dich nicht angesprochen." Es war von vorn herein klar gewesen, dass sie eine harte Nuss war. Natürlich war sie kompliziert, aber das war für mich kein Grund sie einfach aufzugeben. Ich hatte eine kleine Schwester mit Down-Syndrom und auch wenn ich sie nicht oft sehen durfte, konnte ich gut mit ihr umgehen. Erstaunlich gut sogar. Ich war ein umgänglicher Mensch. Das würde schon klappen. Wenn nicht könnte sie mich ja immer noch loswerden. "Hey, nutz mich nicht als Ausrede! Ein fettiges Frühstück und mir geht es wieder gut. Ich fühle mich fit genug dafür, also lass es uns einfach tun." Ich würde keineswegs ein fettiges Frühstück essen... Ich würde vermutlich wieder nur Salzstagen knabbern und mich den restlichen Tag elendig fühlen, sobald ich etwas zu mir nahm, aber das hinderte mich nicht daran solche Dinge zu tun. Der Krebs schränkte mich schon genug ein. "Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter, hm? So ein kleines Alkoholproblem hält mich nicht ab. Dich etwa?" Sie müsste nur über ihren Schatten springen und ich würde ihr helfen diese Liste abzuarbeiten, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Ich war ein netter Kerl. Das sollte sie sehen. Wieso auch immer ich mir das in den Kopf gesetzt hatte.

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Hae-Sung 'Rian' Kang
Ich hatte wirklich gedacht mich an dieses im Flugzeug schlafen und Zeit verbringen gewöhnt zu haben, nun aber hatten wir beinahe zwanzig Stunden in diesem Flugzeug verbracht, und um ehrlich zu sein wollte ich mich einfach nur noch ins Bett verkriechen. Gott, wir durchflogen mehrere Zeitzonen, Rodrigo konnte also ganz bestimmt nicht von mir verlangen die nächsten zwei Tage richtig zu funktionieren und nicht einfach nur müde herumzuhängen. So war es in London doch auch gewesen, als ich am Filmset ständig nur herumgelegen hatte, weil ich einfach keine Energie gehabt hatte. Ich war müde, vor allem aber sagte mein Kopf im Moment einfach nur das ich endlich etwas frische Luft brauchte, die mich vielleicht ein klein wenig aufwecken könnte. Himmel, wir waren heute Morgen losgeflogen, und immer noch waren wir nicht wirklich sehr viel weiter gekommen was die Uhrzeit anging. In Australien wären wir wohl schon wieder damit beschäftigt uns fürs Bett fertig zu machen, hier aber .. ging der Tag gerade einmal los, und obwohl wir lediglich im Flugzeug gewartet hatten, und nicht wirklich viel hatten tun können, hatte ich das Gefühl gleich wieder ins Bett fallen und schlafen zu können. Zu meinem Glück hatte Rodrigo aber wohl wirklich an alles gedacht, selbst an ein Mietauto hatte er gedacht. Schmunzelnd sah ich ihn an, ließ mich auf den Beifahrersitz sinken und lehnte den Kopf an die Nackenstütze. Merkte man, das ich müde war? Er konnte aber auch wirklich nicht von mir verlangen jetzt sofort bereit zu sein sein Heimatland zu erkunden, oder einfach nur kennenzulernen. Das ging nicht; ich würde mir doch ohnehin nichts merken. Außerdem war mir gerade einfach nur zu warm und die Luft hier war nicht ansatzweise das, was ich mir unter frischer Luft vorstellte. Etwas, was wohl auch daran liegen konnte das wir hier am Flughafen waren, und die Leute sich einfach nur an einem vorbeidrängten, obwohl genügend Platz war um einander auszuweichen. Lächelnd drehte ich den Kopf zur Seite und musterte Rodrigo. Wahrscheinlich war er einfach nur glücklich darüber wieder einmal hier zu sein, schließlich hatte er mir davon erzählt das er schon eine ganze Weile nicht mehr in Brazilien gewesen war, und nun .. nahm er mich mit, um mir eine Auszeit zu verschaffen. Womit hatte ich ihn bitte verdient? Eigentlich sollte er doch einfach nur ein glückliches Leben führen, eines in dem er sich keinerlei Sorgen machen musste das seine Freundin vielleicht umfallen könnte, weil sie wieder einmal zu wenig gegessen hatte. Essen. Zwar hatten wir im Flugzeug gegessen, aber wirklich satt wurde man von diesem Flugzeug-Essen dann doch wieder nicht. Oder aber es war einfach nur mein Körper der mir sagte das ich endlich verstanden hatte, das Essen wichtig war. "Ich habe Hunger", es war wohl das erste Mal seit einer wirklich langen Zeit das ich diese drei Worte aussprach, vor allem aber hatte ich wohl noch nie zu Rodrigo gesagt das ich etwas zu Essen wollte. Hunger war gut, hatte der Arzt gesagt. Das der Körper nach etwas Energie und nach Essen verlangte, war gut. Es war der richtige Weg, hatte er gesagt. Vielleicht war das hier ja wirklich das, was mir helfen würde wieder gesund zu werden. Und ich wollte wieder gesund werden. Ich wollte doch eine Zukunft mit Rodrigo. (Klar XD Hatte ich ja auch drauf gehofft XD)

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Rodrigo da Moura Brandão
Der Flug würde vermutlich wie eine Ewigkeit vorkommen, aber das war schon früher immer so gewesen. Der Flug hatte schon immer eine halbe Ewigkeit gedauert. Daher war es einfach nicht sinnvoll, wenn man nur für eine Woche nach Brasilien gehen würde. Denn man war schlichtweg zu lange unterwegs, als dass man es mit einer Woche Ferien wieder ausgleichen konnte. Ich musste lächeln und sah sie an. "Immer wieder gerne", erwiderte ich lächelnd, meinte das aber vollkommen ernst. Ich meinte es wirklich so, wie ich es sagte. Egal wie kompliziert sie sich manchmal anstellen würde, ich wäre immer da für sie und würde ihr immer versuchen zu helfen. Ich hoffte nur, dass sie auch in Zukunft meine Hilfe annehmen würde. Sie lehnte ihren Kopf an meine Schulter und schloss wieder die Augen. Sie schlief wohl einfach zu gerne.
Unser Flugzeug startete rechtzeitig und es hatte auch keine Probleme beim Check-In gegeben. Wir versuchten die Zeit mit schlafen, Film schauen und weiteren Sachen zu vertreiben, aber irgendwann hatte man von allem einfach genug und man wollte nur noch dort sein. Wir waren, weiss nicht wie viele Zeitzonen durchgeflogen und ich war mir sicher, dass wir beide einen ziemlichen heftigen Jetlag haben werden. Schlussendlich war es dann aber doch endlich so weit, dass das Flugzeug in den Sinkflug ging. Eine weitere halbe Stunde dauerte es und dann hatte unser Flugzeug wieder den Boden unter den Füssen. Wir mussten uns noch ein bisschen gedulden und endlich konnten wir aussteigen. Die heisse, feuchte Luft von Brasilien schlug uns entgegen und ich nahm mir ihre Hand. Ich wollte sie in diesem Gedränge hier garantiert nicht verlieren und ich wusste, wie es hier zu und her gehen konnte. Wir waren beide erschöpft und wir beide waren froh, wenn wir einfach nur da waren und uns nicht mehr begegnen mussten. Ich hatte einen Mietwagen gemietet, denn ich hatte wirklich nicht den Nerv, um immer mit dem Taxi herumkutschiert zu werden. Wir holten unsere Koffer und danach holte ich den Mietwagen ab. Hae-Sung würde wohl nicht viel verstehen, aber da musste sie nun einmal durch. Ich verfrachtete die Koffer in den Kofferraum und grinste sie an. "Steig ein, meine Schöne. Bald sind wir da", meinte ich. Wir müssten nur zuerst aus diesem Chaos von Flughafen herauskommen. Hier hatte es einfach zu viel Verkehr. [Bin ein bisschen vorwärts gesprungen - ich hoffe, das macht dir nichts aus :D]

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Zara Winther
War das seine Begründung, weshalb er mit mir befreundet sein wollte? Er müsste noch nicht einmal mit mir befreundet sein, wenn ich nicht wollte. Wow. Er musste noch nicht einmal mit mir befreundet sein wenn ich es nicht wollte, ich war ihm jedoch sympathisch? Er verstand selbst nicht wie er mich die letzten zwei Jahre übersehen hatte können - ha, ich schon. Weil jeder genau das getan hatte, was er nun einmal ebenfalls getan hatte. Er hatte mich übersehen, weil ich mich versteckt hatte, weil ich die verrückte Schülerin der Klasse war, die mit der niemand etwas zutun haben wollte, weil ich ohnehin nicht daran interessiert war. Vielleicht war ich es auch einfach leid ständig übersehen zu werden, ständig als Letzte dazustehen, ganz alleine und ohne jemanden mit dem ich die Gruppenarbeit durchziehen konnte - letzten Endes hatten mich die Lehrer einfach in irgendeine Gruppe gesteckt, in die ich doch ohnehin nicht gepasst hatte, weshalb ich irgendwie doch nicht so wirklich mitgemacht hatte. Meine Noten litten wohl auch irgendwie darunter. Fragend zog ich die Augenbrauen zusammen, sah zum Himmel und zuckte die Schultern. Hübsch. Nicht langweilig wie jeder andere hier. Wieso also nicht? "Du darfst mir nichts versprechen oder sagen was du nicht halten kannst, okay?" Es klang mehr nach einer Bedingung unter der ich mit ihm befreundet sein konnte, vielleicht war es das ja auch. Ich wollte nicht das er mir Dinge versprach oder etwas sagte, das er nicht auch einhalten konnte, das er ernst meinte. Ich wollte nicht wieder von jemandem verletzt werden, dem ich möglicherweise vertrauen konnte. Ich hatte nun einmal niemanden in meinem Leben, auf mich selbst konnte ich mich auch nicht verlassen - ich wollte mit ihm befreundet sein. "Ich bin .. anstrengend. Und kompliziert. Und .. ich meine, ich muss jede Woche zu Dr. Martin, und das schon seit ich hier her gekommen bin .. du kannst nicht mit mir befreundet sein, wenn du mich irgendwann belächelst oder Witze darüber reißt wie schrecklich kompliziert ich bin. Es .. ich ..", kurz unterbrach ich und schüttelte den Kopf tief einatmend. "Es hat seine Gründe, weshalb ich .. das hier bin", Gott, schon wieder schlug mein Herz aufgeregt in meiner Brust und ließ sich einfach nicht beruhigen, und dieser mir nur allzu bekannte Geschmack von Eisen im Mund breitete sich in mir aus. Es war gut das er ablenkte, und auf meine Liste einging. Es lenkte mich ab, zumindest ein klein wenig, denn eigentlich sprachen wir hier immer noch über die Dinge die ich tun wollte. Für die ich zu ängstlich war, um sie zu tun. Ganz unten auf meiner Liste zu stehen, bedeutete doch das es mir leichter viel - dachte er dass das wirklich so war? Ganz unten auf meiner Liste bedeutete nicht einfacher - es bedeutete lediglich das ich diese Dinge nicht zwingend tun musste, das ich nicht enttäuscht sein würde, wenn ich mit anderen Dingen mehr Arbeit hatte, und nicht einmal zu diesem Punkt kam. "Ich denke nicht das schwimmen eine so gute Idee ist .. du bist gerade vom Krankenhaus gekommen", und dort hatte er ihnen einen Eimer vollgekotzt. Dachte er ernsthaft schwimmen wäre jetzt eine besonders gute Idee? Wenn ich ihn über dabei haben wollte, sonst könnten wir auch alleine zum See. Jeder für sich. Ich würde wohl nie die ganze Liste abarbeiten können. Vor allem, wenn ich alleine damit war. Freunde finden. Vielleicht war Leopold jemand, den ich als Freund ansehen konnte. Dem ich vertrauen könnte.

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Leopold Ares Westfield
Okay? Sie stimmte mir also zu. Sie würde mit mir darüber reden, wenn sie bereit wäre - falls sie jemals bereit wäre. Okay! Das klang doch nach einem Deal. Es war nicht so, dass ich es aus ihr heraus zwingen wollte. Ich wollte einfach... nett sein. Manchmal musste man eben einfach über Dinge reden und sicher tat es auch manchmal gut mit jemandem darüber zu reden, der ein ähnliches Schicksal hatte erleiden müssen. Ich wusste nicht, was ihr widerfahren war, aber auch ich hatte so gut wie keine Eltern gehabt und war allein gewesen - und war es genau genommen immer noch. Ein wenig ähnlich waren wir uns also schon und ich war mir sicher, dass ich sie so viel besser verstehen könnte, würde ich ihre Vergangenheit kennen. Aber ich konnte und wollte sie ja auch zu nichts zwingen. Es war gut so wie es war und sie würde es mir erzählen, wenn sie soweit war. Das hatte sie mir gerade gesagt. Damit war ich doch schon zufrieden. Auch wenn mir bewusst war, dass sie durchaus niemals soweit sein könnte. Sie musste viel erlebt haben in ihrer Kindheit, wenn sie heute zum Therapeuten ging und sich so verhielt wie sie es nun einmal tat. "Na ja, ich muss nicht unbedingt mit dir befreundet sein. Wenn du es nicht willst, dann ist das okay für mich, aber... du bist mir ganz sympathisch. Ich verstehe nicht wie ich dich über zwei Jahre lang übersehen konnte. Du bist hübsch und eben nicht wie jeder andere scheißlangweilige Mensch an dieser Schule. Also wieso nicht? Wieso ist es so abwegig sich irgendjemanden herauszupicken, den man interessant findet und sich mit ihm anzufreunden?" Glaubte sie ich hatte dabei etwas Schlechtes im Sinn? Ich wollte wirklich nur nett sein und sie ein wenig besser kennenlernen. Ich war neugierig. Das war doch kein Verbrechen. "Dann lass es kein Beispiel sein! Wenn es ganz unten auf der Liste steht, ist es doch sowieso eines der Dinge, die dir leichter fallen, oder? Dann lass uns direkt anfangen. Oh ich meine... wenn du mich denn dabei haben willst? Wenn nicht gehen wir eben einzeln zum See und schwimmen ganz für uns selbst.", schlug ich vor und grinste schief.

