The Acting Debut (RPG)

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The Acting Debut (RPG)

Hey hoo =) Dieses RPG eröffne ich für Laufmasche - Fragen, Steckis etc. an sie.

HIER findet ihr die Gruppe zum RPG.

Story
Wir schreiben das Jahr 2010.
Ein gutes Jahr für die Schüler an der Schauspielschule TAFE in Südaustralien. Jährlich schaffen es nicht mehr als 40 verschiedene junge Leute an der Schule angenommen zu werden, meist auch nur die reichen und schönen, immerhin verdient sich die Schule an ihnen ihr Geld. Die TAFE gilt als eine der besten und angesehensten Schauspielschulen auf der Welt, auch in diesem Jahr finden Auswahlprüfungen statt, wer wird sie wohl meistern?
Der Druck, unter dem die angehenden Schauspieler/innen stehen, ist enorm hoch. Da wird schon mal die ein oder andere Pille eingeworfen um dem Stress zu entkommen und der ein oder andere Schluck Alkohol zu viel getrunken um Spaß zu haben, schließlich sind es auch nur Menschen.
Wie in jeder guten Geschichte muss es auch hier die bösen Jungs geben, sie sorgen immer wieder für Intrigen, Lügen und Skandale, jedoch werden diese immer nur in der Schule weitergegeben, es scheint so, als würde kein gesprochenes Wort welches in der Schule fällt je hinter die Türen der TAFE gelangen, was gut für den ein oder anderen zu sein scheint. Immerhin ist nicht alles aus Gold was glänzt.
Doch auch die Lehrer scheinen es faustdick hinter den Ohren zu haben, es spricht sich herum dass der ein oder andere sich schon mal an Schülern vergriffen hat. Oder war es vielleicht umgekehrt und die Schüler machen die Lehrer verrückt?
Was ist mit dir? Wirst du dem Druck standhalten können und die Schule meistern? Oder wirst dran kaputt gehen und zum Schluss in'ner Klinik landen?

Die TAFE :

Eine Schauspielschule in Südaustralien, hier wirst du ganz besonders unter Schauspiel und Tanz unterrichtet Doch natürlich gibt es noch andere Fächer. Eine Ausbildung dauert 3 Jahre und ist ziemlich anspruchsvoll, in der Schule stehen dir angrenzende Häuser zur Verfügung die genutzt werden können sofern man nicht zu Hause bleiben kann/will/darf. Der Unterricht beginnt um 8 Uhr morgens und endet erst um 15 Uhr nachmittags, auch Samstag ist Unterricht jedoch nur von 9 bis 14.30 Uhr.
Danach haben die Schüler und Lehrer Freizeit und können machen was sie wollen. Geregelte Bettzeiten gibt es an dieser Schule nicht da keiner der Schüler unter 19 Jahre sein darf.

Stundenplan

Mo. Di. Mi. Do. Fr.

  1. Tanz
  2. Körper – Stimm Training
  3. Improvisationstheater
  4. Theatergeschichte
  5. Gesang
  6. Schauspiel
  7. Pause (1. Std.)
  8. Bühnenkampf

Sa.

  1. Fechten
  2. Körperschule
  3. Schauspiel
  4. Bühnenkampf
  5. Pause (30. min.)
  6. Sprecherziehung
  7. Musik

Charaktere :
Schüler/innen
Sie dürfen nicht jünger als 19 und nicht älter als 21 sein, wenn sie auf die Schule aufgenommen werden. Entweder leben sie in der Schule oder zu Hause bei ihren Eltern. Meist sind es Kinder reicher Eltern, da ihnen der Platz gekauft wird oder aber man hat ein Stipendium und ist wirklich durch sein Talent auf dieser Schule.

Lehrer
Die Lehrer auf der Schule dürfen nicht jünger als 27 und nicht älter als 45 sein. Viele der Lehrer wohnen auch in der Schule. Einfach weil es für die meisten praktischer ist. Außerdem können sie folgende Fächer unterrichten.

  • Schauspiel
  • Tanz
  • Fechten
  • Musik
  • Bühnenkampf
  • Improvisationstheater
  • Theatergeschichte
  • Sprecherziehung
  • Körperschule
  • Körper – Stimm Training

Kein Lehrer darf mehr als 3 Fächer unterrichten.

Steckbriefvorlage :

(bitte auch Lehrer spielen, ich weiß, dass es mit Schülern mehr Spaß macht, aber ohne Lehrer geht’s leider nicht.)

HoN Name : Wie heißt ihr im HoN?
Rollen Name: Wie soll euer Chara heißen?
Geschlecht : Ist euer Chara männlich oder weiblich?
Alter: Wie alt ist euer Chara?
Schüler/in oder Lehrer?: Was seid ihr?
Aussehen (Link): Wie seht ihr aus?
Wie kam er/sie auf die Schule?: Reiche Eltern oder Stipendium?
Klasse: 1. 2. o. 3 Klasse
Charakter/Eigenschaften ( 4 – 6 Sätze sollten reichen) : Welche Eigenschaften besitzt euer Chara?
Stärken : Was sind eure Stärken?
Schwächen : Was sind eure Schwächen?
Geschichte : Was hat euer Chara alles vorher erlebt?
Extra Informationen : Ihr wollt noch etwas sagen? Hier ist Platz!
Fach (nur für Lehrer) : Welche Fächer unterrichtet der Lehrer?

Regeln ! :
- Erstmal gelten die  Allgemeinen RPG Regeln !
- Nochmals Steckbriefe, Fragen etc. bitte nur an mich.:)
- Keine richtigen Beleidigungen, es sei denn sie gehören zum RPG – aber auch dann, keine zu harten !
- Keine MarySues !
- Es wird in der Ich – Form geschrieben. Gesprochenes in „ - “. Gedachtes in ' - ' und Sachen die nicht ins RPG gehören bitte in ( - )
- Achtet bitte auch auf Groß- und Kleinschreibung. Damit das Geschriebene auch gut rüber kommt und es nicht zu monoton klingt.
- Versucht nicht all zu viele Rechtschreibfehler mit reinzubringen. Ein paar sind voll ok, aber man sollte nicht überlegen müssen, was der andere gerade geschrieben hat.
- Bitte zwei – bis dreimal die Woche im RPG vorbeischauen :)
- Falls wer in den Urlaub fährt, wegen Schulstress nicht on kommen kann etc. möge doch bitte mir, einem anderen Mitspieler oder gleich im RPG schreiben.
- Bitte immer Bescheid geben wenn man off geht, ein einfaches 'muss off, bye' reicht.
- Keine zu kurzen Sätze. Mehr als 5 wären schon schön.
- Wenn jemand gegen die meisten Regeln immer wieder verstößt und er sich nach mehrmaligem Ermahnen noch immer nicht dran hält wird er aus dem RPG gelöscht !

Diskussion

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Leopold “Leo” Ares Westfield
Wie erklärte man seiner kleinen Schwester, dass man vielleicht sterben würde? Na ja, ich glaubte ja immer noch, dass ich besser nichts sagen sollte. Klar, ich müsste es ihr erklären, aber vielleicht konnte ich einige Sachen auslassen oder zumindest verharmlosen. Irgendwie musste ich die Schärfe daraus nehmen. Ich wollte Anna keine Angst machen. Sie war noch viel zu jung für so viel Sorge. Außerdem stand es ja nicht mal fest. Wenn ich das alles zu 75% überlebte, dann müsste sie sich nicht umsonst Sorgen gemacht haben. Ich war nur hier, um ihr zu erklären, dass ich demnächst nicht mehr mit ihr sprechen können würde. Nur das musste sie erfahren. Um mehr würde sie sich keine Sorgen machen müssen. Ich schluckte nervös und folgte Anna hoch in das Internat. Die wenigen Treppenstufen machten mir bereits zu schaffen, sodass ich mich liebend gern neben Anna auf das Bett setzte, als sie mich dazu aufforderte. Ich verschnaufte kurz, dann konzentrierte ich mich auf das Kommende. Ich war nicht bereit hierzu… „Sehr gut, Anna. Du bist richtig verantwortungsbewusst und erwachsen geworden.“, lobte ich sie. Sie würde immer ein wenig kindlich bleiben. Ihre Behinderung schränkte sie zu Teilen ein, doch für ihr Alter und die Umstände war sie ziemlich klug und verlässlich. Sie gab sich so viel Mühe und meine Eltern sahen es nicht einmal. Ich seufzte, als sie mich auf meine Mütze ansprach. Ich hatte wirklich Glück, dass Olivia einsprang und eine erstklassige Lüge auftischte, die wirklich zu mir passte. Ich war noch nie brav gewesen und hatte immer Scheiße gebaut, das wusste Anna. Natürlich glaubte sie es. Ihr großer Bruder war immerhin ein Idiot. Zu blöd, dass das nicht all ihre Fragen beantwortete. Wieso war ich so dünn? Ja, gute Frage. Wie sollte ich ihr das erklären, dass sie es verstand, sich aber keine allzu großen Sorgen machte? „Das… hat einen ganz einfachen Grund… Weißt du, ich hab da eine Art kleinen Eindringling in meinem Hals sitzen. Stell es dir… wie einen kleinen Wicht vor. Er sitzt in meinem Kehlkopf und fängt alles ab, was ich esse und durch meinen Hals in meinen Magen rutschen würde. Er schiebt es entweder zurück oder er isst es vor mir. Dadurch nehme ich ganz viel ab und natürlich ist das nicht gut. Ich kann dich ja dann nicht mehr im Sprung auffangen. Jedenfalls… muss der kleine Wicht weg, aber er hat sich ganz, ganz fest an meine Stimmbänder geklammert. Das hast du bestimmt in Biologie gelernt. Die Bänder im Hals, die vibrieren und Töne erzeugen. Um den kleinen Wicht aus meinem Hals zu holen, damit es mir wieder besser geht, müssen meine Ärzte dummerweise die Stimmbänder mit entfernen, da der Eindringling sonst nicht loslässt. Verstehst du das?“ Sie war nicht dumm und definitiv zu alt, um so mit ihr zu reden, aber die komplexen Chirurgie-Fachwörter würde sie nicht verstehen. Also versuchte ich es so und sie legte den Kopf schief und schien auch zu verstehen. Mein Blick glitt kurz zu Olivia, dann wieder zu Anna, die nickte. „Okay… und wenn der Eindringling draußen ist… wie sprichst du dann mit mir?“, fragte sie nun und runzelte ihre mit Sommersprossen bedeckte Stirn. „Leider gar nicht mehr, Anna. Aber dafür hast du ja lesen gelernt. Ich werde alles aufschreiben, was ich dir sagen möchte.“, erklärte ich ihr mit leicht belegter Stimme. Sie presste die Lippen aufeinander und schien zu überlegen. „Und singen?“, fragte sie leise nach und ich schluckte trocken. „Nein, das auch nicht mehr. Ich werde dann keinen Ton mehr über meine Lippen bringen können.“, flüsterte ich und Anna schürzte nachdenklich die Lippen. „Also wirst du mir nicht mehr vorsingen?“ Das war wohl eher eine Feststellung. Sie schien es langsam zu begreifen. Was sie wohl dazu sagen würde?

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Olivia Môntesano
Bis jetzt war alles gut verlaufen, für Leo und für mich. Anna freute sich unglaublich ihn zu sehen und sie schien mich auch zu mögen, zumindest brachte ich sie zum lachen, was ich als gutes Zeichen nahm. Ich war also einen Moment beruhigt, bis Anna schon die Bombe zum platzen brachte. Also eines musste man der kleinen lassen, sie war wirklich aufmerksam und ziemlich direkt. Gut, in diesem Alter machte man sich auch noch keine sorgen welche folgen es haben könnte, wenn man einfach ehrlich war und sagte was man dachte. Das schätzte ich so an Kindern, sie waren einfach immer ehrlich, ohne eigennützige oder hinterhältige Gedanken. Leider tat die Wahrheit aber manchmal weh, so wie jetzt. Anna dachte sich nichts dabei, sie sah nur ihren Bruder und dass er sich verändert hatte, ja vielleicht machte sie sich sogar sorgen. Mein lächeln erstarb und ich sah aufmerksam zu Leo, er versteifte sich auch etwas, versuchte aber weiterhin den großen tapferen Bruder zu geben und sich nichts anmerken zu lassen. Kurz dachte ich, dass es vielleicht besser wäre ihre kleine heile Welt nicht mit Sachen wie Krebs zu zerstören, aber sie hatte das recht es zu wissen, wenn es darum ging, dass sie heute zum letzten mal mit ihrem Bruder sprach. Sie hatte ihn schon so genau gemustert, ich war sogar einen Moment beeindruckt, wenn es mir nicht gleichzeitig für Leo leidgetan hätte. Natürlich hatte sie bemerkt, dass er weniger wog und deswegen leichter umgefallen war, sie war aber auch ein schlau es Mädchen, ja man merkte ihr ihre Behinderung kaum an. Leo tat mir unglaublich leid, wie er versuchte sich raus zureden und es auf Annas Wachstum zu schieben, oh verdammt, das hier war schwerer als gedacht. Und natürlich bemerkte sie auch hier, dass etwas nicht stimmte, die kleine war gut. Bevor ich sagen konnte, dass wir uns doch besser irgendwo hin setzten sollten, kam Leo mir zuvor und ich nickte zustimmend, wollte schon seine Hand nehmen, aber Anna drängte sich dazwischen und nahm zu meiner Überraschung auch sofort meine Hand, sie schien sich zu freuen, dass wir mit ihr auf ihr Zimmer gehen würden. Entweder war sie nicht sehr scheu gegenüber fremden oder ich war ihr schon Sympathisch, jedenfalls hielt ich ihre kleine Hand wieder sanft fest und zwang mich zu einem aufmunternden lächeln, als ich zu Leo rüber sah. Ich sah die Angst und Nervosität in seinen Augen, darauf, wie Anna auf seine Krankheit reagieren würde. Ob er ihr auch sagen würde, dass er bei der ganzen Sache sterben konnte? Ich an seiner stelle würde es nicht tun, die kleine musste sich nicht noch mehr sorgen machen. Wir ließen uns von ihr also ins Gebäude ziehen, am Sekretariat vorbei, wo eine Frau unsere Anwesenheit zur Kenntnis nahm und dann eine Treppe hoch. Die Zimmer lagen wohl oben, während die Klassenräume und anderes unten war, wie bei den meisten Schulen. Anna brauchte uns auf einen Gang, der mit Teppisch ausgelegt war und führte uns an einigen Türen vorbei, manchen waren offen und es saßen Mädchen an Schreibtischen, auf betten oder dem Boden und spielten etwas. Die Zimmertür von Anna war zu, aber zu meiner Überraschung zog sie einem Schlüssel aus ihren Tasche und machte auf. Vermutlich gehörte es zu einer Art Plan den Mädchen schon früher Verantwortung beizubringen, besonders unter anderen geistigen Umständen. "Das ist mein Zimmer, naja ich teile es mir mit Stacy, aber sie ist mit ihren Eltern unterwegs. Das ist mein Bett, wie Mama und Papa immer gesagt haben, hab ich es ordentlich gemacht, nicht so wie Stacy." plapperte sie munter und setzte sich auf ihr wirklich ordentliches Bett. Ich entscheid mich lieber für einen Holzstuhl, sodass sie Leo erwartinfsvoll ansah und dann aufs Bett neben sich klopfte. "Also erzähl schon, bist du krank oder isst du nur einfach nicht genug? Und hat mama dir nicht beigebracht, dass man drin Mützen auszieht?" Ja sie war ein wahres Talent darin die Themen zu wechseln. Ich schluckte und sah zu Leo, der Platz genommen hatte. "Ach weißt du Anna, das mit der Mütze kann ich dir sogar erklären, das ist eine lustige Geschichte. Leo hat mit mir gewettet, dass mehr Gummibärchen in seinen Mund passen als in meinen und er hat verloren. Als Strafe sollte er sich eine neue Frisur machen lassen, aber der schnitt hat ihm so nicht gefallen, dass er am nächste morgen den Radierer genommen und alles abgeschnitten hat. Das ist ihm immer noch peinlich, er denkt er hat einen Quadratschädel, also deswegen die Mütze. Und vertrau, mir du willst das wirklich nicht sehen" erzählte ich spannungsaufgeladen wie bei einem Krimi und Anna schüttelte kichernd den Kopf. "Wirklich? Ihr macht vielleicht blöde Sachen." kicherte sie wieder. Ich sah grinsend zu Leo und hoffte dass er mitspielen würde. Ja ich hatte ihm nicht die Überbringung der schlechten Nachrichten abgenommen, aber ich hatte das mit der Mütze gelöst, sodass er ihr wenigstens nicht von den folgen des Haarausfall erzählen musste, sonst würde Anna es vielleicht noch sehen wollen. Ich wollte ihm nur helfen, naja so gut ich das eben konnte. Sie sah Leo jetzt aber wieder mit schräg gelegtem Kopf an. "Und wieso bist du dann so schmal? Hast du etwa gewettet wer am wenigstens essen kann?"