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Zara Winther
Um ehrlich zu sein: ich wusste nicht so wirklich was Leopold denn nun erwartete. Das ich ihm vertraute, und einfach so mit ihm über den Teil meines Lebens sprach, den ich am liebsten einfach nur hinter mir lassen, oder einfach nur gänzlich vergessen wollte? Ich konnte noch nicht einmal wirklich mit ihm darüber sprechen, selbst wenn ich ihm vertrauen würde, weil ich schon so viele Dinge und Erlebnisse meiner Kindheit verdrängt hatte, das ich mich nicht einmal mehr ganz daran erinnern konnte. Einige Erlebnisse waren glasklar, andere waren aus den verschiedensten Erinnerungen zusammengewürfelt und entsprachen doch nie so ganz der Erzählung, die ich vor nur wenigen Tagen gebracht hatte, sodass ich mir ziemlich sicher war irgendwann die Frage gestellt zu bekommen weshalb ich log was meine Vergangenheit betraf. Leopold aber glaubte das niemand gerne über seine Vergangenheit sprach - er tat es selbst nicht. Weshalb hatte er es mir dann erzählt? Wir waren keine Freunde, und ich hatte nicht nachgefragt, hätte es wohl auch in Zukunft nicht getan weil ich immer schon gedacht hatte das man diese Dinge von sich aus erzählte, wenn man dachte sie seien wichtig. Weshalb sollte es für mich auch eine Rolle spielen wie er aufgewachsen war? Es erklärte doch nicht im geringsten weshalb er sich heute völlig anders benahm als sonst, wenn seine Freunde bei ihm saßen und sich witzig über Menschen wie mich machten. Etwas überrascht darüber das er wirklich zu verstehen schien das ich einfach nicht darüber sprechen wollte, und es einfach so akzeptierte ohne auch nur irgendwie zu sagen das er es schon noch aus mir herausbekommen würde, runzelte ich die Stirn und musterte meine Füße die sich über den Asphalt bewegten. Er wusste nicht was ich durchgemacht hatte, was mich zu dem machte was ich heute war, das musste er aber auch gar nicht wenn ich nicht darüber sprechen wollte. Er verstand es, viel mehr aber akzeptierte und respektierte er meinen Wunsch nicht darüber sprechen zu müssen, und das obwohl er so verdammt hartnäckig gewesen war was diesen Kaffee anging. Ich sollte einfach sprechen wenn ich soweit war, falls ich jemals soweit sein würde. Um ehrlich zu sein hoffte ich das es niemals dazu kommen würde, das ich irgendwann im Laufe der nächsten Wochen, Monate oder auch Jahre endlich das schaffen würde, was ich mir so sehr wünschte: alles hinter mir lassen zu können. "Okay", okay ich würde mir ihm sprechen, wenn ich soweit war. Falls ich es jemals sein würde, oder aber ich würde es doch nicht tun. Ich wusste nicht so Recht was ich denn sonst sagen sollte. Danke? Erwartete er das ich mich dafür bedankte, das er mich nicht dazu drängte über etwas zu sprechen, an das ich mich nicht erinnern wollte? Vielleicht wollte er aber auch wirklich einfach nur nett sein, wollte einfach nur diese Chance von der er schon die ganze Zeit über sprach, die ich ihm aber verwehrt hatte - und selbst jetzt nicht einfach so geben wollte. Nein, das stimmte nicht. Ich wollte, ich konnte ihm diese Chance aber nicht einfach so geben. Ich schaffte es nicht das Verhalten das ich nun schon seit Jahren an den Tag legte, einfach so abzulegen und so zu tun als könnte ich ihm einfach vertrauen, wenn dem nicht so war. Es wäre doch nicht einmal fair ihm gegenüber. Freunde finden könnte für mich leicht sein? Ich war nett, wenn ich nicht gerade aussah wie der Grinch? Was? Partys gab es hier genügend, nachts schwimmen klang jedoch gut. Oh wow - was? Er wollte mir beim nachts schwimmen helfen? Wieso wollte er mir bitte dabei helfen meine Liste abzuarbeiten, er hatte mir doch schon seine Hilfe bei den Songs angeboten, die ich einfach nicht hinbekam, weil mich irgendetwas doch immer davon abhielt ganz darin zu verschwinden. Der See im Park? Es war Wochenende - überrascht blinzelte ich Leopold an und blieb stehen, vergrub meine Hände tiefer in den Pullovertaschen. Er wollte mir dabei helfen diese Liste abzuarbeiten? "Wir sind keine Freunde. Warum willst du mir helfen? Ich meine .. ich weiß noch nicht einmal wieso du überhaupt mit mir befreundet sein willst", stellte ich leise fest und zog die Schultern etwas hoch. Ich verstand ihn wirklich nicht. Wieso wollte er ausgerechnet mit mir befreundet sein, wo er mich doch die letzten zwei Jahre über einfach ignoriert hatte, vielleicht sogar über die Scherze seiner Freunde gelacht hatte wann auch immer sie sich über mich lustig gemacht hatten. "Nachts schwimmen war nur ein Beispiel .. es steht sowieso ganz weit unten auf der Liste", tat ich das Thema ab und setzte mich doch wieder in Bewegung. Er musste mir nicht helfen. Das tat er doch sowieso schon, wenn er mir dabei helfen wollte vielleicht die Songs fertig zu stellen, die ich einfach nicht auf die Reihe bekam.

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Leopold Ares Westfield
Ich schob die Fäuste tiefer in die Jackentaschen und presste die Lippen leicht zusammen. Nur wenige Menschen kannten meine Geschichte über meine Eltern. Es war nicht so, dass ich sie totschwieg. Wenn mich jemand fragte, dann erzählte ich es, aber die meisten Leute interessierten sich nicht dafür, sondern eher noch für mein Aussehen und meinen Ruf an der TAFE. Zara hier hatte nicht einmal gefragt. Ich hatte es ihr einfach erzählt, weil ich geglaubt hatte ihr so ein wenig Sicherheit zu geben. Sie schien ebenfalls keine guten Erfahrungen mit Eltern gemacht zu haben. Sie hatte keine gehabt. Ich mehr oder weniger auch nicht. Ich dachte es würde ihr leichter fallen vielleicht auch mal mit jemandem darüber zu reden, der ein ähnliches Schicksal teilte. Ich wusste ja nicht, was mit ihr geschehen war, aber sie schien auch keinerlei Interesse zu haben es mir zu erzählen. Verständlich. "Niemand redet gern über seine Vergangenheit. Ich ebenso wenig. Ich dachte nur du würdest auch mal gern mit jemandem reden, der dich vielleicht ganz gut versteht. Ich weiß nicht, was du durchmachen musstest, Zara, aber das muss ich auch gar nicht, wenn du es mir nicht erzählen willst. Sprich, wenn du soweit bist." Oder eben auch gar nicht, wenn sie nie soweit war. Na ja, vielleicht redete sie ja, wenn sie mir ein wenig mehr vertraute. Dafür müsste sie mir aber eine Chance geben und ich müsste mich ihr beweisen. Ich wollte ihr nichts Böses. Im Gegenteil. Sie war hübsch, sie war einsam... ich wollte nur helfen. Sie war ähnlich wie ich. Würde ich mich nicht wie ein Idiot an die Vorgaben meiner Eltern halten, wäre ich heute genauso jemand wie sie. Allein und auf Abstand bedacht, der sie isolierte. "Hm... Freunde finden könnte leicht für dich werden. Du bist wirklich nett, wenn du einen nicht unbedingt grimmig ansiehst. Gut, was die Party angeht, gibt es hier genügend, aber nachts schwimmen ist gut! Dabei könnte ich dir wunderbar helfen. Kennst du den See im Park? Der ist glasklar es ist Wochenende.", erinnerte ich sie und grinste verheißungsvoll. Hey, ich würde ihr helfen diese Liste abzuarbeiten! Vielleicht vertraute sie mir dann und wollte mit mir reden. Vielleicht wollte sie dann mit mir befreundet sein. So ein schlechter Kerl war ich ja nicht. Ich war bloß von meiner Angst gesteuert. Von meiner Angst vor dem Tod...

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Zara Winther
Vielleicht war es wirklich nicht fair von mir ihm Dinge zu unterstellen, oder zu denken das er ein weniger schlimmes Leben geführt hatte als ich. Es war nicht fair, weil vor allem ich wissen müsste das man trotz Menschen die sich Eltern schimpften, doch nicht so Recht damit klar kommen musste - vor allem aber mussten diese Menschen nicht etwa das sein, für das man sie hielt. Ich hatte es doch am eigenen Leib erfahren und mit einer Narbe verinnerlicht. Es war nicht fair von mir nun einfach so zu sagen das er es mit seinen Eltern so viel einfacher hatte als ich ohne - und mit Menschen, die eigentlich für mich hätten sorgen sollen, es aber doch nicht getan hatten. Oh wow. Oh. Er hatte wohl wirklich nicht die besten Eltern gehabt, und trotzdem hatte er welche. Kopfschüttelnd seufzte ich leise. Nein, ich würde nicht mit ihm darüber sprechen. Ich wollte nicht noch jemandem von den Dingen erzählen die ich erlebt hatte, nur weil er neugierig war. Falls ich einen Leidensgenossen brauchte, jemanden mit dem ich sprechen konnte - jemand, der nicht etwa da war um mich zu analysieren und mir zu helfen, sondern jemand der mir einfach nur zuhörte. "Ich spreche nicht gerne über meine Vergangenheit", und das war die Wahrheit. Ich sprach nicht gerne über diese Dinge, ich erinnerte mich noch nicht einmal gerne daran. Ich verstand ja auch ein klein wenig weshalb er wissen wollte was passiert war, das ich schon so über Eltern sprach - das ich mich so benahm, wie ich es nun einmal tat. Ich konnte es verstehen, und wusste auch das es wohl einfach nur normal war, schließlich wollte er doch eine Chance um mich kennenzulernen, und dazu gehörte auch die Vergangenheit. Ich wollte doch immerhin auch Dinge über seine Vergangenheit wissen, wollte ihn ein klein bisschen mehr kennenlernen und vielleicht Dinge erfahren, die mir diese Gerüchte nicht einfach so erklären konnten. Er hatte seine Geheimnisse, also konnte ich doch auch meine haben, oder nicht? Ich nickte leicht, als er sich allen Ernstes dafür bedankte das ich ihn nicht alleine nachhause laufen ließ, sondern mit ihm quer durch die Stadt lief. Es wäre nicht nötig gewesen, das wusste ich auch, aber lieber lief ich mit ihm durch die Stadt als irgendwann doch zu erfahren das er überfahren worden war, oder die Alkoholvergiftung nicht ganz so simpel gewesen war wie gedacht. Fragend hob ich den Blick, als er nach meiner Liste fragte. Vielleicht konnte er sich so revanchieren oder wiedergut machen das er so ein Idiot war? Was? "Freunde finden, irgendwann auf eine Party gehen, irgendwann nachts schwimmen", er sollte jetzt bloß nicht lachen. Das waren wirklich Dinge die ich irgendwann im Laufe der nächsten Wochen erledigen wollte. Zumindest stand es auf meinem Plan, ob ich denn nun wirklich etwas davon tun würde, wusste ich nicht.

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Leopold Ares Westfield
Ich schüttelte bloß den Kopf. "Ja, ich weiß, das klingt nicht schlimm, aber für mich war es das, okay? Mein Dad hat mich immer für ein Weichei gehalten. Deswegen hat er mich ja auch erst geschlagen. Er hat es gehasst, wenn ich geweint habe, wenn ich gejammert oder Widerworte gegeben habe. Für meine Eltern war ich nichts weiter als ein Gegenstand, mit dem man andere Leute beeindrucken konnte. So lange, bis ich nicht mehr süß war und dann haben sie meine Schwester bekommen. Down-Syndrom. Sie war von Anfang an nichts wert für sie. Ich sehe sie nur einmal im Jahr zu Weihnachten. Dann holen sie sie aus dem Internat nach Hause. Nur für den einen Tag.", erklärte ich Zara und runzelte leicht die Stirn. "Vermutlich willst du das alles gar nicht hören. Darum geht es hier ja auch eigentlich nicht. Ich weiß nicht, was du durchmachen musstest, aber wenn du reden willst... vielleicht können wir ja gegenseitig darüber reden. Mit schlechten oder praktisch nicht existenten Eltern kenne ich mich aus, weißt du? Na ja, nur falls... du einen Leidensgenossen suchst, mit dem du dich austauschen willst. Wenn nicht, dann.... nicht." Ich wollte sie zu nichts drängen. Wie gesagt, sie war interessant und ich wollte einfach mehr über sie erfahren, wenn sie es denn zuließ. Als sie mich so abgewiesen hatte, hatte ich sie ja auch in Ruhe gelassen. Sie war wieder auf mich zugekommen, also schien dieses Interesse ja zumindest minimal auf Gegenseitigkeit zu beruhen, oder? Sie wollte nicht mehr allein sein. Wer war schon gern einsam? Ich jedenfalls nicht. Deshalb scharrte ich ja auch lieber diese Idioten um mich als komplett allein dazustehen. Ich schob die Hände in meine Jackentaschen und seufzte. Ich war nicht verantwortlich dafür, dass ich hier gelandet bin. Dass ich jeden Monat wieder und zwischendurch immer wieder zu Kontrollen hier landete. Ich konnte nichts dafür, aber um meine Tarnung aufrecht zu erhalten, musste ich das wohl auf mich nehmen. Ich lächelte schwach. "Danke, dass du mich nach Hause begleitest. Das wäre nicht nötig gewesen, auch wenn ich deine Gesellschaft sehr zu schätzen weiß.", erklärte ich und sagte einfach nichts zu der Selbstverschuldung. "Was steht als nächstes auf deiner Liste? Vielleicht kann ich mich ja revanchieren oder es vielleicht wieder gut machen, dass ich so ein Idiot bin.", murmelte ich und lächelte sie sanft an.

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Zara Winther
Er wollte mich damit nicht verletzen - trotzdem tat er es, wenn er einfach so meinte sagen zu können das ich Metaphern und Lyrik nicht zu schätzen wusste, und mich so doch nicht Songwriter nennen konnte. Was? Dachte er es würde mich glücklich machen, würde mich zum lachen bringen weil er es eindeutig als Spaß gemeint hatte, um mich aufzuziehen, ich aber viel zu sensibel und nicht geübt im Umgang mit meinen Mitmenschen war? Ich wusste ja auch das er es eigentlich nicht ernst meinte, und das er einfach nur versuchte mir zu helfen, deshalb fühlte ich mich aber nicht weniger angegriffen. Es war nicht in Ordnung von ihm mir diese Dinge zu sagen, nicht im Spaß und nicht Ernst. Er würde mir gerne dabei helfen, würde mich gerne aus meinem Schneckenhaus ziehen und mir zeigen wie ich losließ, er wusste einfach nicht wie er es anstellen sollte. Bestimmt nicht damit mir diese Dinge zu sagen, vor allem da er doch scheinbar zu wissen schien das ich meine Probleme hatte. Leopold wusste nicht was für Probleme ich hatte, er wusste lediglich das ich sie hatte - und das ich damit zu einem Therapeuten gehen musste, und es doch nichts brachte. Gott, er hatte ihn ja sogar noch gelobt, konnte sich aber wohl kaum vorstellen wie lange ich nun schon zu Dr. Martin ging nur um etwas Hilfe zu bekommen. Leopold konnte doch nicht einfach erwarten das ich ehrlich einfach so und von jetzt auf sofort aus meinem Schneckenhaus kam - ich tat es doch schon! Ich streckte mich schon nach ihm, ging schon auf ihn zu und tat Dinge die ich für gewöhnlich nicht tat. Nur vor einer Woche hätte ich mich nicht getraut mich bei Leopold zu entschuldigen, vor allem aber hätte ich es einfach nicht getan, weil ich alleine so viel besser aufgehoben war. Weil das hier mein Geheimnis war, das ich vor allen anderen irgendwie verstecken wollte, weil ich nicht darüber reden wollte, es aber irgendwie doch irgendwie tat. Zumindest bei Leopold, schließlich hatte ich ihm wirklich schon sehr viel mehr erzählt als sonst jemandem - meinem Therapeuten ausgeschlossen. Leopold aber hatte selbst ein Geheimnis. Etwas, das niemand erfahren sollte, das er nicht aussprechen konnte. Es beeinflusste ihn, weshalb und was es war wollte er aber nicht sagen. Gott, er ließ es gerade wirklich so klingen als würde er morgen schon sterben, oder den Freitod wählen. Fragend zog ich die Augenbrauen zusammen und sah Leopold von der Seite an, nickte jedoch lediglich. Ich würde nicht nachfragen, weil er es bei mir auch nicht tat. Er drängte mich nicht mich ihm anzuvertrauen, wollte mir zwar helfen aber dennoch blieb er wenigstens bei gewissen Dingen auf Abstand. Es würde ihn in Schwierigkeiten bringen, würde ich es wissen. Würde überhaupt jemand davon wissen. Scheinbar wussten ja aber noch nicht einmal seine Eltern von etwas, immerhin sprach er von ihnen als wären sie .. nie wirklich da. Um ehrlich zu sein konnte ich mir nicht vorstellen das es schlimm für ihn sein konnte, das er wirklich Probleme mit seinen Eltern haben könnte. Er sollte verdammt nochmal froh sein überhaupt welche zu haben, statt nun hier darüber zu reden wie schlimm es mit ihnen doch war. "Was? Du denkst das ist schlimm?", oh ich sollte so etwas wirklich nicht sagen. Zähneknirschend schüttelte ich den Kopf. "Es gubt nichts worüber ich reden müsste. Ich habe keine Eltern, hatte ich auch noch nie. Mehr gibt es da nicht", und wie es da mehr gab. Es gab unzählige Geschichten von beinahe Eltern, die dann aber doch einfach nicht das bekommen hatten was sie sich erwünscht hatten nachdem sie mich geholt hatten, so dass sie mich einfach wieder zurück geschickt hatten. Mit Leopold's Eltern schien es wohl so zu sein wie mit seinen Freunden. Sie zeigten kein Interesse an seinem wahren Ich, an der Person die er wirklich war, stattdessen aber versuchten sie ein Image aufzubauen. Mit ihm, um ihn. "Bist du wohl auch", gab ich ihm Recht als er meinte das er eigentlich mehr tun könnte, aber wohl doch irgendwie ein Idiot war. Ja. Ja das war er. Nicht halb so schlimm wie ich gedacht hatte, jedoch war er ein Idiot. "Aber selbst Idioten haben es nicht verdient alleine vom Krankenhaus nachhause zu laufen. Selbst wenn sie selbst Schuld waren dort gelandet zu sein", zuckte ich die Schultern und warf ihm noch einmal einen Blick zu. Er hatte es nicht verdient ausgelacht zu werden weil er trank, vor allem wenn er wirklich einen Grund dafür hatte - wenn er einen Grund dafür hatte so zu handeln, wie er es nun einmal tat. Ich verstand ihn nicht, das selbe aber galt ihm doch ebenso. Er verstand mich nicht, wollte es aber. Und ich war vielleicht gewillt ihm eine Chance zu geben.

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Leopold Ares Westfield
Ich schaute auf, als sie mir sagte, dass ich sowas nicht einfach so unbedacht sagen sollte. "Ich wollte dich damit nicht verletzen, Zara. Ich glaube nur, dass dir irgendjemand die Augen öffnen und dich aus deinem Versteck hervorlocken soll. Ich würde dir gern dabei helfen, denn darin bin ich scheinbar Experte. Ich habe nur noch nicht so genau rausgefunden wie ich dich überreden kann ein wenig loszulassen.", erklärte ich ihr. Die meisten Leute konnte man reizen, bis sie wütend waren und das taten, was sie eigentlich gar nicht tun wollte. In der Wut sahen die meisten nur rot und konnten nicht mehr klar denken. Vielleicht war das der Schlüssel dazu. Allerdings könnte ich sie dabei auch verletzen, was nicht unbedingt meine Absicht war. Ich wollte ihr nicht weh tun, ich wollte ihr helfen. Ich glaubte aber sehr wohl, dass sie wusste, dass ich ihr nichts Böses wollte. Na ja... andererseits glaubte sie ja auch die Gerüchte über mich, die an der Schule kursierten. Ich schürzte die Lippen und schüttelte leicht den Kopf, als sie meinte ich könnte es den Leuten doch erklären. "Es ist... ein Geheimnis. Ein sehr schweres Geheimnis, worüber ich nicht reden kann. Es beeinflusst mich, aber verstehen kann vermutlich keiner wieso ich so handle wie ich es nun einmal tue, ohne zu wissen, was mich antreibt. Das verlange ich genauso wenig von dir. Du sollst nur wissen, dass ich aus bestimmten Gründen so handle und es so besser für mich ist. Mehr musst und solltest du auch nicht wissen. Es würde mich sonstvermutlich in ziemliche Schwierigkeiten bringen." Na ja, nichts Schlimmeres als den Tod, aber ich wollte mein Studium noch beenden und mir einen Traum erfüllen, bevor ich nachher noch dahinschied. Ich schaute zu ihr, als sie mir sagte, dass ich wenigstens Eltern hatte. "Ich würde eher sagen es sind meine Erzeuger. Als ich nicht mehr süß genug war, haben sie mich abgeschoben und mein Vater ist gern mal handgreiflich geworden. Eltern jedenfalls sehen anders aus.", erklärte ich ihr und runzelte dann leicht die Stirn. "Und du? Möchtest du vielleicht mit mir darüber reden?" Sie hatte keine Eltern. War sie dann eine Waise oder wie sollte ich das verstehen? Ich wollte nicht herumschnüffeln, aber sie hatte es mir ja gerade irgendwie verraten und ich konnte ihr ja wenigstens anbieten darüber sprechen zu wollen. "Es würde nichts bringen. Ich sage ihnen oft genug, dass sie sich nicht wie Idioten verhalten sollen, aber die haben sich ihre Gehirnzellen wohl schon weggesoffen. Ich weiß ich könnte mehr tun, aber... na ja, ich bin wohl auch irgendwie ein Idiot.", erklärte ich ihr und zuckte leicht die Schultern. Ich hatte keinen rationalen Grund wieso ich meine Freunde nicht aufhielt, wenn sie Arschlöcher waren. In dem Moment saß ich einfach nur da und sah zu. Das war falsch, aber dennoch ließ ich es geschehen...

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Zara Winther
Wow. Meinte er das Ernst? Geknickt wandte ich den Blick ab und seufzte. Er hatte ja Recht - ich lenkte lediglich damit ab, weil ich seine Frage nicht beantworten wollte, das bedeutete jedoch noch lange nicht das ich es nicht verstand. Natürlich tat ich das! Ich verstand es, und ich wusste die Lyrik und die Metaphern zu schätzen. Das hatte doch gar nichts damit zutun das ich den Klugscheißer raushängen ließ! Schweigend biss ich mir von innen in die Wange, kaute unsicher darauf herum und ballte die Hände in meinen Taschen zu Fäusten. Ich traute mich nicht über meinen eigenen Schatten zu springen, aber er glaubte das es mir gut tat, immerhin war ich bereits ein Mal über diesen gesprungen und hatte ihn nach einer Woche angesprochen. Das war doch nicht ansatzweise das Selbe! "Solche Dinge solltest du nicht einfach so sagen", zumindest nicht wenn er nicht sicher wusste ob ich sie verstand oder nicht. Ob ich sie auch als Spaß sah, oder ob ich irgendwie doch dadurch verletzt werden würde, denn genau das taten seine Worte. Ich wollte Songwriter sein. Mh - was war denn so falsch daran das ich meine eigenen Songs schreiben wollte, dabei aber nicht vergaß dass das Herz eigentlich nichts mit Gefühlen zutun hatte? Ich richtete meinen Blick wieder meinen Schuhen zu, blieb an der Kreuzung stehen und wartete darauf das die Ampel grün wurde. Es war komplizierter als das. Ha, jetzt redete er davon als wäre sein Leben so verdammt kompliziert, das er noch nicht einmal etwas dafür konnte. Er ließ es ja fast schon so klingen als würde er sich in nur wenigen Tagen die Pulsadern aufschlitzen und sich gegen das Leben entscheiden. Niemand konnte verstehen was er gerade tat, oder was er vorhatte. "Schon Mal versucht es Leuten zu erklären?" Wohl kaum. Wenn er wirklich dachte das ihn doch ohnehin niemand verstand, hatte er es wohl nicht versucht. Erneut setzte ich mich in Bewegung und sah zu Leopold, runzelte die Stirn. Dieses Image das er heute mit sich trug, nützte ihm später auch nichts mehr. Schon bevor er überhaupt irgendetwas getan hatte, waren Leute auf ihn zugekommen. Weil er reiche Eltern hatte - ich aber kannte zu wenig seiner Geschichte um mir ein Urteil schaffen zu können. Sohn reicher Eltern, die ihn wenigstens gewollt hatten. Ich biss die Zähne zusammen. Er beschwerte sich nicht gerade wirklich darüber das er seiner Eltern wegen abgestempelt wurde, oder? "Wenigstens hast du Eltern", ich hatte keine, und auch noch nie welche gehabt. Nur wenige gaben ihm die Chance nach der er auch mich gefragt hatte, und trotzdem hatte er mittlerweile ein paar Leute die er Freunde nannte. Dann sollte er doch einfach Gordon und Co fragen ob sie ihn abholen wollten, wenn sie doch befreundet waren! Schulterzuckend begann ich wieder mit dem Kabel meiner Kopfhörer zu spielen. "Was wohl auch daran liegt das du nie etwas sagst wenn deine Freunde-nicht-Freunde Arschlöcher sind", wer wollte schon freiwillig in ihre Schussbahn? Ich zumindest nicht.

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Leopold Ares Westfield
Ich holte tief Luft, als sie plötzlich anfing wieder mit Wissen um sich zu schmeißen. Das schien sie ja wirklich gern zu tun, was? Ich verdrehte derweil nur die Augen und stupste sie mit der Schulter an. "Natürlich macht das Herz nichts anderes! Gott und du willst Songwriter sein? Du weißt die Lyrik und Metaphern ja gar nicht zu schätzen. Oder aber du lenkst einfach nur ab, um mir nicht antworten zu müssen. Du traust dich nicht über deinen eigenen Schatten zu springen. Das ist auch nicht leicht, ich weiß. Aber ich denke, dass es dir ganz gut tun könnte. Ich meine... du hast dich ja auch schon überwunden mich nach einer Woche doch anzusprechen!" Das war doch schon ein Anfang! Sie wollte das alles hier. Etwas anderes konnte sie mir nicht erzählen. Sie wollte ein normales Leben, sie wollte Freunde und sie wollte nicht allein sein. Niemand wollte das. Ich genauso wenig und dennoch war ich es, obwohl ich so viele Leute um mich scharrte. Ich schürzte leicht die Lippen, als sie nun plötzlich das Blatt wendete und lieber über mich sprechen wollte als über sie selbst. Was? Wollte sie nun über meine Problemchen sprechen? Glaubte sie das änderte etwas an ihrer Situation? Ich war kein Vergleich. "Ich fürchte es ist ein wenig komplizierter als das. Wie gesagt, niemand kennt mich wirklich und... niemand kann verstehen was ich gerade tue oder was ich vor habe.", erklärte ich ihr langsam. Ich würde in wenigen Jahren sterben. Ich wollte Spaß haben, wollte das Leben noch eine Weile genießen und das konnte ich am besten, wenn ich mich einfach mit irgendwelchen Leuten abgab. Ich verbrachte meine Jahre lieber mit diesen Vollidioten, die mich aber auch zum Lachen brachten, als allein. Denn genau das wäre ich nun einmal, wenn ich mich outen würde. "Ich kam an diese Schule und der Ruf meiner Eltern hat mich direkt verfolgt. Diese Leute kamen auf mich zu und auch wenn sie manchmal Arschlöcher sind, können sie auch nett und ganz witzig sein. Ich erwarte nicht, dass du das verstehst. Dafür kennst du zu wenig von meiner Geschichte. Es ist schwer zu erklären, aber ich mache das sicher nicht wegen irgendeines Images. Das nützt mir später ja nicht viel." Wenn ich tot war, konnte mir mein Image wirklich am Arsch vorbei gehen. "Alle auf der Schule verurteilen mich. Es gibt die Player, die sich meine Freunde nennen und es gibt Leute wie dich, die mich vorschnell abstempeln und auf Abstand gehen. Eigentlich war mein Schicksal an dieser Schule schon vorbestimmt, als ich hergekommen bin. Ich bin Sohn reicher Leute. Die werden doch immer abgestempelt. Ich bin lieber mit diesen Idioten unterwegs als allein zu sein." Nein, irgendwie klang es viel zu kompliziert, um es zu verstehen. "Nur wenige geben mir eine Chance, aber wenn sie es tun, bin ich meistens ein ganz lieber Kerl. Mittlerweile habe ich ja auch andere Freunde. Shannon, Gordon und Lola aus der ersten Klasse habe ich eingewiesen und mit denen verstehe ich mich gut." Ich hatte wenige "normale" Freunde, aber ich ließ keinen so nah an mich heranihn einzuweihen wie es um mich stand, das stimmte schon.