Im Hafen sind Schiffe am sichersten, aber dafür sind Schiffe nicht gebaut.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Ich war wirklich nervös. Mittlerweile nicht mehr wegen dem Treffen. Ich war nun hier und wo ich Anna endlich sah, war die ganze Angst wie weggeblasen. Jetzt aber, wo Anna ihre Aufmerksamkeit auf Olivia richtete, hoffte ich einfach nur, dass sie sie genauso lieben lernte wie ich es tat. Ich wollte, dass die beiden sich verstanden. Das mussten sie einfach! Ich wollte Weihnachtsfeste mit ihnen feiern können. Anna war meine Familie und Olivia war meine Zukunft. Sie mussten einander einfach mögen. Ich könnte mich auf keinen Fall von einer von ihnen trennen. Doch ich war froh, dass Olivia natürlich wieder genau zu wissen schien, was sie tun musste. Sie ging ein wenig in die Knie und als sie ihre Hand nahm, schien alles soweit wirklich gut zu laufen. Sie lachten und grinsten einander an. Das war ein gutes Zeichen und beinahe wäre eine ziemliche Last von mir abgefallen, doch dann drehte sich Anna wieder um und sprach nun laut aus, dass ich mich verändert hatte. Natürlich hatte sie es bemerkt. Wie hätte sie das auch nicht? "Du hast früher nie Mützen getragen. Das haben Mama und Papa dir verboten. Und du hast meinen Begrüßungen immer Stand gehalten und warst nicht so ungemütlich wie jetzt. Du bist... viel schmaler geworden.", stellte sie fest und legte den Kopf leicht schief. Sie beobachtete gut. Das hatte sie schon immer gut gekonnt. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihrer Behinderung. Ich schluckte und nickte leicht. "Du bist ja auch ganz schön groß geworden, Anna.", erinnerte ich sie und lächelte misslungen. Ich wollte sie nicht aufklären. Sie war viel zu jung dafür, viel zu zart und schutzlos. Wen würde sie ohne mich schon noch haben? Sie wäre ganz allein... Sie sollte keine Angst haben. "Du verheimlichst etwas.", sagte sie traurig und schaute mit ihren großen Augen zu mir hoch. Erneut seufzte ich. "Lass uns reingehen. Dann erkläre ich es dir, okay?", schlug ich vor und sie schürzte kurz die Lippen, ehe sie heftig nickte, mit der rechten Hand Olivias und mit der linken meine griff und uns in das große Gebäude führte. "Wir können auf mein Zimmer gehen! Dann kann ich euch auch meine neuen Poster zeigen!", sagte sie nun wieder ganz aufgeregt und ich schaute über ihren Kopf hinweg hilfesuchend zu Olivia. Wie erzählte man seiner neunjährigen Schwester, dass man vielleicht starb und nie wieder mit ihr würde sprechen können? Konnte sie das überhaupt verstehen? Ich war nicht bereit hierzu, aber es war meine letzte Chance...

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Olivia Môntesano
Ich war wirklich ziemlich nervös, ja fast so schlimm wie vor der Begegnung mit Leos Eltern, obwohl, das hier war schlimmer. Annabell war Leos ein und alles, das schloss ich daraus wie er von ihr gesprochen hatte und besonders da er kein gutes Verhältnis zu seinen Eltern hatte, war das alles an Familie was ihm blieb. Mir war enorm wichtig, dass sie mich mögen würde und ich mit ihr umgehen konnte, denn wenn ich ehrlich war, dann hatte ich noch nie Kontakt mit Menschen die eine geistige Behinderung hatten. Ich wusste nicht wie weit sie eingeschränkt war oder wie und worauf ich achten mussten, Leo hatte mich nicht gewarnt oder ähnliches, ich wusste nicht was mich erwartete. Gut, sie wusste auch nichts von mir oder? Ich schluckte die Nervosität herunter und ging mit Leo auf das Gelände. Es sah wie ein typisches Internat aus, mit einer Kiesauffahrt und einem etwas älteren Gebäude. Ein Brunnen zierte den Hof, aber meine Aufmerksamkeit wurde schon auf ein blondes Mädchen gelenkt, dass am Eingang anscheinend auf den Treppen wartete. Der Reaktion nach zu urteilen und ihrem winken, war das schon Annabelle, die Leos Ankunft gar nicht erwarten konnte. Es war süß wie die beiden sich zuwinkten und auf Leos Gesicht erschien ganz von selbst ein grinsen, was mich auch lächeln ließ. Während er den Schritt beschleunigte und dem Mädchen auch schneller entgegen lief, behielt ich mein Tempo bei und beobachtete die beiden. Ich musste kichern, als Annabelle anfing zu rennen und sich Leo in die arme warf. tatsächlich warf sie ihn sogar um und ich wollte zur Hilfe eilen, aber sah dass ihm nichts passiert war. Die kleine hatte ihn vor lauter Freude umgeworfen! Vermutlich wäre Leo das nicht passiert, wenn er nicht von der Chemotherapie und Bestrahlung geschwächt wäre. Dass eine neun jährige ihn umwarf...das zeigte eigentlich wie schwach er aktuell wirklich war. Ich versuchte aber nicht daran zu denken, sondern eher daran, dass ich mir auch immer noch Geschwister gewünscht hatte. Es wäre schön gewesen noch etwas Leben im Haus zu haben oder jemanden auf den man aufpassen konnte, Leo wusste ja nur zu gut, dass ich einen ausgeprägten Beschützerinstinkt hatte. Aber meine Mutter hatte nie den richtigen Mann gefunden und jetzt war sie seit ein paar Jahren schon zu alt, immerhin könnte ich schon eigene Kinder haben. Immer noch amüsiert, beobachtete ich die beiden und stellte mich etwas schräg hinter Leo, um Annabelle zu mustern. Sie sah eigentlich aus wie ein normales Mädchen, gut, sie hatte im Gesicht einige der typischen Merkmale die Downsyndrom erkennen ließen und sprach vielleicht ab und zu etwas verwaschen, aber sonst schien sie sich wie ein normales Kind zu verhalten. Sie war hübsch, das lag ja anscheinend in der Familie und ohne die Behinderung wäre sie noch hübscher gewesen. Sie war einfach furchtbar niedlich und wie sie mit Leo sprach, ich konnte einfach nicht aufhören zu grinsen. Sobald die beiden fertig waren, sah sie mich neugierig an und ich versuchte freundlich zu lächeln, um einen guten Eindruck zu machen. Ich sah einen Moment Leo an, der einfach nur unglaublich glücklich aussah und dann wieder zu Anna. Als er uns vorstellte, sagte ich erst mal nur kurz "Hi.", denn sie sah dann schon wieder zu ihrem Bruder. Wie er sie geborgen an seiner seite hielt und ihr durchs Haar wuschelte...ich hatte lange nicht mehr so eine vertraute und schöne Situation gesehen. Er blühte praktisch auf und wirkte seit langem wieder richtig glücklich... Das hier war eine Art Glück die ich ihm nicht geben konnte. Dass Anna direkt schließen würde, dass ich Leos Freundin war, ließ mich etwas erröten, aber als ich zu Leo sah, war er genauso verlegen. Gott, sie war wirklich zum dahin schmelzen süß. Ich grinste etwas verlegen, als sie mich musterte und dann sagte, ich sei hübscher als erwartet. Das brachte mich zum lachen und ich schloss sie sofort ins Herz. Es klang beinahe so, als hätte Anna nicht erwartet, dass ihr Bruder ein hübsches Mädchen mitbringen würde. "Ähm, danke." kicherte ich immer noch und spannte mich doch etwas an, als sie zwei Schritte zu mir kam und mir dann die Hand hin streckte. Etwas überrascht sah ich Leo an, ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie so höflich war in ihrem alter. Dann rief ich mir aber in Erinnerung, wie wichtig Leos Eltern das äußere Erscheinungsbild war und mir leuchtete ein, dass gute Erziehung bei ihnen wohl hieß, dass man sich höflich benahm, um die Eltern gut aussehen zu lassen. Ich beugte mich etwas runter, damit wir circa auf Augenhöhe waren, es war unhöflich wenn einer so auf jemanden herab sah, und nahm sanft ihre Hand. "Freut mich ebenfalls. Und wenn hier jemand hübsch ist, dann bist du das. Jetzt leuchtet mir ein, wer in der Familie die Schönheit abbekommen hat." scherzte ich, mit Witzen gewann man immer am schnellsten Sympathie. Sie drückte kurz meine Hand und musste dann kichern. Sie sah zu Leo hoch und lachte wieder. "Ich bin nicht so hübsch wie du, du siehst aus wie eine Prinzessin. Und Leo ist auch nicht hässlich, aber er sieht anders aus." Mit kindlicher Neugier musterte sie ihn wieder und ich ließ ihr Kompliment unkommentiert, denn sie schien nun wirklich zu bemerken, dass sich an ihrem Bruder etwas verändert hatte. Nervös sah ich zu Leo rüber und warf ihm einen vielsagenden Blick zu. Vor ihrer Reaktion hatte er sich auf dem weg hier her schon gefürchtet.

Im Hafen sind Schiffe am sichersten, aber dafür sind Schiffe nicht gebaut.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Oh Gott, was tat ich hier nur? Kaum hatte ich geklingelt und das Tor wurde geöffnet, wollte ich nur noch umdrehen und wieder gehen. Was, wenn sie mich so nicht wiedererkannte? Was wenn sie fragen würde? Was, wenn sie es nicht verstehen würde? Anna war zwar ein kluges Mädchen, aber sie war eben immer noch geistig behindert. Konnte sie das alles verstehen? Wie angewurzelt stand ich da, als ich in der ferne sah wie Anna schon auf den Stufen zu dem riesigen Internat hin stand. Sie sah mich, begann wie verrückt an zu winken und kam uns dann entgegen. Sie war meine Schwester. Scheiße, sie würde mich schon nicht verstoßen, so wie meine Eltern es getan hatten. Ich holte also einmal tief Luft und versuchte erst einmal auf unbeschwert zu machen. Ich trug eine dicke Jacke, vielleicht würde sie es ja gar nicht merken. Obwohl das schon an ein Wunder grenzen würde. Ich lief ihr also ein wenig schneller entgegen, bis das blonde Mädchen anfing zu laufen und sich direkt in meine Arme schmiss. Mist, der Wucht hatte ich früher Stand gehalten, aber da war sie auch noch ein ganzes Stück kleiner gewesen und ich vor allem nicht so kraftlos und schwach. Sie riss mich also um und landete lachend auf meinem Bauch, während mir die Luft aus den Lungen gepresst wurde. "Leo!", quietschte sie, beugte sich herunter und klammerte ihre Arme um meinen Hals, sodass ich wieder begann zu atmen, meine Arme auch um sie legte und einen Moment die Augen schloss. Hecktisch wie immer löste sie sich dann von mir, strich meine Klamotten glatt und stand auf. "Steh auf! Du wirst noch ganz dreckig!", kicherte sie, reichte mir die Hand und zog mich mit einem Ruck zurück auf die Beine, sodass ich kurz verschnaufen musste und mich an ihrer Schulter festhielt. "Oh, reiß mich das nächste Mal nicht direkt um, ja?", bat ich sie schmunzelnd und sie nickte artig, ehe sie sich leicht nach links lehnte, um an mir vorbei zu Olivia zu gucken. "Ist sie das? Deine Begleitung, die die Rektorin angekündigt hat?", fragte sie neugierig wie eh und je und ich lächelte leicht, strich ihr über die Haare und zog sie an meine Seite. "Das ist sie, ja. Olivia, das ist Anna, Anabella, das ist Olivia.", stellte ich sie vor und schaute zu Anna, die ebenfalls zu mir hochsah. "Deine Freundin?", fragte sie direkt, sodass ich ein wenig rot wurde und nervös grinste. "Äh... ja.", bestätigte ich und sie nickte nur mit leicht geöffnetem Mund und wandte sich dann an Olivia. "Hm... du bist viel hübscher als ich gedacht habe." Ich blinzelte und schaute zu meiner kleinen Schwester herunter. "Hey, was soll das denn bitte heißen?", murrte ich und sie grinste nur, löste sich von mir und ging zu Via. Anna hatte Manieren. Meine Eltern hatten ihr diese noch beigebracht, bevor sie sie einfach weggeschickt hatten. Sie reichte ihr also die Hand und lächelte freundlich. "Freut mich dich kennen zu lernen." Wow, die gleiche Floskel, die mein Vater benutzt hatte. Bei ihr allerdings war das wohl ernst gemeint.

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Olivia Môntesano
Es war nicht leicht gewesen letzte Nacht Leo zu Sex zu überreden und ja, dass ich ihn hatte überreden müssen sagte schon einiges. Ich hatte ihn nicht drängen wollen oder nur keine Gelüste befriedigen, ich hatte wieder mehr Zeit für uns gewollt und auch ihm etwas Ablenkung und Entspannung verschaffen. Es war kein Problem für mich gewesen die Oberhand zu haben, nein ich hatte mit Absicht auf ihn geachtet, was für ihn okay war, war auch für mich okay. Ja er hatte sein Shirt nicht ausziehen wollen, aber damit konnte ich leben, wenn er sich wohl fühlte, dann war es eben so. Wir mussten eben lernen uns so einander anzupassen und ich musste auf seine grenzen achten, aber das viel mir leichter als gedacht. Ich hatte mich daran gewöhnt nicht mehr so viel von dem alten Leo zu sehen, aber Hauptsache war, dass ich ihn überhaupt hatte und er mich an sich heran ließ.
Am nächsten morgen führten wir unsere routine, die wir uns an gemeinsamen morgen schon angeeignet hatten, durch und machten uns fertig, um dann heute endlich Leos Schwester zu besuchen. Er hatte sich vor unserer Anreise schon telefonisch angemeldet und die Schule hatte wohl seine Eltern um Erlaubnis gefragt, dass er Annabelle besuchen durfte. Das war ja beinahe wie im Gefängnis, dass er die Erlaubnis brauchte, hallo er war ihr Bruder! Es war mir immer noch ein Rätsel wieso die Eltern drauf achtete, dass die beiden nicht zu viel Zeit miteinander verbrachten und Leo Annabelle nicht zu sich holen konnte. Jedenfalls machten wir nach dem Frühstück schon los und ich sah Leo eine gewisse Nervosität an, mir ging es genauso. Leo machte sich wahrscheinlich sorgen wie seine Schwester mit seinem Krebs und seinem aktuellen aussehen umgehen würde, ich machte mir sorgen ob sie mich mögen würde. Ja sie war erst neun, aber sie war die zweit wichtigste Frau in Leos leben und es war mir wichtig, dass wir uns alle verstanden. Auf dem Weg runter zur nächsten Bushaltestelle, griff ich Leos Hand und drückte sie aufmunternd. Er biss sich schon eine Weile nervös auf der Unterlippe herum. "Hey, entspann dich, es wird alles gut. Sie ist deine Schwester, sie wird sich riesig freuen dich zu sehen." sagte ich sanft und lächelte ihn an. Mit dem Bus fuhren wir dann also wieder zum Bahnhof und von dort nahmen wir einen Zug in die nächste größere Stadt, denn das Internet lag hier in der Nähe der Berge, was eigentlich wirklich ein schöner Ort war um eine Schule zu bauen. Würden nicht Eltern ihre Kinder dahin abschieben, weil sie mit ihnen nicht umgehen konnten. In der Stadt stiegen wir aus und ich holte mein Handy raus, um zum Internat zu finden. Leo war vor drei Jahren zwar schon mal hier gewesen, aber damals war er mit Dem Auto hier gewesen und wir mussten erstmal aus dem Stadtzentrum raus finden. Es war aber nicht weit, sodass wir zu Fuß gingen, statt wieder einen Bus zu suchen. Wenigstens ging es hier nicht bergauf, sodass Leo die halbe Stunde Fußmarsch gut schaffte. Er zeigte mir das Gebäude schon von weitem und ich packte mein Handy wieder weg. Die Nervosität in meinem Bauch machte sich wieder bemerkbar und ich schluckte. Ruhig, Olivia. Wir hielten vor Einem eisernen Tor, dass das Schulgelände umschloss und ich zeigte auf eine Klingel. Leo wurde bestimmt schon erwartet, aber ob er auch mich als Begleitung angegeben hatte?