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Zara Winther
Es war komisch mit jemandem über diese Dinge zu sprechen. Für gewöhnlich erzählte ich lediglich Dr. Martin davon, sprach nur mit ihm über meine Gefühle und Gedanken, irgendwie hatte es Leopold aber doch geschafft mich dazu zu bringen zu reden. Zumindest irgendwie, wenn auch nur wage. Es war jedoch die Wahrheit; es war die Wahrheit, die ich schon so oft ausgesprochen hatte, und dennoch änderte sich einfach nichts an meinem miserablen Leben. Ich log ihn nicht an, tat nicht so als ginge es mir besonders gut oder als hätte ich keinerlei Probleme - jeder an der TAFE wusste das ich meine Probleme hatte, deshalb ließ man mich ja eigentlich auch in Ruhe. Lediglich einige Idioten - so wie Leopold's Freunde - konnten nicht genug davon bekommen mir Dinge an den Kopf zu werfen, mich auszulachen oder sich einfach nur darüber lustig zu machen wie ich herumlief. Sie dachten noch nicht einmal daran das es einen Grund haben könnte; Leopold hatte zwar Recht damit das er nie aktiv mitmachte wenn es darum ging andere Menschen ein schlechtes Gefühl zu geben, sonderlich viel dagegen unternahm er aber auch nicht. Er saß lediglich daneben, schwieg und tat so als fände er es witzig, um bloß sein Gesicht nicht zu verlieren. Kopfschüttelnd richtete ich meinen Blick dem Himmel zu und seufzte innerlich. Mein Verstand riet mir lieber alleine zu bleiben, weil es einfacher für mich und jeden anderen wäre - was aber sagte mein Herz? Tat es nicht weh? "Eigentlich hat das Herz nichts mit Gefühlen zutun", wich ich seiner Frage aus und zuckte die Schultern. "Das Herz pumpt nur Blut, irgendwann aber haben die Menschen begonnen ihm Gefühle zuzuschreiben. Gefühle sind aber nur Reaktionen des Körpers. Deshalb ist man meistens glücklich wenn man Adrenalin verspürt", und wieder ließ ich den Klugscheißer raushängen um seine Frage nicht beantworten zu müssen. Mein Kopf wollte das Eine, mein Herz das Gegenteil davon, und ich entschied mich seiner Meinung immer dafür was mit mein Kopf sagte. Gott, das wusste ich doch. Ich war nun einmal ein Kopf-Mensch, jemand der viel zu viel nachdachte und viel zu wenig auf meine Gefühle hörte. Weil ich bis jetzt nie sonderlich gute Erfahrungen damit gemacht hatte. Eswar nciht so einfach für mich meinem Kopf zu sagen er solle still sein, wie es für ihn war. Es gelang mir nicht - dachte er denn ich hätte es nicht schon versucht? Meinem Kopf sagen das er die Klappe halten sollte. Schweigend spielten meine Finger mit dem Kabel der Kopfhörer, verwickelten sich immer mehr darin. Erst als er mehr oder weniger meinte das seine Freunde eigentlich gar keine Freunde waren richtete ich ihm meine Aufmerksamkeit wieder zu und runzelte die Stirn. Leopold verbrachte seine Freizeit mit ihnen, wirklich kennen taten sie ihn aber nicht. Sie hatten ihre Gründe sich um ihn zu scharen, und er hatte seine Gründe es zuzulassen. Dennoch lief er lieber nachhause, als sich auslachen zu lassen. Ich wandte meinen Blick meinen Schuhen zu und schwieg fpr einen Moment. Nur kurz, und vielleicht auch um nicht - wieder - wie jemand zu klingen der ihn wegstoßen wollte, auch wenn ich ihn noch nicht ansatzweise soweit reingelassen hatte wie er wollte. "Also sind es keine Freunde sondern einfach nur Menschen die du um dich sammelst um den Image zu bewahren", das des bei allen beliebten Schülers der zwar in den meisten Unterrichtsfächern versagte, dabei aber verdammt gut in der Musik war. Er tat nichts dafür, aber auch nichts dagegen. Das war eine Lüge. Das war eine dicke, fette Lüge. Er versuchte scheinbar ernsthaft tagtäglich sein Image behalten zu können, ein weiterer Grund weshalb ich nicht wirklich verstand was er denn nun mit mir wollte. Ich passte nicht in seinen Freundeskreis, und würde jemand mitbekommen das er mein Freund sein wollte, würde man ihn doch nur dafür auslachen oder verurteilen. Ihm war nicht egal was die anderen über ihn dachten, das war genauso eine Lüge gewesen. Er log - beinahe ununterbrochen und ohne es selbst zu merken. Ich erkannte seine Lügen. Nicht weil ich ihn kannte, sondern weil ich Menschen wie ihn kannte. Die, die den Schein wahrten um bloß nicht aufzufallen.

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Leopold Ares Westfield
Ich gab den Eimer augespült an der Rezeption wieder ab und ließ mir leise einen neuen Termin für nächsten Monat geben. Den Zettel ließ ich dann unauffällig in meiner Hosentasche verschwinden. Sie sollte nicht mitbekommen, dass ich für nächsten Monat noch so eine "Alkoholvergiftung" geplant hatte. Oh wie viel leichter es doch wäre, wenn alle Bescheid wüssten. Aber nein. Das ging nicht. Ich behielt es für mich, war allein damit und fraß es in mich hinein. Ich konnte es niemandem sagen. Sie würden mich nicht mehr so sehen wie ich wirklich war. Ich wäre nicht mehr der beliebte Junge, sondern der Krebskranke. Ich würde ja vermutlich sogar mein Stipendium verlieren. Sie würden keinem dem Tode geweihten das Studium bezahlen, wenn es doch sowieso keine Zukunft für ihn gäbe. So oder so würde ich nicht singen können. Ob nun tot oder doch "nur" stumm. Ich vergrub die Hände in meinen Hosentaschen und nahm mir noch einen Becher Wasser für unterwegs. Gott, ich fühlte mich grauenhaft und ich konnte micht nicht einmal auslassen, weil Zara wirklich dachte ich hätte mir das hier selbst zuzuschreiben! Ich hatte in meinem Leben nie geraucht. Womit also hatte ich diesen Krebs verdient? Ich seufzte. "Gut für dich, dass du zwei Organe hast, die für dich Entscheidungen treffen. Dein Verstand rät dir vielleicht, dass du lieber allein bleiben solltest, aber was sagt dein Herz? Schmerzt es dich nicht in der Brust immer wenn du daran denkst, dass du allein bist?" So war es bei mir, wenn ich darüber nachdachte, was ich tun würde, würde diese alles entscheidende, letzte OP auf mich zukommen. "Na ja, es ist fast so, als würdest du Bungee springen. Dein Kopf sagt, dass das eine Scheißidee ist, aber dein Herz will unbedingt das Adrenalin spüren. Na ja, manchmal muss man Entscheidungen treffen, die vielleicht nicht unbedingt logisch erscheinen, die aber dem Herzen gut tun, weißt du? Du musst deinem Kopf manchmal einfach sagen, dass er die Klappe halten soll.", erklärte ich ihr und lächelte sie aufmunternd an. Sie hatte Angst verletzt zu werden. War das nicht genau der gleiche Grund weshalb ich eigentlich ebenso einsam war wie sie? Weil ich niemanden wirklich an mich heranließ, weil ich niemandem vertraute und weil ich von meinen Eltern schon mehr als einmal verraten worden war. Ich schaute auf, als sie mich fragte wieso meine Kumpels mich nicht abholen würden. Tja... gute Frage. Weil sie es nicht wussten? "Weißt du... ich habe doch eben von echten Freunden gesprochen. Ich verbringe meine Freizeit mit ihnen, aber auch sie kennen mich nicht wirklich. Sie versammeln sich um mich, weil ich bei den Frauen erfolgreich bin, wenn ich es denn sein will. Sie profitieren von meinem Ruf, den man mir schon nachgesagt hatte, bevor ich auf diese Schule gekommen war. Sie sind zu ihrem eigenen Vorteil in meiner Nähe und sie können manchmal ganz schöne Idioten sein. Ich laufe lieber allein nach Hause, als mich von ihnen auslachen zu lassen." Außerdem war ich nicht auf irgendeiner Party gestern. Sie würden es wissen und Fragen stellen.

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Zara Winther
Was würde passieren, würde ich ihn an mich ranlassen? Was könnte schon großartig passieren, wenn ich ihn an mich ranließ? Weshalb stieß ich jeden Menschen von mir, und das mit voller Absicht. Er wollte mir nicht schaden. Nein. Nein - er sagte, dass er mir nicht schaden wollte, sagte das er nur mein Freund sein wollte, mir helfen wollte. Man konnte aber viel sagen, und dann doch das genaue Gegenteil davon tun. Ich müsste ihm vertrauen, müsste seinen Worten Glauben schenken und ihn an mich ranlassen, müsste darauf hoffen das er mir wirklich nicht schaden wollte. Genau das war wohl auch der schlimmste Part an diesen zwischenmenschlichen Beziehungen. Das Vertrauen, das mir die Menschen genommen hatten die eigentlich für mich hätten sorgen sollen, die eigentlich für meine Sicherheit garantiert hatten als sie mich in ihr Zuhause geholt hatten. Es konnte so viel passieren, gab so viele Dinge die möglicherweise schief gehen könnten, und jedes einzelne Szenario spielte sich in meinem Kopf ab bevor ich überhaupt die Chance hatte wirklich auf etwas einzugehen und Freundschaften zu schließen. "Weil mein Kopf mich nicht lässt", so einfach war es. Mein Kopf ließ ihn mich nicht ranlassen, mein Kopf sagte mir ich sollte mir diese Dinge doppelt und vielleicht sogar dreifach überlegen, spielte mir jede noch so unerklärliche Situation vor, sorgte dafür das ich zu große Angst davor hatte verletzt zu werden und deshalb alle Menschen von mir schob. Es gehörte Vertrauen dazu, Vertrauen war wohl der wichtigste Bestandteil einer Freundschaft - jeder zwischenmenschlichen Beziehung - und ich war nicht dazu fähig. Ich konnte nicht vertrauen, traute ja noch nicht einmal wirklich dem Mann, dem ich all meine dunkelsten Geheimnisse mitteilte. Alleine schon hier zu sitzen und mit Leopold zu sprechen brauchte Vertrauen, zumindest ein klein wenig. Immerhin erzählte ich ihm doch von Dingen, die man Freunden erzählte - keine Geheimnisse, aber Dinge über die ich sonst nicht mit Leuten sprach. Es tat vielleicht sogar ein klein wenig gut mit jemandem zu sprechen, und nicht ständig auf Abstand zu bleiben. Es war anstrengend, ständig alleine zu sein machte einsam, und ich wollte nicht länger einsam sein. Ich wollte nicht länger einsam sein, und ich wollte mein Leben endlich selbst in die Hand nehmen, wollte es versuchen, mit allen Kräften die ich irgendwie aufbringen konnte. Und er könnte mir dabei vielleicht helfen. Einfach nur damit, ein Freund zu sein. Jemand, mit dem ich sprechen konnte, oder mit dem ich einfach nur schweigend dasitzen und Musik hören konnte. Denn genau das taten wir. Saßen schweigend auf den Stühlen im Krankenhausflur, hörten dabei meine Playlists durch und warteten darauf das sich Leopold's Magen wenigstens soweit beruhigt hatte, bis er zurücklaufen konnte. Wie lange wir warteten wusste ich nicht, eine ganze Weile, denn erst nach der zweiten Playlist schien ihm wenigstens ein klein wenig Farbe ins Gesicht zurückgekehrt zu sein, und auch wenn ich mir nicht so wirklich sicher war ob er überhaupt den ganzen Weg zurück zur Schule laufen könnte, lief ich einfach nur mit in meinen Pullovertaschen vergrabenen Händen neben ihm her und warf ihm ab und zu einen prüfenden Blick zu. "Warum holen dich deine Freunde nicht ab?", immerhin hatten sie doch gemeinsam gefeiert oder nicht? Er hatte so viel getrunken das er eine Alkoholvergiftung hatte, statt nun aber von seinen Freunden abgeholt zu werden lief er mehr oder weniger gerade die Straßen entlang und wirkte dabei sehr viel angestrenger als fähig. Selbst wenn seine Freunde so viel getrunken haben sollten das sie selbst im Bett lagen oder sich die Seelen aus den Leibern kotzten - Freunde sollten doch für einander da sein, oder nicht? Wenigstens einer von ihnen hätte sich in ein Taxi oder den Bus oder sonst etwas setzen können, um ihn abzuholen. Alleine kam er so doch niemals zur Schule zurück.

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Leopold Ares Westfield
"Nein, gesagt hast du es nicht, aber du benimmst dich so. Du gehst nicht auf andere Leute zu und wenn sie auf dich zukommen, stößt du sie von dir. Wieso? Ich meine... was glaubst du würde passieren, wenn du mich an dich ran lässt? Ich will dir ja nicht schaden.", erklärte ich ihr und zuckte leicht die Schultern. Ich verstand ihr Verhalten nicht, aber das hieß nicht, dass ich es nicht akzeptierte. Ich hatte mich von ihr wegschieben lassen, als sie mir mehr als deutlich klar gemacht hatte, dass sie mich nicht in ihrer Nähe haben wollte. Ich hatte mich von ihr fern gehalten und hatte ihren Wunsch respektiert. Nun aber war sie wieder hergekommen. Sie war zu mir gekommen! Und sie hatte sich entschuldigt. Das zeigte mir ja nun doch, dass sie in gewisser Weise bereit war mir entgegen zu kommen und dass sie auch irgendwie Kontakt zu anderen Menschen wollte - wenn auch nur unterbewusst. Sie war zurückgekommen und das deutete ich auch einen neuen Versuch, auf eine neue Chance, die sie mir nur gewähren musste. Ich fuhr mir mit den Fingern über die leicht schwitzige Stirn und schob den Eimer wieder unter meinen Sitz. "Tut mir leid. Du musst ja nicht hier sitzen.", sagte ich, als sie das Gesicht verzog und aufstand. Wow, ging sie jetzt wirklich? Ohne ein Wort? Ich schaute ihr kurz nach, dann bemerkte ich, dass sie bloß Wasser holte. Sie kehrte mit zwei Bechern zurück und reichte mir einen. "Danke..", murmelte ich überrascht, als sie sich wieder hinsetzte. Was sollte das bloß werden? Ich nahm einen Schluck, spülte damit meinen Mund aus und spuckte das Wasser in den Eimer unter mir, ehe ich den Becher leerte und den zweiten nahm, den sie mir hingestellt hatte. Sie kauerte sich derweil auf dem Stuhl zusammen und hielt mir plötzlich einen ihrer Kopfhörer hin, mit denen sie immer herumlief. Verwundert sah ich sie an und streckte vorsichtig die Finger nach dem Teil aus. Ich sagte nichts. Jedes weitere, überflüssige Wort hätte diese Situation wohl zerstört. Ich schob bloß ihren Kopfhörer in mein Ohr und lehnte mich zurück, schloss die Augen und ruhte mich noch eine Weile aus, bis ich hier abhauen würde.