Im Hafen sind Schiffe am sichersten, aber dafür sind Schiffe nicht gebaut.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Vor der Chemotherapie hatte ich immer viel Sport getrieben. Dieser durchtrainierte Körper von damals war nicht von irgendwoher gekommen.Ich hatte Krafttraining gemacht, Cardio und Ausdauertraining. Ich war ziemlich fit gewesen. Jetzt aber erschien ein kleiner Berg sogar ein Hindernis zu sein. Das Haus meiner Eltern lag ganz auf dem Gipfel des Berges. Er war nicht sonderlich steil, aber die Strecke zog sich. Früher - in den Sommern, die ich hier verbracht hatte - war ich die Strecke morgens runter ins Tal und wieder rauf gejoggt. Jetzt musste ich alle hundert Meter Pause machen, da mein Herz mir bis zum Hals schlug und ich drohte keine Luft mehr zu bekommen. Außerdem waren meine Beine wie Pudding und zitterten. Es war mir peinlich, doch ich musste Olivia vorgehen lassen, sodass sie zurück kam und mir den Koffer abnehmen konnte. Danach war ich ihr bloß schweigend gefolgt und hatte an dem Tag nichts mehr gemacht außer zu schlafen. Doch dann war ich ja oben und ich genoss die frische Luft, aß endlich wieder richtige Mahlzeiten, die Olivia für mich kochte. Milde Suppen, in Sojabutter gebratenes Hähnchenfilet und im Backofen geröstete Kartoffelecken. Sie achtete wirklich sehr auf das Essen und dadurch konnte ich es auch ein wenig genießen. Es waren winzige Portionen, doch ich aß in vier Tagen mehr als sonst in einer Woche. Natürlich reichte das nicht aus, um wieder mehr Gewicht auf die Rippen zu bekommen. Vielleicht ein paar hundert Gramm, aber mehr auch nicht. Deswegen hatte ich am vierten Abend auch sehr mit mir gehadert. Ich hatte mich geweigert mit meiner scharfen Freundin, die nur in schwarzer Spitzenunterwäsche im Türrahmen stand, ins Bett zu springen, obwohl ich sie früher direkt an der Wand im Flur genommen hatte, weil ich es nicht bis ins Schlafzimmer geschafft hatte. Eine Stunde hatte sie gebraucht, um mich während des Films in Unterwäsche zu bezirzen, indem sie mich immer wieder anfasste und Dinge sagte, die mich einfach nicht klar denken ließen. Es war nicht leicht gewesen den Entschluss zu fassen und ihr ins Schlafzimmer zu folgen. Als sie begonnen hatte mein Tshirt hochzuschieben, hatte ich ihre Hände genommen und sie festgehalten. Olivia hatte nur verständnisvoll gelächelt und mich geküsst, bis ich vergaß, wo oben und wo unten war. Letztendlich hatte ich das Tshirt behalten dürfen, hatte aber alles andere an Klamotten verloren. Ich hatte ihr den Vortritt gelassen und obwohl ich mir immer Gedanken um meinen Körper und meine Aktivität und Möglichkeiten beim Sex gemacht hatte, fiel es mir erstaunlich leicht einfach nur unter ihr zu liegen und zu genießen, dass sie mich selbst in dem Zustand und so wie ich jetzt aussah, noch wollte. Selbst ohne Mütze, die ich sonst immer trug. Es war eine schöne Nacht gewesen, obwohl ich es anfangs nicht geglaubt hätte. Das hatte ich aber auch wirklich gebraucht, denn es entspannte mich, bis am nächsten Tag meine Nervosität wieder anstieg. Immerhin traf ich nun nach drei Jahren endlich meine geliebte kleine Schwester wieder und ich war extrem verängstigt, was sie zu meiner Aufmachung und dem Krebs sagen würde. Sie würde danach fragen, das wusste ich, aber ich hatte keine Ahnung, was ich dann tun sollte. Deswegen nagte ich beinahe den ganzen Weg herunter ins Tal an meiner Unterlippe. Der Abstieg war wesentlich leichter als der Aufstieg, allerdings würde es heute Abend vermutlich eine Herkules Aufgabe sein wieder hoch zu kommen. Darüber wollte ich jetzt am liebsten gar nicht erst nachdenken... (Sorry o_o)

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Olivia Môntesano
"Ich schnüffel nicht, okay? Manchmal vergisst du sie wegzuräumen oder ich sehe welche wenn ich den Müll leere, also beruhid dich." Ich verstand seine Privatsphäre und respektierte sie, aber wenn sie offen herum lagen oder aus dem Mülleimer heraus ragten, dann war er selbst dran Schuld. Er brauchte sie vor mir nicht zu verstecken, ich wusste, dass er immer noch schrieb, obwohl er die meisten Songs nie würde einsingen können. Er musste die letzte Gelegenheit dazu also nutzen und ich würde William bestimmt überzeugen können, sich einen Nachmittag oder am Wochenende etwas Zeit zu nehmen. Das Thema Kinder war dann Gott sei dank auch erst mal beendet und ich war dankbar für das Dienstmädchen, denn ich hätte keine Antwort darauf gewusst ob ich kinder wollte oder wann. In Anbetracht unserer Situation, in der wir nicht mal wussten, ob er überleben würde, sollten wir noch nicht so weit denken. Unsere Beziehung war erst ein paar Monate alt, da konnten wir noch an keine Kinder denken, mal ganz von dem Altersunterschied abgesehen...nein, wir hatten ja noch Zeit. Gott, ich musste einfach lernen die Klappe zu halten, wenn es um so unangenehme Sachen ging. Tja, dumm nur, dass ich dafür zu impulsiv und sprunghaft war.
Den restlichen abend hatten wir mit essen, reden und schlafen verbracht. Am nächsten morgen hatten wir Leos Eltern nicht mehr angetroffen, aber Esmeralda hatte uns ein Frühstück eingepackt und der Schlüssel lag daneben. Auf einem Briefpapier hatte bloß gestanden Gute Reise und viel Glück, Sohn. Dass sie überhaupt einen Zettel geschrieben hatten, war ein Wunder. Mit dem Zug waren wir dann weiter Richtung Norden zu den bergen gefahren, aber der Bahnhof war am Fuß des Berges und der Bus brachte uns nur bis zur Hälfte. Aber auch als ich versucht hatte Leo zu überreden ein Taxi zu rufen, hatte er sich geweigert. Er wollte immer noch kein Auto benutzen, aber hier ging es echt verdammt Berg hoch und es war selbst für mich anstrengend, hinzu kamen noch die Koffer. Also liefen wir fast eine Stunde nach oben, Leo musste mehr mals eine Pause einlegen und irgendwann war ich einfach vor gelaufen, hatte meinen Koffer am Haus abgestellt und war ihm entgegen gelaufen um seinen Koffer zu nehmen, während wir gemeinsam den Rest ging. Er war aber auch so ein Sturkopf!
Die nächsten vier Tage genossen wir einfach unseren Urlaub im Haus. Es war ein wunderschönes Häuschen, am Hang und am Waldrand, wie aus einem Katalog. Es hatte einen Balkon der einmal um das Haus herum ging und wir verbrachten viel Zeit draußen. Eine Seite der Wohnzimmerwand war komplett offen und bot einen wunderschönen Ausblick in den Wald, es war traumhaft. Morgen würden wir Annabelle besuchen fahren, auch wenn mich der Weg dahin jetzt schon nervte. Könnte er nicht einfach in ein taxi steigen? Heute abend hatte ich jedoch eine andere Idee. Wir hatten toll zu Abend gegessen, ich hatte drauf geachtet milde Sachen zu kochen, keine starken Gewürze und wenig Fett, damit dein Magen es auch vertrug. Jetzt hatten wir uns auf die Couch gekuschelt und einen Film angemacht, aber ich hatte eine andere Idee. Mit der Entschuldigung, dass ich auf Toilette gehen wollte, ging ich in unser Schlafzimmer und zog mir hübsche schwarze Spitzenunterwäsche an. Ich hatte sie mitgebracht, weil ich Leo damit überraschen wollte. Unser Sexleben war in den letzten Wochen ziemlich zum stillschweigen gekommen, das letzte mal hatten wir bestimmt vor drei Wochen miteinander geschlafen. Er hatte sich immer mehr vor mir zurück gezogen und sich in seinem Körper unwohl gefühlt, war oft erschöpft gewesen, das körperliche zwischen uns war relativ zurück gegangen. Jetzt hier im Urlaub, wo wir die ganze Zeit für uns waren, konnten wir vielleicht die schönen Tage mit einer schönen Nacht noch besser machen. Nur in Unterwäsche ging ich also zurück ins Wohnzimmer und stellte mich in den Rahmen, um Leos Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Als ich diese hatte lächelte ich sanft. "Ich hatte gehofft, dass wir uns hier im Urlaub auch wieder etwas mehr Zeit für uns nehmen könnten." sagte ich leise und biss mir auf die Unterlippe. Ich musste auf seine Zustimmung warten, vielleicht wollte er nicht und fühlte sich in seinem Körper nicht wohl, aber ich wollte ihn immer noch. Ich brauchte seine Nähe wieder mal... [Sorry voll der Schrott, wusste nicht genau wohin ich springen soll und dann ist mir nix mehr eingefallen :D]

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Ich dachte wirklich sie hätte es nicht mitbekommen. Ich schrieb an den Songs nur, wenn sie im Unterricht war oder etwas mit ihrer Freundin Mia unternahm. Eben nur, wenn sie wirklich weg war. Danach steckte ich sie in mein altes Notizbuch von der TAFE oder stopfte sie in den Mülleimer, wenn ich wieder einen kleinen Frustrationsanfall gehabt hatte. Dadurch waren mir schon so einige gute Songs verloren gegangen, doch ich hatte ihnen nicht allzu lange nachgetrauert. Immerhin konnte ich damit ja sowieso nichts anfangen. Nach der Operation würde Musik für mich sowieso ferner sein als je zuvor. Eigentlich hätte sie von all dem also nichts wissen können. Doch ich kannte Olivia ja eigentlich. Natürlich hatte sie geschnüffelt. Dass sie hinter meinem Rücken meine Songs gelesen hatte, war mir nun irgendwie unangenehm, weshalb noch mehr Blut in mein Gesicht stieg. Darin verarbeitete ich all den Scheiß, der mir in den letzten Jahren passiert war und ich schrieb manchmal auch über sie - wenn auch sehr versteckt. Irgendwie war mir das ein wenig peinlich, weshalb ich kurz die Luft anhielt und heftig den Kopf schüttelte. "Schnüffel' bloß nicht wieder in meinen Sachen herum! Das ist privat, Via! Oh Gott, was davon hast du alles gesehen?" Doch nicht etwa einen ganz bestimmten Song...? Oh es war wirklich schlimm wie kitschig ich mich an diesem Abend verhalten hatte, als ich ihn geschrieben hatte. Hoffentlich hatte sie ihn nicht gesehen. Grummelnd legte ich einen Arm über meine Augen und kühlte meine erhitzten Wangen damit ein wenig herunter. "Na ob er mir den Gefallen tut, obwohl ich die heiße Lehrerin gekriegt habe, weiß ich ja nicht." Sicher war er deshalb immer noch sauer, immerhin hatte er sich ja auch den Klopper gebracht Olivia so direkt darauf anzusprechen. "Allerdings hätte ich dann die Gelegenheit ihm direkt eine zu verpassen, wenn er dir wieder so blöd kommt wie damals.", stellte ich fest und nahm den Arm wieder von meinem Gesicht, obwohl das nächste Thema genauso heikel war. Kinder. Hatte ich wirklich jetzt schon über Kinder nachgedacht? Eigentlich nicht. Für mich war klar, dass ich irgendwann einmal Vater werden wollte, doch das lag fern in der Zukunft. Wenn ich jetzt aber so darüber nachdachte... würden wir vielleicht mal darüber sprechen müssen. Olivia war schon 28, also ein ganzes Stück älter als ich, und wenn ich zwei oder drei Kinder mit ihr wollte, die nicht unbedingt direkt aufeinander folgten, sondern einen angemessenen Altersunterschied hatten, damit sie in der Pubertät nicht zur Hölle für uns wurden, hatten wir ja gar nicht mehr allzu viel Zeit. Mit Vierzig wollte ich nämlich sicher keine Kinder mehr bekommen! Oh Gott, das hier war viel zu ernst für mich! Ich war 21 und nach der Operation war nicht einmal garantiert, dass ich noch Kinder bekommen könnte. Die Chemo könnte mir durchaus auch die Fruchtbarkeit zerstört haben. Ich knirschte nachdenklich mit den Zähnen, als Olivia sich aufstützte und somit über meinem Gesicht schwebte. Ihre Worte ließen mich blinzeln und den Kopf ein wenig schief legen. "Also würdest du auch noch bei mir bleiben, wenn du vielleicht nie Kinder mit mir haben könntest? Ich meine... willst du denn welche? Nicht, dass... wir jetzt schon darüber reden sollten. Für mich ist es noch viel zu früh, ich bin ja selber noch ein halbes Kind und wäre wohl kaum in der Lage mich um einen Säugling zu kümmern." Oh bitte hör einfach auf zu reden, Leo! Ich sollte wirklich einfach die Klappe halten. Esmeralda war dann schließlich meine Rettung. Gott sei Dank! Ich rief sie herein und sie stellte die beiden Tabletts auf dem Couchtisch in der anderen Ecke des Zimmers ab. "Vielen Dank, Esme.", erwiderte ich und lächelte sie warm an, ehe sie nickte und den Raum wieder verließ. "Sie war mir mehr Mutter als meine Mutter es je war.", stellte ich leise fest und lächelte leicht, ehe ich mich erhob und zu dem kleinen Tisch rüber ging. Ich hob die silbernen Glocken von den Tellern und schaute darunter. "Oh... ich denke ich werde mich an die Brötchen halten. Du kannst meinen Rest haben. Ich glaube das verträgt mein Magen nicht so gut.", stellte ich fest und setzte die Glocken wieder auf, nahm nur das warme Brötchen aus dem Korb und nahm etwas von der frischen Butter und sertre mich hin. Hummer, Wachteleier mit Kaviar und den Salat mit Goldblättchen garniert würde mein Körper zur Zeit nicht verarbeiten können. Ich war mir schon bei der Butter ein wenig unsicher, weil sie sehr viel Molkeanteil hatte, den mein Magen nur schwer aufnahm. Ja, Krebs war scheiße. Nicht mal das Essen konnte ich genießen.

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Olivia Môntesano
Gut, ließen wir die Aufregung über seine Eltern kurz hinter uns, auch wenn das nicht so leicht war, da wir uns in ihrem Haus befanden, aber diese beschissene Villa war so groß, dass wir ihnen weitestgehend nicht mehr bis morgen über den Weg laufen mussten. Also konzentrierte ich mich lieber auf Dinge die Leo wichtig waren, wie das singen. Er hätte schon früher fragen können, ob ich ihm helfen wollte zum Abschluss noch ein paar Lieder aufzunehmen, das war wirklich eine schöne Idee. Ich hatte kurzzeitig auch vor ein paar Monaten den Gedanken gehabt, aber hatte ihn schnell wieder verworfen, weil ich gedacht hatte, dass Leo bestimmt nicht seine Stimme auf einer CD haben wollte, bloß damit er daran erinnert wurde was er verloren hatte. Für mich wäre es eine wirklich schöne Erinnerung, aber ihm würde es nach seiner OP vermutlich erst mal nicht so gut tun seine Songs zu hören. Er würde sich erst mal beruhigen müssen, das würde eine verdammt harte Zeit werden und ja es graute mir ebenfalls davor, aber jetzt konnte er seinen Traum noch halbwegs erfüllen. Dann wollte ich ihm natürlich auch die besten mittel bieten, wenn sie mir als Lehrerin an der TAFE schon zur Verfügung standen. Dass er Songs geschrieben hatte, wusste ich. "Ich weiß, manchmal wenn du schläfst und sie auf deinem Schreibtisch liegen lese ich ein paar, ich hoffe du verzeihst mir. Ach, der Direktor muss davon ja nichts wissen, ich bin mir sicher James tut mir den gefallen." Die TAFE war so groß, dass es nicht auffallen würde und wir kosteten die Schule ja nichts, bloß James würde uns ein bisschen seiner Zeit schenken müssen. Was hatte ich mir eigentlich dabei gedacht von dem Thema jetzt zu seinen Worten von vorhin zu wechseln? Ich hätte die Sache einfsch beruhen lassen sollen oder auf einem anderen Zeitpunkt warten, es war jetzt nicht passend. Wir waren beide noch aufgeregt von seinen Eltern und er war erschöpft, das war eine dumme Frage gewesen. Umso besser war es jetzt vermutlich, dass wir uns nicht ins Gesicht sehen konnte, sondern beide an die decke sahen, uns nur an der Hand hielten. Er hatte mit der Frage natürlich nicht gerechnet, bestimmt hatte er es schon wieder vergessen. Er stammelte jetzt also herum, aber es war wie immer schön zu hören, dass er mich liebte und ich die einzige für ihn war. Natürlich erwartete ich gar nichts, er sollte sich nicht stressen oder verlegen sein. Aber er brachte einen anderen Aspekt ein, an den ich noch nie gedacht hatte und der mich jetzt furchtbar in Verlegenheit brachte. Ich hatte nie daran gedacht, dass er...also keine kinder mehr bekommen konnte. An sowas dachte man in seinem alter doch auch nicht, Gott war mir das jetzt unangenehm. Soweit in die Zukunft dachte ich noch nicht, irgendwie waren Kinder für mich noch ziemlich weit entfernt, dabei war ich schon sieben Jahre älter als er.... Ich drückte beruhigend seine Hand und räusperte mich. "Hey Leo, alles gut. Wir haben Zeit, nur kein Stress. Erst mal schaffst du die OP und solange ich dich habe, reicht mir das auch." sagte ich sanft und stützte mich auf den Ellenbogen auf, sodass ich zu ihm hinunter sehen konnte. "Das wird alles schon." murmelte ich und drückte ihm verkehrt herum einen Kuss auf die Stirn. Wir wurden plötzlich gestört als es an der Tür klopfte und eine Stimme sagte "Hier ist Esmeralda, ich bringe essen." Ich runzelte die Stirn und sah Leo an, wir setzten uns beide auf und er ließ sie herein treten. Eine etwas ältere Dame in einem schwarzen Kleid kam mit einem Tablett herein und stellte es auf den Tisch auf der anderen Seite, wo eine kleine Couch stand. "Ihre Eltern meinten, dass sie sich ausruhen und bestimmt privat speisen möchten. Wenn sie etwas brauchen, Mr. Westfield, wissen sie ja wie sie mich erreichen." Mit einem höflichen lächeln einem nicken ging sie dann wieder. Hatte sie gerade wirklich 'speisen' gesagt? Wo waren wir hier, im Haus der Queen?

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Müde und erschöpft von der eigentlich ja nur kleinen Aufregung dort unten, hob ich meine Hand und zog meine Mütze von meiner Stirn weiter herunter in mein Gesicht und damit über meine Augen. Das war echt heftig gewesen. Ich hatte meinem Vater nie die Stirn geboten, weil ich es immer für unnötig gehalten hatte. Weil ich immer geglaubt hatte er würde es eh nicht einsehen und sowieso nur ausrasten und noch härter zurückschlagen. Als Kind hatte ich Angst davor gehabt, als ich ausgezogen war, hatte ich ihn nicht mehr ertragen müssen, aber jetzt... war ich bereit dazu gewesen. Jetzt, wo mein Körper praktisch kurz vorm Hungertod stand. Ich war stark unterernährt, hatte kaum Kraft mich länger als eine Stunde auf den Beinen zu halten und hatte eine ziemlich lange Reise hinter mir. Schlechtere Bedingungen hätte es für mich nicht geben können und doch hatte es funktioniert und war gut gegangen. "Reg dich nicht so auf. Das sind sie nicht wert.", murmelte ich bloß. Das war praktisch mein Motto gewesen, als ich noch hier gewohnt hatte. Bisher dachte ich auch, dass ich damit sehr viel Leid von mir abgehalten hätte. Hätte ich gewusst, dass mein Vater nur einmal meine Faust hatte spüren wollen, hätte ich das schon sehr viel früher in Angriff genommen. Neben mir sackte die Matratze ein wenig ab, sodass ich meine Hand blind nach oben streckte und ihre Schulter berührte. Vorsichtig tastete ich mich zu ihrer Hand und verschränkte dann unsere Finger miteinander. "Ich glaube nicht, dass der Schuldirektor mich den Aufnahmeraum nutzen lässt. Ich... will eigentlich nur einen Song aufnehmen, aber ich hab schon ein paar geschrieben in den letzten Wochen. Wenn du in er Schule warst, hatte ich nicht viel zu tun.", gestand ich ihr. Ich hatte nicht vor eine ganze CD aufzunehmen, aber... jetzt, wo sie mir diese Option aufgezeigt hatte, war ich mir nicht mehr so sicher. Sollte ich? Ich musste es mir nach der Stimmband-Op ja nicht mehr anhören, wenn ich es nicht konnte... Aber ich hätte sie zumindest. Ach ich wusste es nicht! Aber es würde ja auch noch zwei Wochen dauern, bis wir wieder zu Hause waren und das in Angriff nehmen würden. Ich war noch ganz in Gedanken, als Olivia ein anderes Thema anschnitt. Eines, das ich früher an diesem Tag auch bereits angebrochen hatte. Jetzt, wo sie es mir bewusst vor Augen führte, färbten sich meine sonst so blassen Wangen rosa. Ja, das war mir in der Wut irgendwie so rausgerutscht. "Na ja, ich... ich will schon irgendwann Kinder haben und.. und du bist nun mal die Frau, die ich liebe. Wenn nicht mit dir, mit wem dann? Allerdings... weiß ich noch nicht wie das funktionieren soll. Es kann gut sein, dass die Chemo nicht nur die Tumorzellen geteilt hat, sondern auch... andere. Also ich weiß nichtmal, ob ich nach all dem noch fruchtbar bin oder nicht.. Notfalls habe ich etwas Sperma eingefroren, bevor all das angefangen hat, aber... Oh Gott, wieso sprechen wir darüber? Ich bin 21! Ich sollte da vermutlich nicht jetzt schon drüber nachdenken. Erst recht nicht, wenn so eine Op bevorsteht und nicht mal klar ist, ob ich das überlebe. Sorry...", stammelte ich ein wenig nervös. Da war der Altersunterschied dann doch recht krass. Wir waren eigentlich auf Augenhöhe, doch unsere Körper waren eben verschieden alt. Diese sieben Jahre, machten besonders bei der Kinderplanung viel aus. Sie könnte mit 28 bereits zweifache Mutter sein, ein Haus haben und eine perfekte Familie gegründet haben, während ich vor wenigen Monaten noch zur Schule gegangen war. In diesem Moment kam ich mir plötzlich viel zu jung vor, es war seltsam.

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Olivia Môntesano
Es gefiel mir hier oben zwar auch nicht besser, aber solange Leos Eltern nicht hier waren, war es mir der liebste Platz auf Erden. Ich war immer noch erleichtert darüber, dass Adam wenigstens nicht zurück geschlagen hatte und es vorbei war. Hier im Haus zu bleiben war mir zwar auch nicht die liebste Möglichkeit, aber es war jetzt eben so und solange wir ihnen nicht mehr über den Weg laufen mussten, war mir das mehr als recht. Am besten wir schliefen morgen solange wie möglich und aßen dann am Bahnhof etwas, bevor wir weiter zur Ferienwohnung machten. Ich ließ ihn zwar ungern wieder los, aber er musste sich etwas ausruhen, also ließ ich ihn sich hinlegen und sah ihn dabei kurz an, dann ging ich etwas im Zimmer auf und ab, ging rüber zum Fenster. "Wenn ich anfange rede ich mich wieder so in Rage. Ich verstehe es einfach nicht wie man so arrogant, überheblich, dumm, geistig zurück geblieben sein kann. So ein Arschloch, Mistkerl, Wichser...okay, ich glaube das wars." seufzte ich und ließ mich an die linke Bettkante sinken, von wo ich zu seinem Kopf sah, dann ließ ich mich jedoch auch auf den rücken sinken, sodass meine Wange fast seinen Kopf berührte und unsere Körper einen rechten Winkle bildeten. Gerade da fragte er mich nach seinem Song und ich lächelte, als er das sagte. Wieso hatte er das nicht schon früher gesagt? Natürlich würde ich ihm dabei helfen, wenn das sein letzter Wunsch war, bevor er seine Stimme verlor. Außerdem wusste ich, dass seine Songs super waren, ich hatte schon früher immer wieder welche gelesen und auch welche aus seinem Mülleimer gerettet, das wusste er aber nicht, ich hatte sie in einer Schublade in meinem Schreibtisch. Eines Tages würde er vielleicht wieder daran arbeiten wollen und dann hatte ich sie. "Natürlich werde ich dir helfen, aber ich hätte sogar noch eine bessere Idee. Ich könnte James von der TAFE fragen, ob er ihn mit uns aufnimmt, dort gibt es einen professionellen Aufnahmeraum. Ich meine ja nur, wenn es dein letzter Song ist und dein Prüfungssong, sollte man es doch richtig machen oder? Und ist das der einzige Song?" Vielleicht würde er es sich doch jetzt noch anders überlegen und wollte alte Songs aufnehmen. Ich hätte auch unglaublich gerne seine wunderschöne Stimme aufgenommen, um sie mir später anzuhören, wenn das original leider nicht mehr da war. Das machte mir nur wieder furchtbar bewusst, dass ich jeden Moment, jeden Satz und ganz besonders jedes 'Ich liebe dich' auskosten und in meinem Kopf speichern musste, bevor ich es nie wieder hören konnte. Ich wusste jedoch nicht von welchem Song er jetzt sprach, aber ich war wirklich sehr gespannt, er konnte nur wunderschön sein, so wie alle anderen Texte die ich bisher gehört hatte. Im kurzen Moment der stille fiel mir auch wieder etwas anderes ein. Ich sah weiterhin zur Decke und verschränkte meine Hände über meiner Brust. "Da wir gerade von wichtigen Dingen sprechen...du hast da vorhin etwas gesagt, als du deinen Dad angeschrien hast. Ich weiß nicht ob du das einfach nur so gesagt hast weil du sauer warst und dir nichts dabei gedacht hast, aber...denkst du wirklich daran mit mir Kinder zu haben?" fragte ich vorsichtig und biss mir auf die Lippe. Ich hatte noch nie so genau über meine Zukunft nachgedacht, aber ja irgendwann wollte ich Kinder. Ja ich war schon 28 und es gab Frauen die schon kinder hatten, aber ich hatte mir immer bis Mitte dreißig Zeit lassen wollen... War es Leo wirklich so ernst mit uns, war ich ihm wirklich so wichtig? Und wenn er schon weit dachte, hatte er seine depressive Phase über wunden und glaubte daran, dass er den Krebs überleben würde? Wir hatten nie über die Zukunft gesprochen, hatten nie weiter als bis zum Verlust seiner Stimme gesehen und vielleicht war das auch besser so. Wir wussten nicht was die bevorstehenden Operationen noch bringen würden, wie sie Leo auch psychisch verändern würden....

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Hae-Sung 'Rian' Kang
Es war lächerlich wie viele Gedanken ich mir darüber machte was die Welt, die Medien und Clyde über mich dachten. Ich war selbstständig, erwachsen und konnte schon seit Jahren für mich alleine sorgen - seit meine Mutter gestorben war, und Mr. Blake sozusagen die Rolle des Erwachsenen in meinem Leben übernommen hatte, war ich auf mich alleine gestellt gewesen. Und trotzdem war ich nie wirklich über dieses Was denken Menschen von mir gekommen; einzig und alleine weil man es mir nie gelernt hatte. Vielleicht aber auch einfach weil ich seit ich sechtzehn Jahre war in einer Welt lebte in der die Meinung anderer so viel Wichtiger war als meine eigene. Es kam nicht darauf an was ich wollte, es kam nicht darauf an was ich für richtig hielt - andere Menschen entschieden über mein Leben, darüber ob ich erfolgreich war oder ob man mich einfach so in einer dunklen Gasse vergessen würde wenn ich einmal etwas falsches sagte oder tat. Vielleicht war dieses Leben hier nicht das Richtige für mich, und vielleicht hatte meine Mutter Recht damit gehabt mir immer und immer wieder zu sagen das ich mich bloß nicht für andere Menschen verändern sollte, letzten Endes aber spielte das alles ohnehin keine Rolle mehr. Mir war bewusst das es Falsch war, oder das ich es als genau das ansehen sollte, genau das tat ich aber nicht. Weil ich nun einmal dachte das es so sein musste; weil so viele Menschen die genau das selbe taten wie ich, genau die selben Gefühle hatten. Genau die selben Gedanken und Probleme. Vielleicht war das auch der Grund weshalb Rodrigo irgendwann gesagt hatte das er nicht mehr wollte, und nicht etwa versucht hatte wieder zurück ins Rampenlicht zu steigen, sondern einfach ein ruhiges Leben in Australien begonnen hatte. Hier wo er seine Ruhe hatte, vor der Welt und den Fotografren die einen verfolgten und jagten als wäre man irgendeine Attraktion in einem Freizeitpark. Manchmal hatte ich nämlich wirklich das Gefühl als wäre genau das was die Menschen von mir dachten: Hübsch zum ansehen, nicht sonderlich viel im Kopf und sehr wahrscheinlich keine eigene Meinung. Möglicherweise hatten sie auch Recht damit. Unschlüssig zuckte ich die Schultern und sah Rodrigo an. Über was dachte ich nach? Worüber machte ich mir Gedanken? "Vieles", gab ich einfach zu und legte den Kopf etwas in den Nacken um zur Decke zu sehen. Es gab so viele Dinge über die ich nachdachte, und über die ich mir nun schon eine ganze Weile den Kopf zerbrach. Viele Probleme, Sorgen und irgendwelche Dinge die mir einfach nicht aus dem Kopf gehen wollten. "Am meisten aber darüber wie ich das Interview morgen überleben soll ohne von Clyde bloßgestellt zu werden", denn genau das würde er sehr wahrscheinlich tun. Er würde es so darstellen als wäre ich die Böse. Als wäre ich diejenige die die Probleme in die Beziehung gebracht hatte. Er hatte ja aber auch Recht, schließlich war ich es die bei einem anderen Mann saß, ihn geküsst hatte und immer noch Gefühle für ihn hatte obwohl ich es gewesen war die einfach Schluss gemacht hatte. Das hier war einfach viel zu chaotisch um überhaupt auch nur irgendwie eine Lösung zu finden. "Die Medien suchen doch sowieso schon einen Grund. Die Frage warum ich so plötzlich aus der Wohnung bin wird zu 99 Prozent auch gestellt werden, und Clyde wird sehr wahrscheinlich nicht lügen um mich zu schützen. Wieso sollte er auch?" Meine Karriere war wieder einmal ziemlich am wackeln, und wieder einmal konnte niemand außer mir etwas dafür. Ich schüttelte den Kopf und wandte Rodrigo wieder meinen Blick zu. Dieses Mal hatte ich es wirklich verkackt.