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Zara Winther
Er hätte doch auch kein Mitleid mit mir, würde ich ihm vorjammern wie schwer mein Leben doch war, oder würde hier sitzen und den Alkohol auskotzen den ich zuvor getrunken hatte. Er hätte kein Mitleid mit mir, also hatte ich nun auch ganz bestimmt kein Mitleid mit ihm. Außerdem gab es wohl wirklich sehr viel Schlimmeres als das hier - er lebte noch, übergab sich lediglich und lag nicht etwa im Koma weil er zu viel getrunken hatte. Er hatte getrunken, eine ganze Menge - es konnte jedoch nicht so viel sein wie er es gerade darstellte, immerhin saß er immer noch aufrecht hier. Erneut verdrehte ich die Augen und zuckte die Schultern. Er hatte mich noch nie lachen gesehen. Was? Darauf achtete er? Ob er mich schon einmal lachen hatte sehen oder nicht? War das sein Ernst? Er achtete wirklich auf diese Kleinigkeiten? Anscheinend war er wohl wirklich sehr viel neugieriger als ich zuvor gedacht hatte, wenn er sich schon Dinge wie diese hier merkte. Ich lachte nicht oft, um ehrlich zu sein viel zu selten, und wenn ich es tat dann war da irgendwie doch irgendetwas das die Situation zerstörte und mein Lachen verstummen ließ. Gott, ich erinnerte mich nicht einmal mehr daran wann ich das letzte Mal so richtig gelacht hatte - so richtig und völlig ohne dabei auch nur an irgendetwas anderes zu denken als ans Lachen. Es gab nun einmal nicht sonderlich viel Grund für mich zu lachen, und die letzten Jahre war es einfach nur schwerer geworden wirklich aufzustehen und nicht einfach im Bett liegen zu bleiben. Dennoch tat ich es, auch wenn es ein täglicher Kampf war - ich könnte mein Leben einfach im Bett verbringen, könnte die Vorhänge zuziehen und nie mehr wieder einen Fuß vor die Tür setzen, so weit wollte ich mich jedoch nicht einschränken lassen. Ich wollte diesen Kampf hier gewinnen, ich wollte ein normales Leben führen können. Ich wollte lachen können, und über meinen Schatten springen. Deshalb hatte ich mir so leicht getan diese 21 Dinge aufzuschreiben, deshalb hatte ich gerade das Gefühl als könnte ich es vielleicht wirklich schaffen. "Ich habe nie gesagt das Spaß verboten ist", ich wollte doch meinen Spaß! Es war nun wirklich nicht so als wollte ich keinen Spaß, als wollte ich die ständigen Krankenhausbesuche und die ständigen Diskussionen, die ständigen Fragen was mit mir nicht stimmte - das waren keine Dinge die ich wollte. Das wollte niemand, und trotzdem .. hatte es mich nun einmal erwischt. Über seinen eigenen Schatten zu springen war aber so viel schwerer als gedacht. Spaß. Wann hatte ich das letzte Mal richtig Spaß gehabt? Wow. Er wollte wirklich immer noch eine Chance. Warum hatte ich denn auch bitte etwas anderes erwartet? Weil er sauer war, weil ich den Gerüchten glaubte? Es vielleicht sogar immer noch tat? "Das klang letztens anders", immerhin hatte er letztens noch gesagt ich würde ihn nie mehr wieder sprechen müssen, wenn wir fertig mit putzen waren. Und dem war ja auch so gewesen - hätte ich mich jetzt nicht bei ihm entschuldigt, hätten wir wohl wirklich nicht mehr mit einander gesprochen. Kurz bewegte sich Leopold, würgte und .. übergab sich nur wenige Sekunden später ein weiteres Mal. Oh wow, das musste wirklich eine feuchte Nacht gewesen sein. Angeekelt verzog ich das Gesicht und lehnte mich ein weiteres Stück von ihm weg. Vielleicht hätte ich ihn wirklich nicht ansprechen sollen. Vielleicht sollte ich ihn auch einfach alleine hier sitzen und sich übergeben lassen. "Ew", verzog ich das Gesicht. Was zur Hölle? Er würde zu Fuß nachhause laufen? Ernsthaft? Schweigend erhob ich mich einfach und lief zum Wasserspender den Flur hinunter, nahm gleich zwei Plastikbecher mit Wasser mit und reichte ihm einen davon, den zweiten stellte ich ihm auf dem kleinen Tisch neben ihm ab. Erst dann ließ ich mich wieder neben ihn auf den Stuhl sinken, zog die Beine hoch und legte die Arme um diese. Er würde noch eine Weile hier bleiben und sich auskotzen, ehe er sich zu Fuß auf den Weg zurück zur Schule machen würde. Ehrlich gesagt hatte ich wirklich gehofft er würde von jemandem abgeholt werden. Aus meiner Pullovertasche zog ich mein Handy, entwirrte die Kopfhörer und hielt ihm einen der Ohrstöpsel entgegen. Er wollte eine Chance. Ich wollte Freunde und ein normales Leben, und auch wenn das hier vielleicht nicht unbedingt etwas war wobei man sich anfreundete, konnte ich ihn doch nicht einfach hier alleine sitzen lassen. Vor allem weil ich wusste das er - alleine - zurück zur Schule laufen würde.

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Leopold Ares Westfield
"Oh doch das tust du! Du bist gemein zu mir und verbesserst mich, obwohl ich offensichtlich ziemlich lädiert bin. Also wirklich nett ist das ja nicht. Ein wenig Mitleid wäre ja schon angebracht, finde ich!", witzelte ich und fasste mir theatralisch an die Brust und schniefte laut. Ich kniff die Augen zusammen und wimmerte ein wenig gespielt, dann aber öffnete ich ein Auge und schaute zu ihr, musste dann aber doch grinsen. "Na ja, immerhin kann dir mein Leid ein Lachen entlocken, also war es das wert. Ich habe dich nämlich noch nie lachen gesehen, weißt du das?" Sie lief immerhin nur mit ihrer Kapuze herum, versteckte sich und schaute grimmig drein, obwohl ihre Lippen zu einem Lächeln verzogen doch so viel besser aussahen. Sie wirkte sonst immer so... einsam und irgendwie depressiv, dass es fast schon gruselig war. "Na siehst du. Wenn es nur Dinge sind, die du sonst nicht tust, weißt du doch, was er sich davon erhofft. Du sollst denke ich mal über deinen eigenen Schatten springen und ein wenig Spaß haben. Ist ja auch nicht verboten." Gerade sie könnte wohl eine ganze Ladung davon gebrauchen. Sie wirkte wirklich sehr... na ja. Jedenfalls würden ihr die ein oder anderen Abenteuer sicher dabei helfen ein wenig an Selbstvertrauen zu gewinnen und gleichzeitig auch ein wenig Spaß zu haben. Ihr Therapeut hatte gute Ideen. Das würde ihr sicher ein wenig helfen - auch wenn ich nicht genau wusste, was denn nun mit ihr los war oder worin sie sich schwer tat, außer Freunde zu finden. "Natürlich will ich immer noch eine Chance! Du hast sie mir ja auch immer noch nicht gegeben!" Ich schüttelte den Kopf. Als würde ich so schnell aufgeben. Ich war ein Kämpfer. Ich ließ mich doch nicht abwimmeln. Ich war neugierig, was sie betraf und wenn sie nach einer Woche Funkstille nochmal bei mir auftauchte, schien sie auch ein gewisses Interesse zu zeigen und da lohnte es sich doch dran zu bleiben. Ich wollte sie gerade anlächeln und ihr sagen, dass mein Angebot natürlich noch galt, wenn sie mir denn auch eine Chance gab, als mich erneut die Übelkeit überkam, ich den Eimer vorzog und direkt hinein erbrach. "Sorry..." Ich wischte mir mit dem Handrücken den Mund ab und schaute auf das wässrige Zeug herab. Es roch nicht nach Alkohol, es sah nicht aus wie Alkohol. Es war eben das typische Chemo-Erbrochene, aber das würde sie sicher nicht erkennen. "Uhm... ich denke ich.. kotze mich etwas aus und gehe zu Fuß?" So war ich immerhin auch hier her gekommen, aber meistens nahm ich mir ein Taxi zurück oder fuhr eben tatsächlich selbst mit dem Auto her.

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Zara Winther
Leise lachend verdrehte ich die Augen. Ich würde ihm ganz bestimmt kein Mitleid gegenüber bringen - er kotzte nur, weil er zu viel getrunken hatte. Niemand hatte ihm gesagt das er so viel trinken musste, niemand hatte gesagt er müsste so sehr übertreiben das er mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landete und wahrscheinlich noch nicht einmal jemanden hatte der ihn zurück zur TAFE bringen würde. Er hatte Freunde, aber von denen war hier weit und breit nichts zu sehen - von niemandem. Er saß hier alleine, kotzte einen Eimer voll und schob den immer wieder unter seinen Stuhl als könnte er damit die Unmengen an Alkohol die er im Blut hatte verstecken. "Ich hacke gar nicht auf die herum", beschwerte ich mich leise und verzog das Gesicht. Ehrlich - noch nie hatte man mir so etwas gesagt. Ich tat Dinge, die Menschen abschreckten, um alleine zu sein, um es auch in Zukunft zu sein, aber er konnte mir doch nicht jetzt auch noch unterstellen das ich auf ihm herumhackte! Das tat ich doch auch gar nicht - das stimmte nicht. Sein Ruf wurde ihm zum Verhängnis? Warum? Weil ich nicht mit ihm befreundet sein wollte, er aber anscheinend verdammt neugierig war was mich anging? Er konnte mir doch verdammt nochmal nicht sagen das es nicht schon jemanden gegeben hatte der ihm Nein gesagt hatte, der nicht mit ihm befreundet sein wollte, egal ob es nun der Gerüchte halber gewesen war oder einfach nur weil er .. er war. Leise stieß ich die Luft aus, zog die Beine unter meinen Körper und setzte mich im Schneidersitzt auf den Stuhl. War das hier überhaupt gesund? So viel Alkohol zutrinken das er zerdrückt, völlig farblos hier saß und seine Seele auskotzte? Konnte man es ihm nicht einfacher machen? Wahrscheinlich merkte er es sich ja noch nicht einmal und würde aus seinen Fehlern lernen. Wahrscheinlich war das aber auch einfach nur etwas, das ich selbst so unglaublich gerne hätte, das es für mich nur ein weiterer Grund war um auf Abstand zu bleiben. Weil er etwas hatte, und Dinge tat, die ich mich nicht traute. "Es steht nur Dinge drauf die ich sonst nicht tun würde", so viel hatte ich immerhin verstanden. 21 Dinge die ich unbedingt tun wollte, die ich mich aber einfach nicht traute, oder von denen ich dachte sie seien völlig sinnlos. 21 Kleinigkeiten, und dann doch wieder größere Dinge, mit denen ich vielleicht ein normales Leben führen könnte. Zumindest für den Zeitraum in dem ich diese Dinge durchzog; wenn es dazu kommen sollte. Mir gerunzelter Stirn sah ich Leopold wieder an. Er erwartete das ich mir ein eigenes Urteil bildete und nicht auf das hörte was diese Gerüchte über ihn erzählten - also wollte er doch eine Chance, und war nicht so sauer auf mich das er mich nicht mehr sehen wollte. "Du willst immer noch eine Chance", stellte ich fest. Er wollte eine Chance, und ich wollte Freunde. Es stand auf meiner Liste, und vielleicht war nur eine Person genug um nicht ganz so .. einsam und verrückt zu sein. Um mich ein klein wenig besser zu fühlen. Gott, wahrscheinlich wusste Leopold noch nicht einmal wie viel Überwindung das hier überhaupt kostete - ich wäre einfach an ihm vorbei gegangen, hätte Dr. Martin nicht etwa von mir gewollt Dinge zu tun, die ich für gewöhnlich nicht tat. Knapp nickte ich. Das Angebot mir mit den Songs zu helfen, vor allem aber das Angebot mein Freund zu sein. Einfach nur jemand, mit dem ich etwas Zeit verbringen konnte. Oh. Oh, er sah gerade wirklich nicht gut aus, als würde er sich gleich wieder übergeben. Ich verzog das Gesicht, lehnte mich etwas in die andere Richtung und wandte meinen Blick wieder der Wand und gegenüber zu. "Wie kommst du von hier weg?" Selbst Autofahren konnte er ja wohl schlecht, und seine Freunde waren hier auch nirgendwo. Zwar nahm ich selbst den Bus, aber wenn er mir schon helfen wollte .. konnte ich es doch auch tun. Außerdem glaubte ich wirklich nicht das er zurück zur Schule käme, wenn er so alleine herumlief.

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Leopold Ares Westfield
Als sie mich ernsthaft fragte, ob sie Mitleid haben sollte, drehte ich den Kopf zu ihr herum und hob eine Augenbraue. "Uhm... Ja! Ich bin kreidebleich und ich kotze." Mal ganz zu schweigen von dem Tumor, der in meinem Hals sitzt und mich tötet oder mir zumindest für immer die Stimme rauben könnte, wenn ich tatsächlich überlebte. "Es geht mir wirklich ganz schön mieserabel und du hast nichts Besseres zu tun, als mich zu verbessern und auf mir herumzuhacken. Man sollte dir den Ruf als beliebten Schüler nachhängen. Immerhin sind die es ja angeblich, die alles und jeden ärgern, richtig? Bei meinen Freunden ist das so, aber hast du jemals mitbekommen, dass ich selbst aktiv jemanden schlecht gemacht habe? Du kennst mich nicht, Zara und eigentlich ist mir egal, was die Leute denken, aber wenn mir dieser Ruf, den man mir nachsagt, zum Verhängnis wird, dann nervt es eigentlich nur noch." Immerhin schob sie mich doch deswegen von sich, oder? Weil ich angeblich der beliebte Schüler war, der Schwächere schlug und feierte, bis er umkippte. "Ich denke er erhofft sich von dir dadurch ein wenig mehr Initiative. Ich meine... du hast sicher Dinge auf der Liste stehen, die du sonst nicht tun würdest, sonst wäre es ja keine Bucketlist." Er wollte, dass sie über ihren eigenen Schatten sprang und da hatte ich direkt einen wunderbaren Anfang für sie: "Ich erwarte, dass du dir dein eigenes Urteil bildest und nicht einfach blind irgendwelche Sachen glaubst. Ich habe vielleicht nichts gegen diese Gerüchte getan, aber auch nichts dafür, oder?" Sie sollte eben so handeln, wie ich es tat, was das betraf. Sie und alle anderen behaupteten sie wäre verrückt, doch das würde ich erst so sehen, wenn ich mich selbst davon überzeugt hatte. "Was für ein Angebot? Dass ich dir bei den Songs helfe? Steht das auch auf deiner Liste?", fragte ich sie und verschränkte die Arme vor meinem Rumpf, da mein Magen wieder sehr verdächtig grummelte.

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Zara Winther
Alkoholvergiftung, sagte er. Er hatte zu viel getrunken, und nur hier weil er die Unmengen Alkohol die er binnen weniger Stunden zu sich genommen hatte, nun wieder irgendwie aus seinem Körper bringen musste, und alleine schaffte er es scheinbar nicht. Es war wohl eine reife Leistung das er in nur kürzester Zeit nun schon zum zweiten Mal in diesem Krankenhaus gelandet war, es ging mich aber wirklich nichts an, und etwas darüber sagen würde ich auch nicht. Ich nickte leicht, warf ihm einen knappen Blick zu und schwieg. Ich wollte ihm nicht noch mehr unterstellen, als ich ohnehin schon getan hatte, denn auch wenn ich den Gerüchten immer noch glaubte, hatte ich keine Ahnung ob es nicht doch einfach nur unfair war. Er hatte mir nichts getan, hatte nett sein wollen und ich? Ich unterstellte ihm die Dinge die getuschelt wurden, tat dabei so als hätte ich Ahnung und das Recht, und ich wusste das es falsch war. Das vor allem ich genau das nicht tun sollte, immerhin hatte ich mich doch erst vor ein paar Tagen bei ihm beschwert das unsere Mitschüler doch ohnehin nichts mit mir zutun haben wollten, weil sie nur Vorurteile hatten. Genau das hatte ich ihm gegenüber doch auch. Vorurteile die auf Gerüchten basierten, weil ich es nicht besser wusste oder anders kannte. Klugscheißer - was? Hätte ich nichts dazu sagen sollen, und ihm diesen Fehler einfach durchgehen lassen, nur weil er sich gerade die Seele aus dem Leib kotzte? Am Ende lief er noch herum und dachte es wäre richtig so, obwohl es das nicht war. Ich half ihm doch nur! "Soll ich Mitleid haben?", fragte ich ihn. Sollte ich etwa Mitleid mit ihm haben weil er selbst nicht gemerkt hatte das er schon zu viel getrunken hatte und nun hier saß? Es gab wohl sehr viel schlimmeres als zu kotzen, weil man zu viel Spaß gehabt hatte. Er hatte wenigstens Spaß. #14: Mich betrinken. Gott, wenn er wüsste was für Dinge ich auf diese Liste geschrieben hatte, manche waren so unglaublich dumm und einfach nur Kleinigkeiten, vor denen ich mich aber selbst heute noch scheute. Die ich wohl doch nie tun würde, egal ob sie nun auf dieser Liste standen oder nicht. "Mh. Nette Idee vielleicht, ich weiß nur nicht was er sich dadurch erhofft", es war immerhin nicht so als hätte er eine Möglichkeit zu überprüfen ob ich auch wirklich alles tat was ich aufgeschrieben hatte. Fragend hob ich den Blick und sah zu Leopold. Meine Entschuldigung nahm er an, besser machte es das Ganze trotzdem nicht. Weil ich den Gerüchten ja doch glaubte, und das nicht fair war. "Was erwartest du? Das ich ihnen nicht glaube? Du hast bis jetzt nicht wirklich viel getan was gegen diese Gerüchte spricht, und ich sage auch gar nicht das du nicht nett bist", das hatte ich ihm wirklich nicht unterstellt. Vielleicht war er ja wirklich einer dieser Leute die völlig falsch dargestellt wurden. Leise seufzte ich. Keine oder nicht die richtigen Freunde traf es wohl ziemlich gut. Ich hatte keine Freunde, noch nie gehabt und irgendwie hoffte ich das bald ändern zu können. "Ich schätze dein Angebot steht nicht mehr, oder?" Wieso sollte es auch? Er war sauer, und ich konnte es verstehen. Vor allem aber würde ich mir auch nicht helfen wollen, auch wenn ich gerade wirklich versuchte etwas zu ändern, um vielleicht bald ein etwas normaleres Leben führen zu können.

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Leopold Ares Westfield
Sie hätte es mir geglaubt. Scheiße, diese Chemo benebelte mich wirklich. Ich hätte es ihr einfach sagen können. Alkoholvergiftung. Punkt. Sie hätte es mir geglaubt, denn sie glaubte ja auch den Leuten, die sagten ich wäre das absolute Partytier. Ja, ich hatte meinen Spaß auf Partys und ja, ich trank manchmal auch zu viel, aber ich war dafür nicht oft weg. Meistens war ich eher zu Hause und machte andere Dinge. Sie aber hätte es mir abgekauft, hätte ich sie nicht gefragt, ob sie es mir glauben würde. Wie konnte ich nur so dumm sein? Ich fuhr mir durch das Gesicht und wischte ein par Schweißtropfen von meiner Stirn. Gott, sicher machte ich der weißen Wand hinter mir Konkurrenz! Ich lehnte mich zurück, legte den Kopf vorsichtig an die Wand und schloss die Augen. "Alkoholvergiftung.", wiederholte ich nur. Wir würden uns auf diese Geschichte einigen, würde irgendjemand fragen. Sie sagte ja, dass es sie nichts anging. Dann konnte sie auch einfach vergessen mich hier gesehen zu haben oder in meine Lüge mit einsteigen. "Gott, das meine ich doch! Jetzt sei doch nicht so ein Klugscheißer, ich bin krank und kann nicht klar denken, okay?" Sie wusste doch, was ich gemeint hatte! Mein Gott, wen interessierten schon die Tempi? Ich schloss die Augen und atmete tief durch. "Eine Bucketlist, hm? Nette Idee von deinem Therapeuten." War es ja vielleicht auch. Sich Ziele setzen und sie versuchen demnächst zu erreichen. Klang doch ganz spaßig. Okay, sie wollte den Gerüchten nicht glauben? Dennoch tat sie es. Wieso? Wenn sie es bereute, wieso glaubte sie es dann? "Entschuldigung angenommen. Ich bin aber immer noch sauer, dass du mich so verurteilst wie es andere bei dir tun. Das ist nicht fair." Sie war ohne Freunde bisher besser dran gewesen. "Dann hattest du bisher noch keine Freunde oder aber du hattest nicht die Richtigen." So einfach war das. Freunde würden ihr gut tun. Richtige Freunde. Sie würden ihr helfen ein wenig aus sich heraus zu kommen. Ich hatte ihr dabei ja helfen wollen, aber sie stieß einen ja weg. Sie ließ Hilfe ja gar nicht erst zu.

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Hae-Sung 'Rian' Kang
Keine Ahnung wie viele Stunden würden wir nun in diesem Flugzeug verbringen, um dann für keine Ahnung wie lange in Brasilien zu verbringen. Ich hatte generell nicht sonderlich viel Ahnung was auf dem Plan stand, ob Rodrigo überhaupt einen wirklich Plan hatte oder ob er mich nicht einfach nur von diesem Leben hier - das ich um ehrlich zu sein gar nicht einmal so führen wollte - befreien wollte. Für eine Weile wäre es in Ordnung, für eine Weile würden wir wahrscheinlich einfach nur zufrieden und glücklich dort leben können, bis wir kapierten das wir nicht ewig vor dem Chaos hier weglaufen konnten. Wir konnten nicht ewig in Brasilien abwarten, ein Versuch war es jedoch wert. Ein Versuch um wieder gesund zu werden. Seufzend lehnte ich mich an Rodrigo, schlang meinen Arm um seinen und lächelte. Ich war glücklich, zumindest soweit wie es nun einmal ging. Schmunzelnd drehte ich den Kopf zu Rodrigo. "Danke das du mir hilfst", ich hatte mich noch nicht bei ihm bedankt. Weder dafür das er mich ins Krankenhaus gebracht hatte, weder dafür das er die ganze Zeit über gewartet hatte und nicht etwa einfach verschwunden war, nicht einmal dafür das er es mit mir aushielt und mich nicht einfach im Stich ließ. Alleine ließ. Vorsichtig schob ich meine Finger zwischen seine, lehnte meinen Kopf an seine Schulter und schloss die Augen. Gott, es war wirklich noch viel zu früh um überhaupt auf den Beinen zu sein, und trotzdem hatte er unbedingt diesen Flug gebucht - selbst wenn ich hier schlafen konnte, war es noch zu früh für mich. Ein paar Stunden, wahrscheinlich sehr viel länger als ich gewohnt war, würden wir nun über dem Ozean schweben und nichts weiter tun können als zu schlafen, oder uns irgendeine andere Beschäftigung zu suchen. Ich wusste nicht so wirklich was mich in Brasilien erwarten würde, wusste nicht so wirklich wie ich es mir dort vorstellen sollte, oder konnte. Ich war noch nie dort gewesen, noch nicht einmal als ich noch Teil von T-Ara gewesen war. Es war ein mir völlig fremdes Land, und die Tatsache das ich täglich damit zu kämpfen hatte genug zu essen machte es auch nicht sehr viel besser. (Sorry maahn x.x)

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Zara Winther
Um ehrlich zu sein: ich hatte nicht gedacht Leopold noch einmal im Krankenhaus anzutreffen. Ein Mal war Zufall, zwei Mal jedoch bedeutete das er ebenso Probleme hatte wie ich - möglicherweise nicht gleich die selben, ganz sicher aber ging es ihm doch nicht so gut wie alle immer meinten. Ich wusste nicht so wirklich was ich davon halten sollte, ob ich mir ein Urteil darüber machen sollte das er nun schon das zweite Mal in nur kürzester Zeit hier war, oder ob es einfach nur Zufall war. Selbst meinte er - oder frage viel mehr nach ob ich es ihm glauben würde - das er einfach nur zu viel getrunken hatte, und nun mit einer Alkoholvergiftung hier saß. Oh wow, nein - so roch es nun doch wieder nicht. Viel mehr roch es so als wäre er gerade damit beschäftigt sämtlichen Mageninhalt loszuwerden. "Ich hätte. Es geht mich aber nichts an", es ging mich nichts an, vor allem aber würde ich nicht nachfragen. Er war doch ohnehin wütend, oder verletzt weil ich ihm Dinge unterstellte die er nicht wirklich tat. Meine Entschuldigung schien er trotzdem nicht wirklich akzeptieren zu wollen. Seufzend lehnte ich den Kopf in den Nacken und sah die Decke an. Ich sprach im Präteritum? Fragend zog ich die Stirn in Falten und sah zu Leopold. "Präsens. Du meinst Präsens. Präteritum ist Vergangenheit", das war wohl nicht das was er von mir hören wollte. Natürlich wollte er das nicht, viel mehr wollte er eine aufrichtige Entschuldigung, eine in der ich ihm erklärte das ich nicht etwa den Gerüchten glaubte und ihm eine Chance geben wollte. "Mein Therapeut hat mir eine Aufgabe gegeben. Eine Liste schreiben. 21 Dinge die ich tun will, bevor ich 21 werde", vielleicht würde er es ja auch einfach akzeptieren wenn ich ihm davon erzählte. "Mich bei dir entschuldigen gehört dazu", genauso wie ich Freunde finden wollte, offener anderen Menschen gegenüber sein wollte. Mich nicht von Gerüchten und Dingen wie diesen Dingen ablenken lassen wollte. "Es ist nicht so einfach den Gerüchten nicht zu glauben, Leopold. Ich meine .. ich will dir wirklich nicht das Gefühl geben als wäre das der Grund warum ich dir keine Chance geben will, weil das ist es nicht. Bis jetzt war ich nur alleine besser dran als mit Freunden", denn Familie hatte ich keine und Freunde - die hatten sich nie dafür interessiert was denn nun mit mir war. (Sorryy D: Hab Kopfschmerzen x.x)

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Leopold Ares Westfield
Die Chemo war hart. Ich ließ sie einmal im Monat über mich ergehen, um den Tumor klein genug zu halten, damit er mir nicht die Luft abschnürte oder mir meine Stimme nahm. Ich musste mir ein mal innerhalb von vier Wochen Gift in die Venen spritzen lassen, das mein Körper bloß abstoßen wollte. Diese Abstoßreaktion war... einfach nur ekelig. Anders konnte man es nicht beschreiben. Ich hing über der Schüssel und kotzte mir die Seele aus dem Leib. Ich war kreidebleich, meine Knie zitterten und würgte ständig neue Magensäure hoch, die sich ätzend durch meine Speiseröhre ihren Weg nach oben kämpfte. Es war widerlich und ich hasste es. Daran konnte man sich nicht gewöhnen, würde ich mich allerdings dazu entschließen die Therapie wirklich anzufangen, dann würde ich das wohl müssen, denn dann würde es nicht bei einmal pro Woche bleiben. Erneut überkam mich die Übelkeit und ich erbrach einen Schwall Magensäure in den Eimer vor meinen Füßen. Genervt wischte ich mir den Mund mit dem Taschentuch ab und schob den Eimer mit meiner Ferse unter meinen Stuhl, damit die anderen Patienten hier nicht noch zusehen mussten. Ich musste nach der Chemo meistens noch eine Weile hier warten, aber wieso sie keinen vernünftigen Raum dafür hatten, war mir unklar. Denn im Flur passierten nun einmal genau solche Dinge wie die, die gerade passierten. Jemand setzte sich direkt neben mich und ich sah auf. Wer setzte sich schon neben einen, der gerade kotzte? Es sei denn er hatte es nicht gesehen. Ich schielte vorsichtig herüber, als mein Sitznachbar auch schon anfing zu reden. War das Zara? Im Ernst jetzt? Ich runzelte die Stirn und schaute sie an, als sie meinte etwas würde mit mir nicht stimmen, weil ich im Krankenhaus war. "Würdest du mir glauben, wenn ich dir sage, dass ich zu viel getrunken und eine Alkoholvergiftung habe?" Wow, sehr glaubwürdig! Ich sollte sie nicht danach fragen, ob sie es mir glaubte, sondern es einfach sagen, als wäre es so. Ich Idiot... Hoffentlich würde sie einfach nicht weiter fragen. Wenn sie den Gerüchten über mich glaubte, dann würde sie mir auch diese Lüge abkaufen. Immerhin war ich doch der Sunnyboy, der ständig auf Partys war. Als sie sich aber plötzlich genau deswegen entschuldigte, hob ich eine Augenbraue. "Du sprichst im Präteritum. Das heißt du glaubst den Gerüchten immer noch und hast auch weiterhin kein Interesse daran mir eine Chance zu geben... richtig?" Immerhin sagte sie, dass es ihr leid tat, dass sie den Gerüchten glaubte. Es hatte sich also nichts geändert, außer dass es ihr leid tat. Bloß ändern wollte sie nichts daran.

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Rodrigo da Moura Brandão
Ich war immer froh, wenn sie etwas ass und ich musste nichts dazu sagen. Es ersparte eine Menge Diskussione und sie wusste genau, dass sie es schlussendlich doch essen musste. In diesem Punkt gab es nun einmal einfach keine Ausnahme. Es war so und das konnte man nicht ändern. Wenn sie sich nicht selber umbringen wollte, dann musste sie sich halt dazu zwingen, dass sie mehr ass - so hart das auch klingen mag. Sie verdrehte die Augen, als ich sie fragte, ob sie auch wirklich alles eingepackt hatte. Ich sagte ja nicht, dass es sein musste, dass sie etwas vergessen hatte, aber ich konnte es mir dennoch sehr gut vorstellen. Wir zogen die Schuhe an und ihre Arme schlangen sich danach um meinen Körper. Ich erwiderte den Kuss und lächelte sie an. "Das weiss ich, aber ich will es nicht", meinte ich grinsend und sah sie an. Immerhin war sie ein Fliegengewicht, dann würde ich sie garantiert keinen Koffer tragen lassen, der fast gleich schwer war wie sie. Ausser sie wollte sich ihren Rücken kaputt machen, aber sie war um einiges jünger als ich, als ersparte ich ihr dies lieber. Wir verliessen die Wohnung und wir gingen kurz beim Büro des Direktor, wobei ich den Schlüssel nur in den Briefkasten warf. Er wohnte sowieso nicht hier, sondern wahrscheinlich irgendwo, wo er genug Ruhe von den Teenagern hatte. Anschliessend gingen wir nach draussen. Das Taxi wartete schon und während Hae-Sung einstieg, räumte ich mit dem Taxifahrer die Koffer ins Auto ein. Die Fahrt würde nicht lange dauern. Wir waren hier nicht so weit vom Flughafen entfernt, aber der Flug danach würde noch lange dauern. Ich setzte mich neben Hae-Sung hin und der Taxifahrer fuhr auch schon los. Ich war gespannt, wie es ihr in Brasilien gefallen würde. Es hatte seine schönen Seite, aber es hatte auch seine Schattenseite. Aber das hatte doch jedes Land? Der Unterschied war, dass es manchmal grössere Unterschiede waren und manchmal nicht. Wer in Brasilien kein Geld hatte, der musste praktisch wie ein Hund auf der Strasse leben. Wenn man Geld hatte, war das ganze kein Problem, vorausgesetzt man war vorsichtig. Das ganze Land war geprägt von Korruption und daher wäre es als Frau nicht so geeignet, wenn man alleine dorthin gehen würde. Besser gesagt, ich würde es bevorzugen, wenn jetzt zum Beispiel Hae-Sung nicht alleine gehen würde. Ich wusste gar nicht, ob ich das akzeptieren könnte. Schlussendlich konnte sie aber immer noch tun und lassen, was sie wollte. Wir kamen beim Flughafen an und ich stieg aus, wobei ich die Koffer entgegen nahm. Ich zahlte das Taxi und wir gingen in den Check-In Bereich. Wir waren nicht überaus früh dran, mussten aber auch keinen Stress haben. So gefiel mir das. [Schlecht, sorry :o]

Save your advice, 'cause I won't hear. You might be right, but I don't care.