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I am hers and she is mine
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Leopold "Leo" Ares Westfield
Ich spürte wie meine Hand zitterte. Nicht nur, weil ich eben meinen Vater geschlagen hatte und bisher immer unheimlichen Respekt vor ihm gehabt hatte, sondern vor allem, weil mein Körper so schwach und lächerlich dünn war. Dieser Schlag war heftig gewesen und plötzlich fühlten sich die Muskeln in meinem Arm ganz weich an. Nicht einmal mehr das konnte ich. Ich war immer noch außer Atem, kam kaum wieder auf ein normales Maß, als meine Mutter schon einschritt und Olivia sich vor mich schob. Am liebsten hätte ich gleich noch einen Schlag hinterher gesetzt, allerdings hatte Liv schon recht. Ich war schwach und würde vermutlich tot umkippen, wenn ich mich mit ihm prügelte oder mich zu sehr aufregte. Mein geschwächtes Herz raste ja jetzt schon in meiner Brust. Ich ballte die Hände zu Fäusten, als mein Vater meine Mutter zurückpfiff. Ich hatte meine Stärke gefunden?! Das hatte er immer gewollt? Nur das hätte er verlangt? Hätte ich das gewusst, hätte ich ihm sein dämliches Fressbrett schon poliert, als ich noch stark genug dazu war. Ich wollte mich gerade richtig aufregen, als Olivia die Situation schlichtete. Sie klärte das mit dem Schlüssel ab und schob mich dann an meiner Brust zurück und ins Foyer, weg von ihnen. Gut so. Erst jetzt, wo das Adrenalin gewichen war, spürte ich meine zittrigen Muskeln und meinen schweren Atem. Ich räusperte mich kurz, nahm dann meinen Koffer und hiefte ihn die lange, geschwungene Treppe hinauf und den Flur entlang zum hintersten Zimmer. Das Gästezimmer, das am weitesten von ihrem Schlafzimmer entfernt lag. Erschöpft schloss ich hinter mir die Tür, drehte mich um und dann lagen Olivias Arme auch schon um meiner Brust. Seufzend ließ ich meinen Kopf sinken und lehnte meine Stirn an ihren Scheitel. "Lass mich kurz Luft holen. Das war... zu viel es Guten.", murmelte ich und ging vorsichtig zum Bett, auf das ch mich sinken ließ. Ich musste nur ein paar Minuten sitzen. "Fang du ruhig an. Ich ruhe mich so lange ein wenig aus.", murmelte ich und legte mich mit dem Rücken auf das Bett, während ich immer noch leicht außer Atem war. Ich hasste diesen Körper, aber das hatte ich ja bereits erwähnt. "Hey, Liv? Kannst du mir einen Gefallen tun? Ich hab vor einigen Wochen einen Song geschrieben. Den, den ich eigentlich für meine Abschlussprüfung hatte einreichen wollen. In drei Wochen werde ich meine Stimme für immer verlieren, aber diesen einen Song will ich vorher aufgenommen haben. Im Keller ist ein Fitnessraum, in dem ziemlich guter Sound ist. Können wir... das vielleicht noch in Angriff nehmen, bevor wir fahren und ich nie wieder die Chance dazu habe?", fragte ich und schaute zu ihr hoch. Ich hatte eigentlich keine Aufnahme von mir haben wollen, weil ich sie dann immer vor Augen hatte und wusste, was ich verloren hatte, doch dieser Song... bedeutete mir ziemlich viel. Er war aus der Zeit mit dem Krebs, der Schule und Olivia. Na ja, er war einfach sehr persönlich und verkaufen würde ich ihn niemals an irgendjemanden. Weil er es aber alle Mal wert war aufgenommen zu werden, wollte ich das gern tun. Nur ein mal, bevor ich es nicht mehr könnte... (Kannst gerne springen xD Von mir aus sogar schon zur Op :'D)

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Olivia Môntesano
Leo mutter konnte noch so empört und geschockt tun, Leos Vater konnte mich unhöflich und gerne noch schlimmeres nennen, aber das hatte einfach gesagt werden müssen. Ich konnte doch nicht einfach seelenruhig daneben sitzen und nichts tun, während mein Freund und der Mann den ich liebte von seinen Eltern beleidigt wurde. Sie wussten Leo so schon nicht zu schätzen, aber ihn dann auch noch wegen seiner Krankheit nieder zu machen, für die er nichts konnte, das war absolut das letzte. Selbst nachdem ich ihnen mal die Wahrheit gesagt hatte, sahen sie es nicht ein, nein Leos Vater gab ihm die Schuld und drehte alles wieder anders rum. Wie konnte man nur so ignorant und dumm sein?! Bevor ich wieder meine Mund aufmachen konnte, sauste plötzlich Leos Faust auf den Tisch und ich zuckte zusammen. Schockiert spiegelte sich auf meinem Gesicht der gleiche Ausdruck wie auf dem von Leos Mutter. Leo rastete total aus, so hatte ich ihn noch nie gesehen. Erschrocken sah ich ihn an, war aber auch gleichzeitig stolz, dass er ihnen die Stirn bot und endlich mal sagte was sie ihm antaten. Was er sagte würde eigentlich jeden Elternteil verletzen, aber wie schon gesagt, sie verdienten die Bezeichnung nicht einmal. Auch wenn ich mir gleichzeitig sorgen machte, dass er hier nicht gleich umkippte oder sich übergeben musste, so wie er herum schrie und kaum Luft holte, sein Körper war ja immer noch schwach und der Stress tat ihm nicht gut. Sobald Leo fertig war und sich nach Luft atmend auf dem Tisch abstützte, hallten die Worte noch im Raum nach und ich ging den letzten Satz nochmal durch. Hatte er gerade davon gesprochen kinder mit mir zu haben? Wow, das war....unerwartet. Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, erhob sich Adam und auch ich spannte mich an, bereit bei was auch immer einzugreifen , aber stattdessen lobte er Leo. Was?! Wirklich? Und dann ging alles ganz schnell. Leo schlug seinem Vater plötzlich ins Gesicht und ich sprang auf, legte einen arm auf Leos, um zu verhindern dass er weiter machte, während Adam nach hinten taumelte und wieder auf das Sofa fiel. Er hielt sich das Gesicht und seine Frau legte besorgt die Hand en seine Wange. "Leopold Ares! Haben wir dich so respektlos erzogen?" fragte sie empört und Leos Vater sah gar nicht mal so schockiert aus. "Nein Angelina lass, er hat endlich seine Stärke gefunden. Ich hatte schon geglaubt er würde immer so ein Schwächling bleiben." sagte er ziemlich ruhig, obwohl seine Lippe ausgeplatzt war. Ich spürte wie Leo schon zuckte und schob ihn vom Tisch weg und stellte mich vor ihn, damit er keine Dummheiten machte. Er sollte sich nicht überanstrengen. "Und sie wundern sich, wieso er sie nicht besucht. Wir gehen jetzt nach oben, wenn sie uns dann einfach die Schlüssel geben, dann gibt es hier keine weiteren Schwierigkeiten." Ich sprach mit Leos Mutter, da sein Vater einfach nur ein riesiges Arschloch war. Sie nickte, wieder ganz gefasst und geschäftlich. "Wir geben ihn euch morgen früh beim Frühstück oder Esme legt ihn auf den Tisch." Gut dass sie die zweite Möglichkeit noch hatte, denn wenn es ging würde ich gerne nicht mit diesen Menschen an einem Tisch sitzen. Ich legte Leo eine Hand auf die Brust, er atmete immer noch schneller, ich sah ihn beruhigend an und nickte dann langsam, als würde ich ihn fragen ob wir gehen konnten. Dann gingen wir gemeinsam aus dem Salon in den Flur, begleitet von einer beängstigenden stille. Schweigend nahm jeder von uns seinen koffer und ich ließ ihm den vortritt, er wusste ja wo wir hin mussten. Ich versuchte den ganzen Luxus um mich herum zu ignorieren bis wir in ein großes Gästezimmer kamen, das hauptsächlich von einem riesen Bett und einem großen Schrank gefüllt wurde. Ich stellte meinen Koffer ab und schlang dann meine Arme um ihn. Ich wusste nicht genau, ob ich damit ihn trösten wollte oder ob ich seine Nähe brauchte, um meine nerven zu beruhigen, aber es fühlte sich gut an. Nach ein paar Sekunden sah ich zu ihm auf. "Soll ich erst fragen wie es dir geht oder alle Schimpfwörter loswerden, die ich mir verkniffen habe?" fragte ich ihn und strich ihm über den rücken.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Ich hätte wissen sollen, dass das schief gehen würde. Olivias Beschützerinstinkt war von Anfang an sehr ausgeprägt gewesen. Egal wie sehr ich ihr erklärt hatte, dass ich selber stark war und das allein schaffte, sie mischte sich einfach immer ein. So war sie nun mal und ich wollte das auch nicht unbedingt an ihr ändern. Gerade nur hätte ich mir gewünscht, sie hätte es gut sein gelassen. Selbst jetzt, als sie aufsprang und meine Eltern ernsthaft anschrie, schienen sie nur ungerührt. Ja, sie wirkten geschockt, weil Olivia die erste war, die so mit ihnen sprach, aber es änderte nichts an ihrem Verhalten. Wie auch? Sie sahen ihre Fehler nicht ein. Sie hatten die besten Hausmädchen besorgt, um mich zu erziehen. Sie hatten für meine beste Ausbildung zahlen wollen. Sie sahen nicht, was das eigentliche Problem war und das taten sie auch jetzt nicht. Olivia stieß die Luft aus und ließ sich wieder neben mich sinken, als sie fertig war. Meine Mutter hatte bloß ihre Hand auf ihrer Brust und schaute empört zu mir. Als könnte ich etwas hierfür! "So empfindest du also, Sohn? Und du brauchst ein Weib, um es mir sagen zu lassen. Nicht mal dafür hast du genügend Stolz!", stichelte mein Vater weiter. Normalerweise wäre ich jetzt sitzen geblieben, hätte geschwiegen und wäre vermutlich nur ohne etwas zu sagen oder zu tun aufgestanden und gegangen. Diesmal allerdings griff er damit auch meine Freundin an. Die Frau, die ich wirklich liebte. Ich ließ meine geballte Faust also auf den Massivholztisch knallen. "Halt dein Maul! Es reicht mir jetzt!", brüllte ich noch lauter als Olivia bisher. Dass aus einem so dürren, abgemagerten Körper solche Töne herauskamen... das schockte selbst meine Mutter, der nun der Mund aufklappte. "Ihr beide seid das aller letzte! Ihr habt mich und Anna doch nur gezeugt, um uns vorzuzeigen wie Haustiere! Ihr seid nie in der Lage gewesen euch um Kinder zu kümmern! Ihr seid keine verdammten Eltern, verstanden?! Ich war mein ganzes Leben lang allein. Ihr seid nichts als Fremde für mich, okay?! Ihr. Seid. Nicht. Meine. Eltern. Also gebt mir die verdammten Schlüssel für das Ferienhaus, damit ich diese Kur durchziehen kann und wenn ich diese Operation überlebe, braucht ihr nicht damit zu rechnen, dass ihr auch nur noch einen einzigen Ton von mir hören werdet! Wenn ich irgendwann einmal mit dieser wundervollen Frau neben mir hier Kinder zeugen werde, werde ich ihnen sagen, dass sie keine Großeltern haben. Euch lasse ich auf kein Kind mehr los!", brüllte ich und schlug mit der flachen Hand erneut auf den Tisch, stützte mich dann mit beiden Händen darauf ab und ließ den Kopf hängen. Alles, was man in diesem Raum mit den hohen Decken dann noch hörte, war mein schwerer Atem. Selbst das Schreien hatte mich so viel Kraft gekostet. Stuhlbeine quietschten über die Fliesen und im nächsten Moment stand mein Vater vor mir, mit erhobenen Haupt, als kümmerte ihn das alles gar nicht. "Jetzt hast du endlich mal Mut bewiesen. Ich dachte schon ich hätte einen Schwächling erzogen." Okay, das reichte. Selbst jetzt hörte er nicht auf. "Fahr zur Hölle.", zischte ich, holte aus und rammte ihm meine Faust ins Gesicht. In diesem Körper war ich nicht gerade stark, aber mein Vater hatte damit nicht gerechnet und er war es nicht gewohnt Schläge zu bekommen, also saß er schon ordentlich. Ich stieß die Luft aus und schüttelte bloß den Kopf, als ich den Raum verließ. Wir würden die Nacht hier schlafen und morgen verschwinden. Danach würde ich sicher nicht mehr wiederkehren.

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Olivia Môntesano
Ich hatte mich noch nie so unangenehm gefühlt und so angespannt, dass ich glaubte irgendein ein Muskel in meinem Körper müsste gleich reißen. Ich wollte eigentlich nur weg, weil ich das Gefühl hatte, dass jeden Moment etwas schlechtes passieren würde, als würden wir unweigerlich auf eine Katastrophe zusteuern. Und da kam sie, sobald Leos Vater von seinem Erfolg aufhörte zu schwärmen und anfing über Leos Krebs zu sprechen. Wie er schon anfing. Und du hast also Krebs, ja? Als würde er nach dem Wetter fragen und nicht nach der tödlichen Krankheit seines Sohnes. Ich verkrampft mich automatisch noch mehr und drückte Leos Hand fester. Ich glaubte wirklich gerade einen Schlaganfall zu haben, bildete ich mir ein was er da sagte?! Wie konnte er nur! Er besaß doch wirklich die frechheit Leo als schwach zu bezeichnen, vor mir und dass obwohl er wusste, dass er Krebs hatte. Was stimmte denn mit diesem Mann nicht?! Sobald der Schock abgeklungen war, spürte ich einen unglaubliche Wut in meinem Bauch sich zusammen brauen, aber ich hielt sie noch in Zaum. Leo hatte mich vor sowas gewarnt, dass sie es nicht verstehen würden und ihnen nur wichtig war, was für ein Licht auf sie geworfen wurde. Ich hatte wirklich gedacht sie würden wenigstens jetzt wo er krank war oder in meiner Anwesenheit nicht solche Dinge sagen. Er hielt ihn auch noch für zu dumm, um einen richtigen Arzt zu finden, dabei hatte er doch keine Ahnung von der Krankheit! Besaß er denn überhaupt gar kein Taktgefühl? Statt ihm also jetzt Hilfe anzubieten oder einen neuen Arzt zu suchen, fing er wieder von der schwäche an. Ich glaubte wirklich zu halluzinieren, ich konnte mir sonst nicht erklären wie jemand so etwas zu seinem krebskranken Sohn sagen konnte. Am liebsten wäre ich einfach aufgestanden und hätte Adam über seinen Teuren Mahagonitisch hinweg eine gescheuert. Nein, ich hielt es nicht mehr aus! Ich entriss mich wieder Leos Hand und fuhr wütend hoch, dass ich nicht über den Tisch hinweg sprang war auch alles an meiner Beherrschung. "Wie können sie nur?!" platze ich heraus und beide sahen mich nur leicht schockiert an. "Hören sie eigentlich was sie da sagen? Einen auf wohlhabend und erfolgreich machen, aber keine Ahnung vom Umhang mit Menschen haben, reden sie auch so miteinander oder ihren Klienten? Mich würde ja mal interessieren was die Nachbarn tatsächlich denken würden, denn glauben sie mir, ich hätte kein Problem damit rüber zu gehen und ihnen von ihrem krebskranken Sohn zu erzählen, den sie kein Stück unterstützen. Sie reden hier von Schwäche und Stärke zeigen, aber wissen sie was schwach ist? Nicht genügend Energie in die eigenen Kinder zu stecken oder von der Meinung anderer abhängig zu sein, das ist erbärmlich, sie sind erbärmlich!" sagte ich laut und holte wieder Luft, ließ meine arme sinken, mit denen ich gestikuliert hatte und setzte mich wieder. Die Wut war fürs erste draußen und wir sahen und alle nur an. Leos Mutter zeigte etwas Unbehagen und sah auf ihre Hände, ihr Mann jedoch sah mich an, dann Leo und räusperte sich. "Junge Dame, sie werden nicht in unserem Haus in solch einem Ton mit uns reden. Was für eine unhöfliche Freundin du da mitgebracht hast, Leopold." Ich unterbrach ihn direkt. "In welchem Ton? Den den sie verdienen? Es gefällt ihnen wohl nicht wenn jemand mal so mit ihnen redet, wie sie es mit Leo tun.
Er hat sich den Krebs nicht ausgesucht und er tut alles was die Ärzte ihm nur ermöglichen können. Er ist so dünn, weil die Chemotherapie​ und Bestrahlung seinem Körper den Rest geben, aber er kämpft dagegen an, was wahre Stärke zeigt. Also wenn sie kein Arzt sind und nicht mit der Behandlung von Metastasen und Tumoren vertraut sind, dann halten sie bitte ihre Klappe." beendete ich in einem gefassten, aber ernsten Tonfall. Dann lehnte ich mich seufzend zurück und sah Leo entschuldigtend, an obwohl das gesagt werden musste.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Das hier war echt schwer. Ich merkte wie angespannt Olivia neben mir war. Sie musste sich sicher stark zurückhalten nicht auszuflippen und ihre Klappe aufzureißen. Ich war das hier gewohnt. Ich kannte meine Eltern nicht anders. Damit war ich aufgewachsen. Am Anfang meiner Pubertät hatte ich mich aufgeregt, ja, ich hatte rebelliert und sie angeschrien, aber nach zwei Jahren hatte ich gemerkt, dass das rein gar nichts brachte. Seitdem ließ ich es einfach mit einem Augenrollen über mich ergehen, ging ihnen aus dem Weg und war eben einfach allein. So kannte ich es bloß. Olivia war zwar fast sieben Jahre älter als ich, doch was das betraf, war ich um einiges erfahrener als sie. Schlechte Eltern. Damit kannte ich mich traurigerweise aus. Und selbst jetzt schienen meine Erzeuger ihre Arroganz und den Unmut ihres Gegenübers nicht zu kennen. Sie sprachen ein Thema an, das allein zwischen uns dreien bereits unangenehm geworden wäre. Mit Olivia neben mir, die wir ein Raubtier über mich zu wachen schien, würde das hier in einem Desaster enden. "Und du hast also Krebs, ja? Deine Mutter hat mir erzählt wie es mit der Operation aussieht. 25% Sterblichkeitsrate erscheint mir ja ein wenig viel zu sein. Hast du dir etwa nicht den besten Chirurgen gesucht? Ich meine... dieser sogenannte Arzt hat dich ja fast bis auf die Knochen runterhungern lassen. Du siehst schlimmer aus denn je. Ich wusste ja, dass mein Sohn nicht der Stärkste ist, aber jetzt siehst du wirklich aus wie ein Jammerlappen.", murrte mein Vater und lehnte sich zurück, reckte das Kinn und verschränkte die Arme vor der Brust, während er den Fußknöchel auf seinem anderen Knie ablegte. "Sicher wäre dir das bei einem guten Onkologen nicht passiert." Oh hatte er eine Ahnung. Er wusste doch gar nicht, was hier abging. Er hatte keine Ahnung von dieser Krankheit. "Dr Briggs ist einer der besten Onkologen des Landes, Vater.", widersprach ich ihm, doch er schnaubte nur verächtlich. "Des Landes... Hättest du früher etwas gesagt, wären wir mit dir nach Amerika geflogen. Dort hätten sie dich sicher besser behandeln können und dann wärst du jetzt nicht so ein Klappergestell. Du siehst schrecklich aus, ist dir das eigentlich bewusst? Diese Schwäche, die du da zeigst... das ist ja abartig. Ich hoffe für dich, dass du nach der Op schnell anfängst wieder zuzulegen. Wenn dich so jemand sieht, heißt es hier im Viertel noch unser Sohn wäre magersüchtig oder so ein Schwachsinn! Da würde unsere ganze Familie in ein schlechtes Licht rücken. Als hätten wir dich nicht anständig erzogen!"