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Zara Winther
Alleine sein war etwas, worin ich gut war. Ich war schon so lange alleine, war wohl irgendwie schon seit meiner Geburt auf mich gestellt, konnte noch nicht einmal sagen wie es sich anfühlte Freunde zu haben, jemanden der sich wirklich für einen interessierte. Ich hatte es noch nie gehabt, hatte keine Freunde oder Menschen in meinem Leben gehabt die sich um mich kümmern wollten, die mir helfen wollten über etwas hinwegzukommen, das schon mein gesamtes Leben so verlief. Ich hatte noch nie bei jemandem Interesse geweckt, weil ich meist einfach übersehen wurde, oder aber allen das Gefühl gab nicht erwünscht zu sein; und genau das schaffte ich auch bei Leopold. Ich gab ihm das Gefühl unerwünscht in meinem Leben zu sein, gab ihm das Gefühl das er es lieber lassen sollte als sich die Mühen zu machen mich kennenzulernen. Ich hatte es geschafft ihn zu vergraulen, und auch wenn es mir eigentlich nichts ausmachen sollte, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Weil es nicht fair von mir war ihm Dinge an den Kopf zu werfen, ihm Dinge zu unterstellen von denen ich noch nicht einmal ansatzweise eine Ahnung hatte. Ich hatte gesagt das er keine Ahnung davon hatte was in mir vor sich ging, glaubte aber es wäre in Ordnung genau das selbe zu denken. Er hatte Recht damit wenn er sagte das ich mir bereits ein Urteil gebildet hatte, auf Gerüchten und Lügen basierend, weil das alles war was ich kannte. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, sprach Leopold aber kein einziges Mal darauf an. Stattdessen versteckte ich mich weiterhin in meinen übergroßen Pullovern und dunklen Klamotten, bewegte mich im Schatten der Leute um bloß nicht aufzufallen. Und irgendwann schien es fast schon leichter zu werden im selben Raum zu sein wie er, ohne dabei das Gefühl zu haben als hätte ich die einzige Chance vertan irgendwie ein normales Leben zu führen. Dr. Martin jedoch meinte ich sollte mich entschuldigen. Er meinte vieles wenn der Tag lang war, wenn er jedoch behauptete erkennen zu können das ich daran nagte das ich Leopold vor den Kopf gestoßen hatte obwohl er einfach nur nett hatte sein wollen - weil ich Angst hatte - hatte er Recht. Ich hätte wahrscheinlich fast schon damit rechnen sollen ihm hier noch einmal zu begegnen, als er aber wirklich ziemlich zerdrückt auf einen der Stühlen saß blieb ich stehen und musterte ihn für einen Moment. Wahrscheinlich sollte ich weitergehen, Dr. Martin aber hatte diese wunderbare Idee gehabt mir doch eine Aufgabe zu geben. Eine Aufgabe die ich über die kommenden Wochen erledigen sollte, einen Schritt nach dem nächsten um vielleicht aus dieser schüchternen, ängstlichen Phase endlich herauszukommen und mein Leben leben zu können. Leise ließ ich mich neben Leopold auf einen der Stühle sinken, legte meine Hände in meinen Schoß und sah die Wand uns gegenüber an. "Du bist schon wieder im Krankenhaus", stellte ich leise fest. "Ich würde fast schon behaupten mit dir stimmt etwas nicht", vielleicht war es ja wirklich falsch gewesen zu behaupten das jemand wie er doch keine Ahnung von Schwierigkeiten und Problemen hatte. Ich würde mich einfach bei ihm entschuldigen, mein schlechtes Gewissen beseitigen und die Liste die ich hatte aufstellen sollen, nach und nach abarbeiten. #21: Mich bei Leopold entschuldigen. 21 Dinge, die ich vor meinem 21. Geburtstag machen wollte. Ich drehte den Kopf etwas zur Seite und sah Leopold an. "Tut mir leid dass ich Gerüchten glaube und dir keine Chance gebe", er hatte nur nett sein wollen, hatte nur etwas Zeit mit mir verbringen wollen und ich ließ all das an ihm aus, was ich an anderen Menschen auslassen sollte. Ich lehnte mich vorsichtig zurück und sah wieder zur Wand, war mir aber eigentlich nicht so wirklich sicher ob ich hier sitzen sollte oder ob ich nicht einfach meine kurze Entschuldigung aussprechen und dann auch wieder gehen sollte. Wieso war er bitte schon wieder hier? Stimmte mit ihm etwas nicht? Ganz gesund sah er gerade aber auch wirklich nicht aus.

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Leopold Ares Westfield
Sie ließ mir keine Chance. Natürlich war das nicht fair, aber ich hatte sie auch bedrängt. Gut, ich hätte es sanfter angehen können, immerhin hatte ich ja gesehen wie sehr sie Menschen mied. Dennoch war das keine Entschuldigung dafür weshalb sie so gemein zu mir war. Sie wollte, dass ich sie so sah wie alle anderen und nicht wie sie wirklich war. Sie selbst aber respektierte meine Wünsche nicht. Sie sah mich wie es alle anderen taten, weil sie es wollte. Ich hatte ehrlich und nett zu ihr sein wollen, sie aber hatte wirklich alles dafür getan, um mich loszuwerden, obwohl ich doch nichts weiter versucht hatte als nett zu ihr zu sein und ihr vielleicht ein Freund zu sein, wo es jeder andere vermied ihr zu begegnen. Ich wollte einer schüchternen Frau einfach ein wenig helfen und was bekam ich dafür? Anschuldigungen und Unterstellungen, die nicht wahr wren. Das war es mir nicht wert gewesen. Ja, ich hatte sie kennen lernen wollen, weil es mich einerseits interessierte wer sie war und andererseits weil ich gerne Leuten half, auch wenn man es mir nicht unbedingt nachsagte, aber ich hatte meine Grenzen und wenn mich jemand wirklich absolut nicht da haben wollte, dann bettelte ich sicher nicht darum. Ich hatte ihr helfen, ihr etwas Gutes tun wollen und ihr meine Hilfe angeboten, aber wenn sie immer nur ablehnte und mich schließlich auch persönlich angriff, dann war mir der Aufwand zu groß. Nein, das ließ ich nicht mit mir machen. Also räumte ich auf, kehrte den Boden und verschwand dann ohne ein weiteres Wort. Nun gut. Dann würde sie eben weiterhin das Mauerblümchen sein, das keiner bemerkte und wenn als verrückt abstempelte. Sie wollte es ja so. Dann konnte ich ihr auch nicht helfen! Nein, ich verschwendete keinen weiteren Gedanken mehr daran. Ich dachte zwar manchmal über sie nach, weil sie wirklich ziemlich kompliziert war, aber ich nährte mich ihr nicht mehr, schaute sie nicht mehr an und sprach nicht mehr mit ihr. So wie sie es wollte und nach einer Woche war sie aus meinen Gedanken auch schon verschwunden. Eine Woche und eine ziemlich miese Chemo am Monatsende hatte es gebraucht, um nicht mehr über sie nachzudenken, sondern eher über diese widerliche Übelkeit, die meinen Magen zerriss.

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Zara Winther
Jetzt war also ich die Böse? Jetzt meinte er wirklich mich als etwas darzustellen, das ich gar nicht war? Gott, nein - nein, er stellte mich nicht als etwas dar das ich nicht war, er unterstellte mir genau das was ich auch war. Verrückt, nicht in der Lage mit anderen Menschen Kontakt zu haben und ganz ehrlich - es war sehr viel schlimmer es von jemanden zu hören dem man sich gerade geöffnet hatte. Zumindest ein klein wenig mehr, als für gewöhnlich. Zerdrückt erhob ich mich vom Boden und tat es Leopold gleich, schwieg einfach nur und tat so als wäre er gar nicht im Klassenzimmer. Wir müssten nur kurz hier zusammenräumen, danach würde er mich in Ruhe lassen. Gut. Das war doch genau das, was ich wollte. Meine Ruhe, vor ihm und der Welt, vor der Tatsache das ich allen ernstes sein Interesse geweckt hatte. Das konnte einfach nicht wahr sein - er musste lügen, ich war nicht interessant und konnte demnach auch gar nicht erst sein Interesse geweckt haben. Schweigend putzten wir das Klassenzimmer fertig, und auch wenn ich gedacht hatte das es schnell gehen würde und das ich froh sein würde wenn wir damit fertig waren, vergrub ich meine Hände doch wieder tief in meinen Pullovertaschen und hoffte auf ein kleines Wunder. Schweigend zog ich die Tür hinter mir zu, meine Kapuze verdeckte schon wieder mein Gesicht und ich fühlte mich so viel wohler als gerade noch. Ich schielte kurz zu Leopold, der wirklich nur versucht hatte nett zu sein, ließ es aber mich bei ihm zu entschuldigen. Wieso sollte ich? Ich wusste das ich etwas falsch gemacht hatte, aber er hielt mich doch wahrscheinlich sowieso für eine Verrückte - das wollte ich doch auch von ihm. Das er wie jeder andere Mensch hier Abstand hielt weil ich die Verrückte war. Kurz sah ich Leopold noch einmal an, schüttelte schließlich aber den Kopf und lief einfach den Gang entlang. Ich wollte zurück in mein Zimmer, in die sichere Dunkelheit der zugezogenen Vorhänge und meiner Bettdecke. Dorthin wo mich keiner ausfragen konnte, wo mir keiner das Gefühl gab das ich noch verrückter war als ohnehin schon gedacht. Ich zog meine Kopfhörer wieder hoch, schloss für eine Sekunde die Augen und ließ ihn stehen. Er würde seine Zeit mit seinen Freunden verbringen, ich damit alleine zu sein und mit meinen Gedanken zu kämpfen. Es war alles so wie immer. Und trotzdem hatte ich das Gefühl als hätte ich etwas falsch gemacht. (Sorry ._.)

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Hae-Sung 'Rian' Kang
Ich aß wenigstens eine Kleinigkeit, und sorgte damit wahrscheinlich dafür das Rodrigo sich nicht ganz so viele Gedanken machte was die nächsten Stunden anging. Ich aß, wenn auch nicht sehr viel und wirklich ausreichend um den ganzen Tag über durchzuhalten, das musste ich aber wohl auch nicht. Zumindest noch nicht - Gott, es war ja noch nicht einmal so einfach wie es sich jeder vorstellte einfach etwas zu ändern, was man nun schon eine ganze Weile getan hatte. Es war nun einmal so - ich hatte schon verdammt lange nicht sonderlich viel gegessen, Hunger verspürte ich schon gar nicht mehr, und selbst wenn ich Tage ohne wirklich etwas im Magen herumlief, hatte ich nicht etwa den Drang in den Kühlschrank zu sehen und etwas zu essen zu machen. Es sollte sich ändern, meine ganze Essensansicht sollte sich ändern, und das würde es ja auch irgendwann tun. Irgendwann würde ich vielleicht ein ganz gewöhnliches Verhältnis dem Essen gegenüber haben, würde nicht etwa denken ich müsste mich mit irgendetwas bestrafen oder dergleichen. Ich aß, machte Rodrigo damit vielleicht sogar ein klein wenig glücklich. Schmunzelnd verdrehte ich die Augen, nickte auf seine Frage hin ob ich auch wirklich alles eingepackt hatte. Natürlich hatte ich alles eingepackt, es war nun auch nicht so als wäre ich nicht schon oft genug weggeflogen oder verreist. Ich hatte alles was ich brauchte, alles was ich mitnehmen wollte. Ihm schien die Tatsache das wir nun gemeinsam in sein Heimatland fliegen würden, ja wirklich zu gefallen. Mir gefiel der Gedanke aber auch, so sehr das ich mich sogar darauf freute mit ihm die nächsten Stunden in einem Flugzeug zu verbringen, bis wir letzten Endes in dieser sogenannten Auszeit ankommen würden. Eine Auszeit, ganz ohne Medien und ganz ohne Menschen die irgendetwas von uns wollten, die irgendwelche Fragen hatten. Ich schlüpfte in meine Schuhe, nickte ein weiteres Mal und schlang meine Arme um ihn. "Bereit", wiederholte ich seine Frage als Antwort und gab ihm einen sanften Kuss auf die Lippen. "Du weißt das ich auch etwas nehmen kann, oder?" Wieso dachte er denn aber auch das ich meinen Koffer nicht selbst tragen konnte? Vielleicht wollte er ja einfach aufmerksam sein, ganz der Gentleman, meinetwegen musste er das aber wirklich nicht tun. Ich liebte ihn doch ohnehin schon, etwas was ich ihm einfach so aus dem Affekt heraus einmal gesagt hatte - mitbekommen schien er es Gott sei dank aber nicht zu haben.

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Leopold Ares Westfield
Ich schaute sie bloß an, als sie anfing plötzlich auszubrechen. So viel wie gerade jetzt hatte sie noch nie an einem Stück geredet. Sie schien total sauer zu sein und das obwohl ich mich doch bemühte nett mit ihr umzugehen. Nein, sie schob mich einfach von sich, unterstellte mir so zu sein wie mich die Leute hinstellten und das fand ich nicht in Ordnung. Es war nicht fair von ihr und das obwohl ich ihr doch wirklich die Chance gab es mir anders zu beweisen. Ich wollte sie so kennenlernen wie sie war und nicht wie sie die Leute sahen oder wie sie die Leute sie sehen ließ. Sie stieß sie von sich und so tat sie es auch bei mir. Und es klappte. Ich fühlte mich angegriffen und ja, vielleicht war ich auch ein wenig verletzt. Ich war nicht wie meine Eltern und doch wurde mir ständig unterstellt eben wie diese zu sein. Ich hasste es für das beurteilt zu werden, was meine Eltern hatten! Das war nicht fair und doch konnte ich es scheinbar nicht ändern, was? Nein, stattdessen wurde ich auch noch angemacht, wenn ich versuchte es zu beweisen oder so zu sein wie ich normalerweise war. Ehrlich, nett, hilfsbereit. Nein, das passte nicht zu einem reichen Kind, zu einem Westfield. Deswegen sahen mich die Leute anders und so wie sie es nun einmal wollten. So wie es meine Eltern vorgelegt hatten. "Okay. Du willst keine Freunde und du willst mir keine Chance geben. Ich wollte dich bloß kennenlernen, weil ich neugierig war. Allerdings habe ich kein Interesse daran mich von dir so darstellen zu lassen. Wenn deine Meinung über mich so festgefahren ist, dann werde ich es eben dabei belassen." Ich schüttelte also bloß den Kopf, schnappte mir das Kehrblech und begann den Dreck, den ich zusammengekehrt hatte, in den Mülleier zu befördern. "Lass uns einfach den Klassenraum putzen und danach musst du mich nie wieder sehen, okay? Du willst mir ja auch keine Chance geben.", sagte ich bloß bitter, schüttete den Rest in den Eimer und stellte das Kehrblech zurück an Ort und Stelle, als alles zusammengekehrt war. Danach füllte ich den Putzeimer mit Wasser und Putzmittel und schwieg bloß noch. Sollte meine Neugierde eben nicht gestillt werden. Ich würde dafür sicher nicht so von ihr angemacht werden. Wenn sie wirklich so sehr nichts mit mir zu tun haben wollte, dann wollte ich auch nichts mit ihr zu tun haben. So einfach war die Rechnung. Sie gab mir keine Chance, ich gab ihr keine ihre Geschichte in meinen Augen zu korrigieren. Dann würde ich sie eben als die Verrückte sehen, wie sie mich sie sehen lassen wollte.