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Olivia Môntesano
Ich kam mir vor wie im falschen Film. Diese Gegend hier...ich fühlte mich seit der ersten Sekunde unwohl und fehl am Platz und es wurde nicht besser, als Leos Mutter uns die große Tür öffnete. Ich versuchte mich nicht allzu sehr von dem ganzen Luxus hier einschüchtern zu lassen, aber in Gegenwart von Leos Mutter war das etwas schwer. Keine Ahnung ob sie gerade von der Arbeit kam oder immer so herum lief, aber sie trug ein teuer aussehendes Kleid und hohe Schuhe, beides bestimmt Designer Stücke und lächerlich teuer. Meine Aufmachung war ziemlich schlicht, ich hatte es nicht eingesehen mich für solche eingebildeten Menschen hübsch zu machen, also trug ich eine schwarze enge Jeans, Ballerinas und eine olivfarbene Bluse, nichts extravagantes, sondern für mich alltäglich. Ich zwang mich dazu sie nicht gleich verachtend und hasserfüllt anzusehen und trat schweigend hinter Leo ein. Der Eingangsbereich oder sollte ich wohl eher die Halle sagen, war nun wirklich nicht das was ich erwartet hatte. Ein Kronleuchter? Wirklich? Wo waren wir denn hier? Während ich weiterhin den Raum musterte, sah ich aus dem Augenwinkel, dass Leos Mutter ihn umarmte, aber es sah nicht sehr überzeugend oder liebevoll aus, es war immer noch Raum zwischen ihnen und ihr sah man besonders deutlich an, dass sie es eher aus Taktgefühl oder wegen mir tat. Die Frau hatte nicht mal mit mir gesprochen, aber ich hasste sie jetzt schon. Es wurde nicht besser, als sie dann tatsächlich anfing an Leos Kleidung etwas auszusetzen. War das ihr ernst?! Kein 'Wie geht es dir', 'Schön dich zu sehen' oder 'Wie war eure Reise?'. Stattdessen war die Kleidung die Leo anhatte ihr wieder nicht gut genug, nein sie wollten ja nur das beste. Sie dachte nicht mal daran, dass Leo krank war, ja nicht mal als er sie darauf hinwies, wie konnte sie nur so gleichgültig sein? Ich biss wirklich mit aller kraft meinen Kiefer zusammen, um nicht etwas zu sagen, dass ich später bereuen würde, aber mein Beschützerinstinkt oder auch Liebe für Leo wollten ihn vor der Kälte seiner Mutter beschützen. Jetzt hatte mein Stündlein wohl geschlagen, denn sie sah mich an und ließ ihr lächeln, vermutlich künstlich und einstudiert, breiter werden und musterte mich kurz. Ich zwang mich ebenfalls zu einem kleinen lächeln, auch wenn mir gar nicht danach war und schüttelte ihre Hand, natürlich mit perfekt lackierten Nägeln. Ich kam gar nicht dazu zu sagen, dass sie richtig lag und ich keine Bekanntschaft war, denn Leo kam mir zuvor. Wie sie 'Freundin' betont hatte, als sei ich irgendein leicht zu habendes Mädchen, eine von vielen. Andere Mütter hätten sich gefreut und bestimmt gesagt, dass ich was besonderes wäre, die eine, weil er mich mit hier her brachte. Ich sagte immer noch nichts, denn was sollte ich auch sagen? Dass ich mich freute sie kennenzulernen? Nein, denn das wäre gelogen und ich wusste, dass sie es auch nicht ernst meinte. Ich sah also hilfesuchend zu Leo, als seine Mutter schon in den Salon voran ging. Fast wäre 'Würden sie ihn einladen' oder 'Sie könnten ihn ja auch besuchen' rausgerutscht, aber ich ließ es. Angespannt drückte ich Leos Hand und sah ihn kurz mit hochgezogenen Augenbrauen an, ehe wir seiner Mutter folgten, die sich wie mir jetzt einfiel nicht mal vorgestellt hatte, in den Raum neben an, der wohl sowas wie das Empfangszimmer für Gäste war, aber kein Wohnzimmer. Dort saß auf einen Samtsessel Leos Vater, in einem weißen Hemd, Tweedblazer und Anzughose, trank eine goldene Flüssigkeit, bestimmt ein teuren Whisky. Er sah nun auf und erhob sich. "Unser verschollener Sohn ist wieder aufgetaucht, sie mal einer an." Er musterte erst Leo, dann mich, währenddessen konnte ich ihn auch mustern. Jetzt war mir klar, woher Leo sein gutes aussehen hatte. Natürlich war sein Vater älter, bestimmt schon um die fünfzig, aber er sah ihm verdammt ähnlich und bestimmt wusste Leos Vater auch sein aussehen durch Arroganz zu ergänzen. Er umarmte Leo nicht, sondern klopfte ihm auf die Schulter und sah an seinem Sohn herab. "Du siehst nicht gut aus, mein Junge, aber das ist noch lange kein Grund, wieso du dich nicht etwas besser kleiden könntest." Mir blieb wieder die Luft weg und mir klappte der Mund auf. "Lass es gut sein Adam, ich habs auch schon versucht." seufzte seine Mutter theatralisch, die sich auf eine kleine Lounge sinken ließ und die Beine über einander schlug. Auch Leos Vater blickte nun mich an, musterte mich deutlich länger als seine Frau zuvor und setzte dann ein charmantes lächeln auf, auch das beherrschte Leo unglaublich gut. "Und deine reizende Begleitung hier? Ich bin Adam, schön sie kennenzulernen." er streckte mir auch die Hand entgegen und ich drückte sie mit einem aufgesetztem lächeln. "Hallo, Olivia. Ein schönes Haus haben sie." wow wo war dass denn her gekommen? Vermutlich weil ich das Thema von mir und Leo abwenden wollte. Adam ließ meine Hand wieder los und nickte stolz, fast schon arrogant. "Ja es war auch nicht leicht da dran zu kommen..." und er fing an die Geschichte seiner Karriere zu erzählen und seine Frau mischte sich ein, während Leo und ich auf einem Sofa ihnen gegenüber Platz genommen hatten. Solange sie von sich sprachen, war es einfacher ihnen zuzuhören, auch wenn sie bloß mit ihrem Reichtum angaben. Es war aber viel entspannender auf interessiert zu tun, statt fragen zu beantworten und dabei zuzusehen wie sie Leo nur herunter machten, denn dass wollte ich um alles vermeiden.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Ich starrte dir Haustür an, die eher an ein großes Tor erinnerte als an eine verdammte Tür. Welche Tür war schon drei Meter hoch und führte in ein Foyer mit riesigem Kristallkronleuchter? "Nein, absolut nicht.", antwortete ich Olivia, klingelte aber im selben Moment. Ich war nicht bereit, das würde ich aber auch nicht sein. Ganz sicher nicht. Niemals. Die Tür wurde geöffnet und ganz plötzlich stand sie wieder vor mir wie eh und je. Meine Mutter. Die Haare zu einem strengen Dutt, den einen Arm angewinkelt, den anderen neben ihre Hüfte schwingend. Sie trug ein dunkelblaues Etuikleid und High Heels. In der verdammten Wohnung! "Ach da seid ihr ja!", sagte sie und stöckelte zur Seite, damit wir eintreten konnten. Ein Wunder, dass sie die Tür aufgemacht hatte und nicht das Dienstmädchen. Ich trat ein, stellte meinen Koffer neben der Tür ab und wurde dann von meiner Mutter in eine oberflächliche Umarmung gezogen. Sie tätschelte mir kurz den Rücken, dann lehnte sie sich zurück und betrachtete mich abschätzig. "Oh Leopold Ares, wie siehst du denn aus?! Jeans und Tshirt? Gut, dass wir deine Sachen noch nicht haben wegräumen lassen. Du gehst gleich erstmal um und ziehst dir angemessen ein Hemd an.", sagte sie und ließ mich los. "Die Klamotten werden mir wohl kaum noch passen.", grummelte ich und sie hob die Augenbrauen, sah auf meinen schlacksigen, geschwächen Körper herunter und schürzte leicht die Lippen. "Da wirst du wohl recht haben... Aber wenigstens das Hemd kannst du anziehen gehen. So wirst du dich nicht an unseren Tisch setzen.", sagte sie und drehte sich von mir weg, um meiner Begleitung nun ihre Aufmerksamkeit zu schenken. "Und Sie sind Olivia, richtig? Es freut mich Sie kennenzulernen. Mein Sohn hatte nie sonderlich großes Interesse daran uns seine Bekanntschaften vorzustellen.", erklärte sie und reichte ihr die Hand, während sie ihr Lächeln etwas heller werden ließ. "Sie ist nicht nur eine Bekanntschaft, Mutter.", korrigierte ich sie, wofür ich kurz ihren Blick kassierte, ehe sie nickte. "Gut. Dann eben seine Freundinnen.", verbesserte sie sich und ließ Olivias Hand los. "Gehen wir doch in den Salon. Dein Vater möchte dich sicher auch sehen. Immerhin lässt du dich ja sonst nie blicken.", warf sie mir vor, drehte sich um und ging voraus. Seufzend nahm ich Olivias Hand und warf ihr einen entschuldigenden Blick zu. Allein kam ich mit der Art meiner Eltern klar, aber vor anderen war es mir immer unangenehm.

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Olivia Môntesano
Unser Plan war damit festgelegt und wir beide hatten noch unsere Vorbereitungen zu treffen, dabei war Leos bestimmt die unangenehmere. Er hatte seine Eltern angerufen, während ich nochmal in die Schule gefahren war, um mit Direktor Toddsman persönlich zu sprechen. Seit es diesen Skandal mit Leo und allem gegeben hatte, sprach ich lieber direkt persönlich mit ihm, statt wieder zu riskieren, dass er irgendwas falsch verstand und noch glaubte ich brannte mit einem Schüler durch. Er war erstaunlicherweise relativ freundlich und zuvorkommend gewesen, hatte mir sogar angeboten ihn Henry zu nennen. Nachdem ich also gesagt hatte, dass ich nach den Prüfungen und Vorkommnissen der letzten Monate etwas Urlaub brauchte und das mit der Tatsache untermauerte, dass ich bis zu den endgültigen Auditions zurück sein würde. Als ich bei Leo vorbei gesehen hatte, hatte er seinen teil auch erledigt, wenn er auch nicht sehr glücklich darüber gewirkt hatte. Wie ich schon vorhergesehen hatte, war die Reaktion seiner Mutter nicht gerade schockierend oder Tränen reich gewesen. So ein kaltherziges Miststück! Den Gedanken hatte ich natürlich für mich behalten und dann bei den weiteren Vorbereitungen geholfen. Die Flüge waren schnell gebucht und alles gepackt. Mia hatte ich überreden können in meiner und Leos Wohnung für zwei Wochen die pflanzen zu gießen, also war hier alles soweit erledigt. Das schwere kam jetzt noch. Wie immer hatte er mich nicht zum Flughafen fahren lassen, auch ein Taxi wollte er nicht. Wie lange sollte dass denn noch gehen? Er musste sich irgendwann wieder in ein Auto setzen, er hatte noch sein ganzes Leben vor sich. Von der anstrengenden Busfahrt und dem noch anstrengenderen Flug wollte ich jetzt erst gar nicht mehr sprechen, aber ich machte mir sorgen um Leo. Ihn machte der stress, die Enge und die anderen Luftverhältnisse zu schaffen, statt ihn zu erholen. Außerdem sah ich ihm eine gewisse Nervosität und Unruhe an, mir ging es genauso. Ich wollte seinen Eltern ebenfalls nicht begegnen, ihnen komplett aus dem Weg gehen und alles unangenehme vermeiden. Ich hatte keine Angst vor ihnen, aber ich wollte eigentlich nicht dass Leo noch mehr litt. Deswegen hatte ich ihn dazu verdonnert sich zu setzen, während ich die Koffer wieder geholt hatte. Seine Entschuldigung und alles hatte ich mit einem lächeln abgetan, für mich war das wirklich alles kein Problem, ich tat es gerne für ihn. Dass er sich dann nicht mal von dem Fahrer seiner Eltern holen lassen wollte, fand ich doch etwas übertrieben. Ja ich wollte zwar auch nichts mir diesen Menschen zu tun haben, aber vom Flughafen aus war es noch ein ganzes Stück, ein taxi kam für ihn ja wieder nicht in Frage, also mussten wir tatsächlich noch auf den Zug umsteigen. Während Leo vor Erschöpfung also tatsächlich nochmal einschlief, versuchte ich mich mental auf das bevorstehende zusammentreffen vorzubereiten. Wir mussten in einem viertel am Stadtrand aussteigen und schon die ersten Häuser die ich sah, waren Villen. Dass es hier überhaupt einen Bahnhof gab wunderte mich, jeder Bewohner hier hatte bestimmt einen eigenen Chauffeur. Schon die Atmosphäre hier auf der Straße gefiel mir nicht. Überall perfekte Häuser und Gärten, geschützt durch geschmiedete Tore, hinter denen entweder große Geländewagen oder elegante Sportwagen standen. Alles hier schrie nur so nach Geld, Korruption und Arroganz. Ich konnte mir schlecht vorstellen, dass Kinder hier aufwachsen konnten. "Hier bist du also aufgewachsen? Scheint mir gerade wegen des vielen Luxus nicht die richtige Umgebung für kinder zu sein." stellte ich fest, während ich meinen Koffer hinter mir auf dem breiten Gehweg zog. Wenigstens war es heute nicht zu warm, sodass Leo nicht noch durchs Wetter geschwächt wurde. Nach fünf Minuten verlangsamte Leo seinen schritt und hielt vor einem großen schwarzen Tor, durch das man auf ein noch beeindruckenderes weißes Haus, kunstvollen Vorgarten und zwei Porsche sehen konnte. Das war ja fast schon ekelerregend. Ich sah nach oben und direkt in eine Kamera, neben Leo an der Gegensprechanlage war eine weitere. Natürlich war hier alles bewacht. Um ihr Haus kümmerten sie sich, aber nicht um ihre Kinder. prangte aus goldenen Lettern am Klingelschild und ich sah zu Leo rüber. "Bereit?" fragte ich sanft und lächelte leicht. Ich wollte ihn unterstützen, aber wer half mir und meiner Nervosität?

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Nein, ich stritt es ja gar nicht ab. Meine Eltern waren grausam und nicht in der Lage dazu richtige Eltern zu sein, aber das war okay. Ich hatte gelernt damit umzugehen. Das musste ich ja auch irgendwie. Es war nie leicht gewesen, das hatte ich nie behauptet. Deswegen war ich heute ja auch so verkorkst. Liebe war neu für mich. Schwäche war neu für mich. Das alles war schlimm gewesen, doch noch schlimmer war es meine Eltern nach Monaten wieder anzurufen und ihnen erklären zu müssen, dass ich ihnen verheimlicht hatte, dass ich seit gut einem Jahr Tumore in mir herumtrug. Meine Mutter hatte am Telefon einen auf geschockt gemacht, hatte im nächsten Moment aber schon gefragt, ob ich sterben würde und nachdem ich ihr die Chancen und Risiken bei der Op erklärt hatte, war es schon wieder uninteressant gewesen. "Ach dann ist ja gut.", hatte sie gesagt, als wäre nichts dabei. Einer von vier war ja fast nichts, was? Schwachsinn... Ich hatte sie gebeten mit das Haus zu leihen und tatsächlich sagten sie sogar zu. Wenn ich es unbedingt wollte, könnte ich es für zwei Wochen haben. Dafür müssten wir aber den Schlüssel bei ihnen abholen. Also müssten wir erst zu ihnen fliegen, dort den Schlüssel holen, eine Nacht dort bleiben und am nächsten Tag in den Norden weiter. Das würde für meinen Körper ziemlich heftig werden. Vor allem, da ich meinen Eltern das meiste noch nicht erzählt hatte. Sie wussten nichts vom Verlust meines Stipendiums, sie wussten nicht, dass sie bald zwei behinderte Kinder haben würden, da man mir meine Stimmbänder entfernen würde. Sie wussten bloß das mit dem Krebs. Ansonsten... nichts und ich war auch nicht unbedingt scharf darauf es ihnen zu erklären. Ich würde also warten und hoffen, dass sie einfach nicht fragten. "Ich werde ein Mädchen mitbringen.", hatte ich Olivia angekündigt. "Ach wieder eine deiner Bettgespielinnen?" Meine Mutter war schon früher von meinen Freunden und Affären gelangweilt gewesen. "Nein, Mutter, das hier ist ernst.", hatte ich nur gegrummelt und aufgelegt. Nun ging es auch schon los. Wir saßen im Flugzeug und ich war extrem angespannt. Die Busfahrt zum Flughafen war kräftezährend gewesen und selbst hier oben konnte ich nicht entspannen, hatte nur unruhig da gesessen. Ich konnte mich an der Gepäckausgabe kaum auf meinen stelzigen Beinen halten, musste Olivia allein am Band stehen lassen und mich hinsetzen, bis sie mit unseren Koffern kam und ich sie beschämt und entschuldigend zugleich ansah. Eigentlich sollte der Chauffeur meiner Eltern uns abholen, doch ich hatte abgelehnt, da er im Auto kommen würde. Wir nahmen also den Zug, in dem ich tatsächlich eine halbe Stunde Schlaf fand, bevor dieser schreckliche Tag erst richtig beginnen konnte. Kaum waren wir an der richtigen Haltestelle im Adelsviertel dieser dämlichen Stadt angekommen, wollte ich nur noch fliehen. Zu spät... Da waren wir. Oh wie ich es hasste wieder hier zu sein.

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Olivia Môntesano
Leo konnte es ja drehen und wenden wie er wollte, aber meiner Meinung nach waren seine Eltern einfach nur selbstsüchtige und herzlose Menschen, die keine Ahnung von Kindererziehung, menschlicher Nähe oder Familie hatten. Bestimmt hatten sie bei der Wahl der Schule auf die Leo gehen sollte auch danach geschaut, wie berühmt und renommiert die TAFE war, damit sie damit angeben konnten und es ihren Ansprüchen entsprach. Und bei Annabelle hatten sie bestimmt einen Haufen Geld hinein gesteckt, damit sie sich um ihre Tochter kümmerten, damit sie es nicht mussten, weil sie mit einer Behinderung nicht umgehen konnten. Vermutlich wäre Annabelle besser dran gewesen, hätten sie sie zur Adoption freigegeben und eine nette Familie die keine kinder bekommen könnte, hätte sie auf Händen getragen. Gott, Leos Eltern waren das Paradebeispiel für schlechte Eltern, sich wenn sie ihnen Geld gaben. Geld konnte keine Liebe, Zuneigung und Interesse ersetzen. "Sie haben dein Interesse benutzt um dich loszuwerden, weil sie keines an dir hatten. Das ist scheußlich." Er konnte meine Meinung bezüglich ihnen nicht ändern, auch wenn ich vermutlich nicht so eingenommen ihnen zum ersten mal gegenüber treten sollte. Tja dann hätte er mir nichts erzählen sollen, denn das Bild das ich jetzt hatte, war alle andere als schön. Ich verdrehte die Augen, als Leo wirklich sagte, dass sie sich über den Skandal freuen würden. Natürlich, würden sie sich über ihren Sohn noch amüsieren und es nutzen, um ein Thema zu haben, um ihren reichen freunden zu zeigen, wie schwer sie es doch hatte. Gott, das war ja so krank! Dass Leo so davon. überzeugt war, dass sie mich mögen würden, glaubte ich ja nicht. "Tz ich werde ihnen so gut wie nichts über mich erzählen, wenn sie nicht direkt nachfragen. Wenn sie sich sonst bisher nicht für dich interessiert haben, wieso sollte sie es dann für mich? Ich werde ihnen nicht noch mehr Stoff geben, um über dich zu lästern. Wenn sie nachfragen, was ich bezweifle, dann sage ich ganz typisch in einer Bar oder so." Ich würde garantiert nicht noch zu ihrer Belustigung und Unterhaltung beitragen. Am besten wir investierten weder viel Zeit noch Gedanken in seine Eltern und nutzten den Urlaub mehr für seine Erholung und seine Schwester. Seine Aussage hob einen Moment meine Laune und ich lächelte. "Neben deiner Mutter und Sara sind wir ja auch die einzigen Frauen in deinem Leben." nicht dass es mich störte, dass er keine weiblichen Freundinnen hatte. Die scherzende Stimmung verging mir jedoch schnell, als er erzählte unter welchen Bedingungen er Annabella nur besuchen konnte. Aber das verstand ich nicht. "Das ergibt doch keinen Sinn! Wenn sie sich nicht um sie kümmern wollen, kannst du das doch machen, dann hätten sie sie endgültig vom Hals, so hart das auch klingt. Oder haben sie Angst, dass ihr beide euch gegen sie verbindet? Nein du bist zwar kein Erziehungsberechtigter, aber bestimmt würde es trotzdem klappen, dass sie mit der Erlaubnis deiner Eltern bei dir wohnen darf und die Aufsicht auf dich übertragen, aber ja, das würden sie nicht erlauben." plapperte ich sinnlos und seufzte am Ende, gerade als wir vor seiner Wohnungstür ankamen. "Dann solltest du dich rechtzeitig dort anmelden und anrufen." Nicht dass er dann doch nicht zu Annabella konnte. "Während du das klärst, könnte ich mich um meinen Urlaub kümmern." meinte ich, während ich im Flur meine Schuhe von den Füßen trat.

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Leopold “Leo” Ares Westfield
Natürlich war mir das bewusst. Mir war bewusst, dass meine Eltern mich in erster Linie damals hatten loswerden wollen, als sie mir die TAFE hatten bezahlen wollen. Deswegen hatte ich ja auch abgelehnt. Ich hatte es aus eigenem Willen tun wollen und deswegen das Stipendium erlangt. Dennoch… „Sie hätten mich auch einfach zur Adoption freigeben können. Oder mich rausschmeißen können, als ich volljährig war. Ich war ja schon 18, als sie mich bei der TAFE einschleusen wollten. Sie wussten, was ich gerne machte und was ich wollte, das muss man ihnen lassen. Sie haben die richtige Zukunft für mich gewählt damals. Ich wollte es aber allein schaffen.“ Das war nun einmal so. Sie hatten gewusst, was für meine Karriere das Beste war und sie hatten mich diese Kunst studieren lassen, obwohl es eben nur… Kunst war und mein Vater mich sicher als seinen geschäftlichen Nachfolger gesehen hätte. Und auch Annabella bekam die für sie bestmögliche Betreuung und Ausbildung. Ihr Internat war bekannt dafür Kinder mit Down-Syndrom gut aufzunehmen und ihnen die besten Chancen im späteren Berufsleben zu geben. Sekundär hatten sie also auch über unser Wohl nachgedacht. Aber dennoch: es war eben zweitrangig gewesen und das war nicht richtig. Ich verstand Olivia. Ich hatte bloß keine Kraft und Ausdauer mehr meine Eltern inbrünstig dafür zu hassen. Das hatte ich anfangs getan, doch es brachte nichts und war einfach zu anstrengend auf Dauer. „Nein, aber das Haus werden sie mir ohne Erklärung nicht einfach so geben.“ Allen deswegen müssten sie es erfahren. Im Endeffekt war es ja egal. Es würde vermutlich rein gar nichts ändern, wenn sie es wüssten. „Meine Eltern sind richtig geil auf Skandale. Gerüchte und Tratsch sind immer super. Seit sie mich nicht mehr als Vorzeigekind nutzen können, bin ich ihre neuste Quelle, über die sie sich auslassen. Es wird ihnen vermutlich gerade recht kommen, dass ihr Sohn von einer sieben Jahre älteren Frau verführt wurde und krebskrank ist. Die nächsten Wochen werden sie damit genügend Stoff zum Lästern haben.“, erklärte ich ihr und seufzte dann aber. „Ich denke aber, dass sie dich mögen werden. Wir sagen ihnen einfach, dass wir uns auf der TAFE kennengelernt haben. Ist ja auch keine Lüge. Alles andere machst du von ganz allein. Wenn sie nicht einmal dich mögen, brauche ich sie auch weiterhin nicht in meinem Leben.“, sagte ich und zuckte die Schultern. So einfach war das. Ich würde sie einfach aus meinem Leben streichen, so wie bisher. „Na ja, ihr seid die beiden wichtigsten Frauen in meinem Leben. Ihr habt ziemlich viel gemeinsam…“, verteidigte ich mich und blinzelte. „Glaubst du das hätte ich nicht versucht? Das Internat ist wie ein Gefängnis. Meine Eltern haben mich sicher angekündigt oder so! Jedenfalls müssen meine Eltern dort anrufen, um Bescheid zu geben, dass Anabella Ausgang bekommt und sie dem zustimmen. Sie ist immerhin erst 9 Jahre alt und es könnte jeder einfach so dorthin und behaupten ihr Bruder zu sein. Außerdem bin ich nicht ihr Erziehungsberechtigter.“, erklärte ich Olivia. Natürlich hatte ich all das bereits versucht. Schon so oft und immer ohne Erfolg… Sonst hätte ich es gar nicht dazu kommen lassen so lang von ihr getrennt zu sein.

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Olivia Môntesano
Oh ja und wie er mir von dem Risiko hätte erzählen müssen! 25 Prozent! Dass war viel zu viel, ein viertel der Patienten starben, sollten die Ärzte nicht alle mittlerweile Spezialisten sein und sich auskennen, sie sollten keinen einzigen mehr verlieren. Ich musste dringend mit Dr. Briggs sprechen, wenn wir zurück waren, ich wollte wissen worauf ich mich einließ und womit ich rechnen musste. Dabei wollte ich nicht mal an Leos Verlust denken, nein, das durfte einfach nicht passieren. Der Tag hatte mit so guten Nachrichten begonnen und jetzt musste ich mir auch noch den Kopf über seine Eltern zerbrechen, obwohl sie den Begriff Eltern wohl gar nicht verdient hatten. Ihre kinder verstoßen, das war ja mal mehr als unmenschlich. Wenn man nicht bereit war seine kinder zu akzeptieren und bestimmte Vorstellungen hatte, dann sollte man am besten erst gar kein leben in die Welt setzten. Solche Menschen gehörten sterilisiert, damit sie nicht noch mehr Kindern das Leben zur Höllen machten. "Gute Zukunft? Sie wollten dich nur mit dem Geld los werden, damit sie sich nicht kümmern müssen, das gleiche war es bei deiner Schwester. Das ist einfach das allerletzte, da kannst du mir sagen was du willst, aber sie hätten eigentlich nicht mal eine Erklärung verdient." Es wäre mir am liebsten, wenn ich sie ersr gar nicht kennenlernen müsste, denn ich würde bestimmt etwas falsches sagen, weil ich mich bei so einer Ungerechtigkeit einfach nicht würde zurück halten können. Mal ganz davon abgesehen, dass sie mich bestimmt auch für nicht gut genug halten würden oder mich verurteilen würden, weil ich mit einem ehemaligen Schüler zusammen und ein paar Jahre älter war. Es würde der horror werden, deswegen würde ich es auch vollkommen verstehen, wenn er mich nicht auch noch da hinein ziehen wollte, ja ich würde es sogar begrüßen, denn ich wollte wirklich keinen Streit auslösen, wenn er sich doch entspannen sollte. Eine Auseinandersetzung würde ihm nicht dabei helfen sich zu erholen. Leo sah das aber wohl anders und obwohl ich mich geehrt fühlte, dass ich ihm so wichtig war, dass er mich dabei haben wollte, hatte ich da so meine bedenken. Ich drehte mich zu ihm um und sah ihn leicht schmunzelnd an. "Du meinst du brauchst mich um einzugreifen, falls es aus dem Ruder läuft. Wir wissen beide, dass es nicht leicht werden wird und sie mit mir bestimmt auch nicht zufrieden sein werden. Eine Lehrerin die einen Schüler verführt hat, was für ein Skandal." seufzte ich, ließ mich dann jedoch von seinem lächeln anstecken, als er von seiner Schwester sprach. Er hatte noch nie so über sie gesprochen und das strahlen in seinen Augen jetzt war wirklich unglaublich. So hatte ich ihn noch nie gesehen, seine schwester musste ihm wirklich alles bedeuten. Lächelnd sah ich zu ihm und musste dann sogar kichern. "Deine Freundin mit deiner Schwester zu vergleichen könnte leicht verstörend wirken, aber danke, ich fühle mich geschmeichelt. Wenn sie dir so wichtig ist, wieso besuchst du sie nicht öfter? Oder hast du mal daran gedacht sie hier her zu holen, du bist volljährig und hier gibt es auch gute Schulen. Ich stelle es mir schrecklich vor als xx-jährige (wie alt ist sie :D) alleine zu sejn." Wie gesagt, unmenschlich war das einzige Wort das mir dazu einfiel.

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Leopold „Leo“ Ares Westfield
Oh shit. Ich hätte wirklich daran denken können es ihr zu sagen. Sie war nicht von Anfang an dabei gewesen. Ich hatte mich vor ihr eine ganze Weile allein da durchgekämpft. „Tut mir leid, ich hab wohl vergessen es dir zu erzählen… Na ja, es stand von Anfang an fest, dass die letzte und finale Operation wohl ein wenig riskant werden würde. Sie entnehmen mir einen Teil des Kehlkopfes… Ein kleiner Ausrutscher und sie durchtrennen meine Luftröhre oder sowas. So gut kenne ich mich damit nicht aus. Seit die Metastasen da sind, ist das logischerweise schlimmer geworden. Durch die Chemotherapie bin ich ziemlich am Arsch. Das wird eine Riesen-Op, auch wenn vier Tumor schon durch die Bestrahlung verschwunden sind. Es sind immer noch dreizehn Fremdkörper, die sie entfernen müssen. Die Teile sind hartnäckig, ich dachte dir wäre klar, dass das nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für einen untergewichtigen Krebskranken sind.“ Gut, dass ein Risiko bestand, hatte sie sich wahrscheinlich denken können, aber vielleicht war sie sich der Ausmaße einfach nicht ganz bewusst gewesen. Deswegen schickte Dr. Briggs mich ja in eine Kur. Er wollte die bestmöglichen Voraussetzungen und Möglichkeiten schaffen. Ich brauchte Ruhe, musste zu Kräften kommen. Davor aber wollte ich meine Familie noch aufklären – na ja, hauptsächlich Annabell, aber dafür musste ich vorher mit meinen Eltern sprechen und das Ferienhaus bekommen. „Na ja, sie haben mir zumindest eine gute Zukunft ermöglichen wollen.“ Zwar um sich selbst damit zu schmücken, aber immerhin. „Auch wenn sie nie wirklich gut zu mir waren, sie sind meine Eltern. Ich werde sie nach der Wohnung fragen, sie kurz aufklären und dann den Schlüssel abholen. Wenn ich erstmal stumm bin, haben sie ein zweites behindertes Kind, um das sie sich nicht mehr kümmern müssen.“ Sie würden mich genauso verstoßen wie Annabell. Vielleicht würden sie das Drama noch theatralisch in der Nachbarschaft ausklopfen, dann aber würde es ihnen egal sein, sobald die Story jeder kannte. Vielleicht auch eine Win-Win-Situation. Ich würde sie nicht mehr sehen und sie mich nicht mehr. Ich seufzte und stand auf, um den Bus mit Olivia zusammen zu verlassen. Ich wollte jetzt nur noch ins Bett. Ich konnte mich ja kaum mehr auf den Beinen halten. Gott, wie ich diesen schwachen Körper hasste! Obwohl ich es allerdings eilig hatte ins Bett zu kommen, blieb ich stehen, als Via so herumdruckste. „Sie sind meine Eltern. Ich muss ihnen zumindest sagen, mit wem ich mein Leben teile. Außerdem kannst du mich mit denen doch nicht allein lassen!“, sagte ich und fasste mir spielerisch geschockt an die Brust, ehe ich lächelte und weiterging. „Und Annabell wirst du lieben. Sie ist… einfach perfekt. So wie du, nur in klein.“, erklärte ich ihr und lächelte vorfreudig. Ich vermisste sie wirklich und hoffte sie sehr bald tatsächlich wiederzusehen. Sicher war sie unheimlich groß geworden…