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Rodrigo da Moura Brandão
Ich konnte hören, wie sie aufstand und danach auch schon gleich im Bad verschwand. Gut, dann war sie wenigstens schon aufgestanden und ich musste sie nicht auch noch aus dem Bett holen. Es war ja nicht so, als würde ich gerne mit ihr herumblödeln oder mit ihr Zeit im Bett zu verbringen - das tat ich sehr gerne. Doch wir hatten heute Morgen einfach nicht die Zeit dazu und dann war ich froh, wenn sie ein bisschen schneller aufstand und wir dafür weniger Stress hätten. Sie konnte dann immer noch in den Ferien länger im Bett liegen bleiben und die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut geniessen. Ich hoffte wirklich, dass ihr Brasilien gefallen würde und dass sie sich von dieser Auszeit erholen konnte. Natürlich hatte Australien auch seinen Strand und auch hier war es heiss und so weiter und so fort. Aber es war dennoch einfach nicht das gleiche. Es war ein anderer Kontinent, eine andere Vegetation, einfach alles war anders. Auch die Menschen waren komplett anders dort. Hier, vor allem in der Stadt, war man relativ kühl zueinander, höflich aber distanziert. So etwas kannte man dort einfach nicht. Man war mit jedem per Du, der nicht gerade wie ein Mafiaboss aussah. Es dauerte nicht lange und Hae-Sung setzte sich an den Tisch. Ich musterte sie in ihrem viel zu grossen Pullover und setzte mich ebenfalls hin. "Möchtest du Kaffee?", fragte ich sie und schnappte mir dann ein paar von den Sachen, welche ich mir hinausgelegt hatte. "Es hatte nun einmal nicht mehr im Kühlschrank", meinte ich entschuldigend und lächelte sie an. Der Flug würde lange dauern. Vermutlich würde er wie eine halbe Ewigkeit vorkommen, aber das war nun einmal so, wenn man an das fast andere Ende von der Welt reiste. Es war wirklich weit weg und egal welchen Weg man nahm, beide Wege führten über gigantische Ozeane. Besser mit dem Flugzeug wie mit dem Schiff. Ich wollte mir das gar nicht vorstellen, wie die das früher gemacht hatte. Nachdem ich fertig gegessen hatte, fing ich an aufzuräumen. "Hast du auch wirklich alles eingepackt?", fragte ich sie breit grinsend. Ich konnte mir schon noch vorstellen, dass sie irgendwas überaus wichtiges vergessen hatte und sie dann am liebsten wieder zurück wollte, um dieses Irgendwas zu holen. Ich seufzte leise und schnappte mir meine Schlüssel. Ich würde sie beim Direktor abgeben. Dann würde ich sie garantiert nicht verlieren und ausserdem war er immer noch mein Chef. Über die ganze Sache mit Hae-Sung und mir hatten wir noch nicht geredet, aber ich wusste, dass wir irgendwann darüber mussten. Ich verdrängte die Gedanken. Jetzt zählte gerade nur, dass ich mit ihr in die Ferien ging. "Bereit?" Ich sah sie fragend an und schnappte mir unsere beiden Koffer. Unser Taxi würde in den nächsten paar Minuten vor der Schule stehen, wenn es sogar nicht schon da war.

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Zara Winther
War es denn so schwer zu verstehen das ich nicht darüber sprechen wollte? Was erwartete er? Das ich ihm meine tiefsten Geheimnisse wissen ließ, nur damit er zufrieden und seine Neugierde gestillt war? Was hatte ich denn bitte davon ihm zu erzählen was ich nun wirklich von mir selbst hielt, was ich über mich selbst dachte? Es würde ihm doch lediglich bestätigen das ich verrückt war, und so verdammt wichtig war es nun einmal nicht um wirklich eine lange Diskussion darüber zu führen wie ich mich selbst sah und ob die Menschen um mich der Grund dafür waren oder nicht. Selbst wenn ich es ihn wissen ließ, selbst wenn ich ihm erzählte was er wissen wollte, sehr wahrscheinlich interessierte es ihn nur jetzt gerade in diesem Moment weil ich es ihm nicht erzählte und schwer machte. Ich kannte dieses Spiel hier doch schon, dachte er ich war dumm? Er wollte wissen wie ich tickte, wer ich war. Kopfschüttelnd lachte ich auf und rieb mir über den Nacken. Ich konnte ihm diese Frage doch noch nicht einmal beantworten weil ich selbst keine Ahnung hatte wer ich war. "Dann fang doch an, wenn du so versessen darauf bist mich zu deinen Freunden zu zählen kannst du doch damit anfangen und mir etwas über dich erzählen", schlug ich vor und seufzte. Er wollte wissen wie ich tickte, wer ich war, wollte mich kennenlernen - dann sollte er doch damit anfangen und mir einen Grund geben ihm zu vertrauen. Es gab schon jemanden in meinem Leben der diese ganze 'wer-bist-du'-Nummer abzog und mir nichts dafür gab, und das war Dr. Martin. Gott nein ich wollte ihm keine Chance geben, das lag verdammt nochmal aber nicht einmal an ihm sondern daran das ich eine Irre war, die täglich mit Dingen kämpfte die niemand erleben sollte. Ich knirschte die Zähne, zog meine Kapuze wieder etwas weiter hoch und atmete tief durch. Das hier war der Grund weshalb ich Menschen aus dem Weg ging, weil sie alle viel zu schnell irgendwelche Schlüsse zogen und so taten als hätten sie eine Ahnung was mit mir los war. Als er schließlich aber auch schon fast schon eingeschnappt damit anfing mir zu helfen, sah ich ihn für einen Moment an ehe ich mir auf die Zunge biss. "Du weißt doch schon längst was ich denke. Frag die Leute, und du weißt es. Ich bin verrückt, okay? Ich geh abends schlafen und denke darüber nach wie entspannend es wäre nicht wieder aufzuwachen, und wenn ich es doch tue habe ich Probleme zu atmen oder überhaupt aufzustehen. Ich will keine Freunde, weil ich noch nicht einmal selbst mit mir klar komme, also sag mir nichts von wegen du willst mein Freund sein! Mit mir stimmt etwas nicht, und egal was ich versuche klappt es nicht, ich bin einfach nur durch verdammt viel Glück hier gelandet. Wahrscheinlich nehme ich aber sowieso jemandem die Chance ein richtiges Leben zu führen. Und nein, es hilft verdammt nochmal nicht das auszusprechen, okay? Das hat mein Therapeut schon versucht, und was hat es mir gebracht? Nichts!", oh wow. So viel hatte ich ihm nicht erzählen wollen. Augenblicklich wandte ich den Blick dem Boden zu, zog den Kopf ein und rutschte unter den Tischen hindurch um zur nächsten Reihe zu kommen. Es war doch nicht fair, das hier war nicht fair! (Handy XD)

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Leopold Ares Westfield
Ich schüttelte bloß den Kopf. "Nein, das ist alles, was du mich wissen lassen willst, alles, was du mir zeigen willst. Du willst, dass ich mich von dir fern halte, schon klar. Ich denke nur... es würde dir sicher nicht schaden ein paar Freunde zu haben und ich versuche offensichtlich einer davon zu werden. Ich will dir nichts Böses, okay? Ich will bloß... wissen wer du bist, wie du so tickst, was du gerne machst. Ich will dich bloß kennenlernen, Zara. Ist das denn so schlimm?" Eigentlich war es das doch nicht. Ich wollte etwas über sie erfahren und ihr dafür etwas von mir erzählen, auch wenn sie glaubte alles zu wissen. Sie diskriminierte mich aufgrund der Gerüchte, genauso wie es alle anderen bei ihr taten. War das denn fair? Eigentlich nicht, oder? Ich jedenfalls glaubte nicht, was die anderen sagten. Zara war sicher ein netter Mensch, sie... hielt nur alle auf Abstand und dafür gab es einen Grund. Welcher das war, wusste ich nicht, aber ich war gewillt es herauszufinden. Menschen wie sie hatten mich schon immer irgendwie fasziniert. Als sie mich plötzlich aber so anfuhr und mir unterstellte, dass mein Leben ja so toll war, hob ich die Augenbrauen. Oh wow, das dachte sie? Das kränkte mich schon ganz schön. Wirkte ich denn so überheblich auf sie? "Du hast keine Ahnung, was in den Herzen anderer Menschen vor sich geht, Zara. Genau deswegen verurteile ich dich nicht wie die anderen, sondern sitze hier und zwinge dir auf mir eine Chance zu geben. Scheinbar aber willst du sie mir nicht geben." Sie hatte sich ihr Urteil über mich schon gebildet. Sie gab mir die Chance nicht ihr zu zeigen, dass ich anders war als man mich hinstellte oder als ich vielleicht wirkte. Sie kannte mich nicht und doch glaubte sie eben das zu tun. Ich stand vom Tisch auf und warf meinen leeren Pappbecher seufzend in den Eimer. "Nicht jeder Mensch hat es leicht, nur weil es so aussieht, Zara.", sagte ich nur bitter und schwieg dann bloß und fing an mit dem Besen durch die Klasse zu fegen. Wie gern hätte ich ihr nun die Wahrheit gesagt, ihr unter die Nase gerieben, dass ich sterben würde und das alles andere als leicht war. Einfach nur um ihr zu zeigen, dass ich es sicher nicht einfach hatte und nicht so war wie mich jeder sah. Ich wollte dieses Klischee brechen, aber ich hatte nicht grundlos mit keinem darüber gesprochen. Ich würde mein Stipendium verlieren, würde die Schullleitung Wind davon bekommen und außerdem wäre ich dann nur noch der krebskranke Junge, den man mied. Also ja, ich riss mich zusammen und gab vor der coole Typ zu sein, aber das war nicht immer so. Es ging mir nicht immer so blendend wie ich es vorgab.

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Zara Winther
War es das wirklich? Wichtig was ich über mich selbst dachte? Knapp schüttelte ich den Kopf, denn auch wenn man es mir schon so oft gesagt hatte, schien ich es doch nicht so wirklich verstehen zu wollen. Vielleicht konnte ich es aber auch einfach nicht verstehen, vielleicht dachte ich viel zu schlimme Dinge über mich selbst und wollte mir nicht vollends eingestehen das mir die meisten davon irgendwie doch nur eingeredet wurden. Weil die Gesellschaft mich so sah, und weil die Gesellschaft meinte mich belächeln zu müssen. Es war nicht egal was andere Menschen von einem hielten, immerhin musste jeder irgendwie versuchen Leute zu finden mit denen er oder sie sich abgeben konnte, und wenn Menschen dachten man sei verrückt, mieden sie einen. Ich gab den Leuten hier allen Grund eben diese Dinge zu denken, tat nichts um es zu ändern, um ehrlich zu sein wusste ich nicht einmal wie ich das denn überhaupt anstellen sollte. Es war mir doch nicht möglich die Meinung anderer zu ändern, wenn sie sich doch ohnehin schon ein Bild über mich gemacht hatten bevor sie mich überhaupt richtig kennenlernten. So war es besser und das wusste ich, wirklich besser machte es das aber trotzdem nicht. Ich hielt mich doch nicht für verrückt nur weil ich Einzelgänger war! "Ich bin verrückt, das ist alles was du wissen musst", er musste nicht wissen weshalb ich es dachte, musste mich auch gar nicht erst verstehen. Ich wollte noch nicht einmal darüber sprechen. Ich wollte ja eigentlich noch nicht einmal hier sein und mit ihm sprechen, und dennoch tat ich genau das im Moment. Saß hier, trank den Kaffee den er mitgenommen hatte weil er mein Nein nicht akzeptieren konnte und hoffte einfach darauf das er das Interesse daran verlieren würde seine Zeit mit mir zu verschwenden. Fragend stellte ich den Thermobecher am Tisch vor mir ab, zog meinen Pullover enger um mich und spielte etwas mit dem bereits alten Saum. Was? Er wollte mir dabei helfen, im Gegenzug wollte er mich kennenlernen? Kopfschüttelnd vergrub ich meine Finger im Stoff meines Pullovers, drehte ihm wieder den Rücken zu und ließ mich Zähneknirschend auf den Boden sinken um die Kügelchen weiter zusammenzusammeln und wegzuwerfen. Ich hatte kein Interesse daran jemanden von dem ich doch ohnehin kein wirklich positives Wort gehört hatte, jemandem der mich bis jetzt immer gekonnt ignoriert oder belächelt hatte, die Dinge wissen zu lassen die ich vor der gesamten Welt zu verstecken versuchte. Wie stellte er sich das Ganze denn bitte vor? Das ich mir von ihm helfen ließ irgendwelche Songs zu schreiben in denen ich Dinge verarbeitete, die ich noch nicht einmal in Therapie hinter mir lassen konnte, und ihn meine tiefsten Geheimnisse wissen ließ, die er dann vielleicht irgendwann gegen mich verwenden würde? Ich sagte nichts dazu, ignorierte seinen Vorschlag gekonnt und biss mir von innen in die Wange. Musik war einfach - ja für ihn vielleicht, aber nicht für mich! Gott, wieso meinte aber auch wirklich jeder zu wissen was für mich einfach war? Ich kam ja noch nicht einmal aus dem Bett ohne es jeden Morgen einen Kampf werden zu lassen! Vertrauen. "Ich weiß das es mir mein Kopf schwer macht", murrte ich leise und schob den Mülleimer etwas weiter. Leise verzog ich das Gesicht, ehe ich den Blick hob und Leopold mit hochgezogenene Augenbrauen ansah. "Was könnte jemand wie Leopold Westfield schon für Probleme haben, bis auf den Stress mit den Lehrern den er sich selbst zuzuschreiben hat?" Ich glaubte nicht das er wirklich wusste wovon er sprach, selbst wenn er es so klingen ließ. Wie sollte er das auch, wenn er doch wirklich keinerlei Probleme zu haben schien? Ich wusste das es unfair war, das ich doch genau das selbe tat wie jeder andere Mensch indem ich ihm Dinge zuschrieb, von denen ich selbst keine Ahnung hatte. Es war nicht fair, und es könnte ihn genauso sehr verletzen wie mich. "Tut mir leid", murmelte ich leise. "Ich .. denke nur nicht das du dir vorstellen kannst wie schwer es für mich ist. Ich bin nicht gut in .. darin Menschen zu vertrauen", meinte ich leise. Das war ich schon lange nicht mehr. Irgendwann war das Vertrauen nun einmal verschwunden, immerhin hatte man mir genug Gründe dafür gegeben. Weil ich meine Probleme hatte, und diese einfach nicht in den Griff bekam. Und Leute wie Leopold, die vielleicht ganz in Ordnung waren und dabei versuchten meine Freunde zu sein, mussten darunter leiden.

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