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Olivia Môntesano
So schnell waren wir also von dem Plan einer Kur zu Leos verkorkster Familie gewechselt. Was ich davon hielt? Ich hatte ihm meine bedenken mitgeteilt und es war mir ernst damit. Er sollte sich vor der Operation erholen, alles vergessen und Kraft tanken, damit sie ihm dann den kompletten Brustkorb öffnen könnten, ohne dass er auf dem Tisch verstarb. Tatsächlich sagte er mir, dass er mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent sterben könnte. "Was?! Das ist einer von 4! Das ist viel zu hoch!" zischte ich, sodass ein paar Leute im Bus sich zu uns umdrehten, also regte ich mich wieder ab und versuchte keine Szene zu machen. Er konnte also auch bei dem eingriff streben? Das war viel zu riskant, ich dachte die Kur sollte ihn stärken, damit genau das nicht passierte. In dem Fall würde ich besonders darauf achten, dass er sich erholen konnte und wieder fitter wurde, ich konnte nicht riskieren, dass er starb, oh Dr. Briggs konnte sich was von mir anhören, wenn wir zurück waren! Stattdessen wollte Leo seine Eltern besuchen und sie würde es nicht mal interessieren, so wie Leo sie immer beschrieb. Ich war mir also ziemlich sicher, dass er nach dem treffen mit ihnen nur noch nieder geschlagener sein würde als jetzt und ich würde vermutlich Dinge sagen oder tun, die mich bei ihnen auch nicht beliebt machen würden. Seine Eltern waren mir also überhaupt an sich nicht wichtig, solche Leute verdienten weder meine noch Leos Aufmerksamkeit, solche Eltern gehörten bestraft, die ihre kinder fort schickten. Es kam ja noch schlimmer, als er mir erzählte, dass seine Schwester auf einem Internet war, weil seine Eltern nicht mit der Behinderung ihrer tochter klar kamen und es ihnen peinlich war. Das war absolut das letzte! Ich war wirklich einen Moment sprachlos und musste ihn wie ein Auto anstarren, aber sowas schockierte mich wirklich. Hätte er nicht bis zu Hause warten können, musste er mir solche Sachen in einem öffentlichen Verkehrsmittel erzählen, sodass ich mich echt zusammenreißen musste nicht die schlimmsten Sachen über seine Eltern loszuwerden. Ich biss mir also von innen auf die Wange, um meinen Mund zu halten und konzentrierte mich eher darauf, dass er seine Schwester sehen wollte. Das war eine gute Idee, denn im grunde hatte die beiden ja nur sich. "Okay, ich werd jetzt hier im Bus nicht alle Gedanken los werden die mir zu deinen Eltern einfallen, aber die beiden sind das letzte. Also zu deiner Schwester, ja du solltest sie besuchen, das hättest du schon längst machen sollen. Ich kann mir nicht vorstellen wie es ist so komplett allein zu sein, das ist ja echt schrecklich. Sie zu besuchen wird dir bestimmt gut tun." stimmte ich zu und drückte zustimmend seine Hand. Das würde ihm helfen und danach konnte er gestärkt in die op gehen, sonst würde er sich immer Vorwürfe machen, dass er nicht noch einmal mit seiner Schwester und auch seiner Familie geredet hatte. Dass er sich danach komplett ausruhen würde, zweifelte ich etwas an, bestimmt wäre er erst mal noch viel gekränkter als davor, aber ich würde ihn schon noch zur Entspannung zwingen. "Du kannst dir sicher sein, dass ich dich dazu zwingen werde dich zu entspannen." warnte ich ihn ernst gemeint, lächelte dann aber. Als wir aus dem bus ausstiegen, machte ich mir aber wegen etwas anderem noch Gedanken. Ich biss mir etwas unentschlossen auf die Unterlippe und sah auf den Gehweg, statt zu Leo, er musste nicht sehen wie wichtig das für mich war. "Also ich bekomme bestimmt Urlaub und komme mit, aber zu deinen Eltern oder deiner Schwester musst du mich nicht mitnehmen, also...da muss ich mich nicht einmischen. Ich meine, wenn du...also wenn du nicht willst dass ich sie kennenlerne, dann ist das völlig okay für mich." Die Familie des freundes kennenzulernen, auch wenn sie kein gutes Verhältnis hatten, war immer ein großer Schritt in einer Beziehung und wir waren erst etwas mehr als zwei Monate zusammen.

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Leopold “Leo” Ares Westfield
Ich hielt es für eine gute Idee. Das Haus im Norden Australiens, das wir damals einfach so gekauft hatten, war in den Bergen gelegen. Es war ruhig dort, überall war Natur und die Luft war klar und rein. Ich glaubte, dass mir das ziemlich gut tun würde. Vor allem, da das Internat meiner kleinen Schwester nicht allzu weit von dort entfernt lag. Wann würde ich also nochmal dazu kommen? Das war meine letzte Chance meiner Schwester alles zu erklären, nochmal mit ihr zu sprechen, bevor ich es nie wieder tun könnte. Ich sollte ihr Bescheid sagen, dass ihr großer Bruder demnächst nicht mehr mit ihr sprechen könnte. Meine Eltern waren mir dabei ziemlich egal. Sie würde es vermutlich gar nicht interessieren. Dann würden vielleicht auch die nervigen Kontrollanrufe meiner Mutter aufhören. Sie wollte ja doch nur wissen, ob ich mich benahm und unserem Namen alle Ehre machte. Olivia hatte also schon recht, wenn sie mir ihre Bedenken aussprach, was meine Eltern anging. „Ihre Reaktion? Vermutlich wird es ihnen egal sein, es ist ihnen noch nicht dramatisch genug, wenn sie erfahren, dass ich nur zu 25% bei der Operation draufgehe.“ Ups… hatte ich Olivia gesagt, dass Dr. Briggs mir letzte Woche bei der Chemo während ihrer Unterrichtszeit gesagt hatte, wie hoch das Risiko war 13 Tumore aus dem Brustkorb eines chemogeschwächten Patienten zu schneiden? Na ja, einer von vier Leuten ging dabei drauf. Vielleicht wollte ich meine Schwester auch deswegen nochmal sehen. Nur für den Fall, dass ich nicht mehr zurückkehren würde. „Sie haben Annabell damals in ein Internat gesteckt, als sie gerade im Einschulungsalter war. Also eigentlich habe ich sie nur zu Weihnachten gesehen. Das ist jetzt knapp drei Jahre her. Meine Eltern wollen nicht, dass wir beide uns sehen. Ich weiß nur ungefähr wo das Internat liegen soll. Du musst wissen… meine kleine Schwester hat das Down-Syndrom. Sie ist der glücklichste, friedvollste Mensch, den ich kenne, doch meine Eltern halten sie für einen Schandfleck und deswegen haben sie sie so früh weggegeben und auf ein Internat geschickt. Ich würde gerne noch einmal mit ihr sprechen und ihr alles erklären, bevor ich das nur noch über Papier tun kann.“, erklärte ich Olivia und runzelte leicht die Stirn. Ob sie das nachvollziehen konnte? Na ja, sie würde meinen Wunsch verstehen, aber sie hatte vermutlich keine kleine Schwester, die sie über alles liebte, aber nie hatte sehen dürfen. So verkorkst war wohl nur meine Familie. „Wenn ich das Gespräch mit meinen Eltern hinter mir habe, werde ich mich erholen können. Nach ihnen und dem Besuch bei meiner Schwester, werde ich mich ausruhen und nur im Gras liegen und nichts tun, versprochen!“ Es war mir wichtig! Aber das konnte sie vermutlich auch an meinem Blick erkennen. Olivia kannte mich eben einfach zu gut.

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Olivia Môntesano
Ich war jedes mal erleichtert, wenn Dr. Briggs nicht mit einer grimmigen Miene herein kam und uns berichtete, dass sich Leos zustand schon mal nicht verschlechtert hatte und wenn er dann noch sagte, dass die Metastasen sogar weiter schrumpften, war ich umso glücklicher. Tatsächlich waren sie jetzt wohl auf der richtigen Größe, dass sie bald aus ihm raus geholt werden könnten. Das waren ja großartige Nachrichten! Jedoch sagte der Doktor schon etwas, was mir auch durch den Kopf gegangen war. Leo war jetzt schon so schwach, konnte sich kaum von der Couch zum Bett schleppen, wie sollte er dann eine so große Operation schaffen, die seinen ganzen Oberkörper betraf? Aber ich hier war ja nicht der Arzt, sodass ich mir den Vorschlag anhörte und das war eine wirklich gute Idee. Leo könnte Urlaub wirklich verdammt gut gebrauchen und während Dr. Briggs schon von einer Klinik sprach, wusste ich dass Leo sich dagegen währen würde. Eine Klinik? Das war doch kein Urlaub! Ständig von fremden Menschen umgeben und von Schwestern beobachtet zu werden, dass hatte er hier im Krankenhaus auch schon mehrmals die Woche, dann konnte er genauso gut hier bleiben. Umso besser gefiel mir, und Leo auch, da war ich sicher, der Vorschlag dass er Urlaub in der Natur machen sollte, vernab von all dem stress hier und seinem Körper Erholung bieten. Ich war dabei wohl die Begleitung, die ein Auge auf ihn werfen sollte, die es ihm so leicht wie nur möglich machen sollte. Das war eine der besten Ideen die ich seit langem gehört hatte! Leo litt so sehr, die Bestrahlung und Chemo machten ihn total fertig, er brauchte wirklich eine Pause. Allerdings durfte diese nicht lang sein, denn ohne Behandlung würden die Metastasen wieder munter weiter wachsen, diese kleinen Dreckskerle. Also machte Leo auch bei Sara einen Termin für in drei Wochen aus, dann wären wir bestimmt wieder zurück und er konnte sich immer noch anders entscheiden, wenn er oder Dr. Briggs die Operation wann anders besser fanden. Natürlich würde ich ihm helfen wo ich konnte, er musste mich nicht mal fragen ob ich mit wollte, für mich war es selbstverständlich. Ich fragte also erst mal nicht nach seinem genauen Plänen, aber ich wäre mit so ziemlich allem einverstanden was ihn entspannte, natürlich musste ich erst mal sehen ob ich Urlaub bekommen könnte, aber die Prüfungen waren eh vorbei und das Schuljahr vorüber, jetzt würden bald wieder die Auswahlverfahren für das nächste Jahr beginnen, aber da konnten sie auch ein paar Tage auf mich verzichten, es gab genügend andere qualifizierte Lehrer die Talent beurteilen konnten. Im Bus klärte mich dann Leo über seine Pläne auf und ich hörte ihm neugierig zu. Seine Familie hatte also eine Wohnung in den bergen, das war doch wirklich praktisch, allerdings sah ich da schon ein kleines Problem. Er sprach von seiner Familie und seiner Schwester, zu denen er keinen Kontakt mehr hatte, die nicht wussten dass er Krebs hatte, es man ihm jetzt aber eindeutig ansah. Seine Schwester würde sich wundern, ihren Bruder vielleicht kaum wieder erkennen und auch wenn seine Eltern ihn fast aus ihrem Leben gestrichen hatten, konnte sie doch nicht den zustand ihres sohnes so komplett ignorieren. Ich wusste ja aus dem letzten ausgiebigen Gespräch, dass das Verhältnis zu ihnen sehr schwierig war und ich an Leos stelle, würde auch weiterhin den Kontakt meiden, wenn sie so eine Einstellung hatten, aber wenn er an die Wohnung wollte, führte wohl wirklich kein Weg daran vorbei. Er hatte also die qual der Wahl; entweder einem anderen Ort suchen, um die Kur durchzuführen oder sich seinen Eltern stellen. Er könnte seine Schwester endlich mal wieder sehen und sah man ein paar Monate voraus, wäre das vielleicht auch die letzte Möglichkeit mit ihr zu sprechen. Während ich nachdachte sah ich Leo sanft an und verflocht unsere Finger dann auf meinem Oberschenkel. Auch dort hatte er an Gewicht verloren... "Also die Wohnung hört sich wirklich gut an, aber du musst abwägen ob du ihnen gegenüber treten willst, ob du es für richtig hälst und ihre Reaktion verkraften würdest. Wir könnten auch woanders etwas finden und deine schwester kannst du auch so besuchen oder? Ich will dich nicht davon abhalten vielleicht das letzte mal mit deinen Eltern gesprochen zu haben, aber was du mir von ihnen erzählt hast, klang es nicht so, als würden sie damit umgehen könnten, dass du jetzt Krebs hast. Ich meine ja nur, dass du nicht noch mehr Rückschläge brauchst, du sollst dich ja erholen. " Ich persönlich könnte ja darauf verzichten Leos Eltern kennenzulernen, sie würden sich ja sowieso nicht für mich interessieren, wenn sie es nicht mal für ihren Sohn taten.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Schelimhautschäden an meiner Speiseröhre durch die Bestrahlung und die Übelkeit und Appetitlosigkeit durch die Chemotherapie, machten es mir in den nächsten Wochen nicht gerade leicht. Durch die Bestrahlung war mein gesamter Hals wund und so schmeckte mir das Essen, das ich herunterwürgte weder, noch war es sonderlich angenehm. In den wenigen Wochen, die vergingen, verlor ich einiges an Gewicht. Vorher hatte ich bei einer Körpergrößte von ca. 1,90m um die 85 Kilo gewogen. Normal, wenn man gut durchtrainiert war und und dennoch schlank. Mittlerweile hatte ich beinahe 20 Kilogramm abgenommen. Ich wog nur noch 67 Kilo und das war schon wirklich verdammt wenig. In den letzten Wochen hatte ich mich selbst kaum mehr im Spiegel ansehen können. Durch meine fahle, bleiche Haut konnte ich meine Rippen förmlich zählen. Es war unfassbar. Ich fühlte mich absolut nicht mehr wohl und mit meinem schwindenden Selbstbewusstsein, verlor ich auch an Lust. Ich wusste worauf das alles hier hinaus lief, worauf ich hinarbeitete und ich wusste, dass ich das alles nicht wollte. Wie sollte es mir also gehen? Ich passte in keine meiner Hosen mehr und versteckte mich unter Lagen von Klamotten, da ich zudem auch immer fror in letzter Zeit. Schal und Mütze waren mittlerweile selbst in der Wohnung Pflicht, da ich verdammt nochmal fror! Es war einfach nur scheiße und abgesehen von Olivia, die wirklich immer wieder die Kraft fand das alles hier irgendwie positiv zu rücken, hatte ich keinen wirklichen Lichtblick mehr. Bei all den Nebenwirkungen, sah ich kaum noch die Erfolge. Ja, der Krebs schrumpfte und ging zurück, ein paar kleine Metastasen waren sogar verschwunden, aber zu welchem Preis? Und für wie lange? Würde es reichen? Immer wieder musste ich mich mühsam aufrichten und zum Krankenhaus gehen, fand kaum mehr die Kraft länger als eine Stunde zu stehen oder zu laufen und war einfach nur noch... ein Häufchen Elend. Mittlerweile hatte ich auch meinen Stolz verloren. Ich schämte mich immer noch, aber ändern konnte ich es nicht. Mein Wille spielte schon lange keine Rolle mehr, weshalb ich auch zuließ, dass Olivia zur letzten Besprechung mitkam, obwohl ich sie früher wohl davon fern gehalten hätte. Und da saßen wir nun. Ich bereits wieder völlig entkräftet durch die Busfahrt und das Stehen im vollen Warteraum und Olivia neben mir, meine knöchrigen, dünnen Finger haltend. Gedankenverloren drehte ich unsere Hände leicht, strich mit dem Daumen über ihren Handrücken und seufzte leise, schloss die Augen. "Ich will auf keinen Fall in eine Klinik. Diese ganzen Krankenhausbesuche hängen mir schon zum Hals raus. Wenn ich Ruhe finden soll, dann ohne Überwachung von Schwestern.", stellte ich klar und hob langsam den Blick, sah Dr Briggs nicken. Sowas hatte er sich vermutlich bereits gedacht. Er legte den Kopf leicht schief und schaute zu Olivia rüber. "Dann würde ich vorschlagen machen Sie Urlaub in den Bergen. Sie sollten dort nicht unbedingt Wandern gehen, das macht Ihr Körper glaube ich nicht mit, aber die Luft wird Ihnen sicher gut tun. Buchen Sie eine Unterkunft und wir setzen den Termin an, wenn Sie bereit dazu sind, okay?" Wenn ich bereit dazu war... Pah! Krebsfrei oder für immer stumm zu sein? Das war doch scheiße. Ich fuhr mir mit der Hand über mein Gesicht und rückte die Mütze etwas gerade, die in den letzten Wochen zu meinem Haarersatz geworden war. "Danke, Doc. Ich werde Sarah vorn Bescheid geben.", murmelte ich und richtete mich langsam auf, reichte ihm nochmal die Hand und ging dann mit Olivia zusammen zu Sarah, klärte sie auf und machte mit ihr schon mal einen Termin, den ich aber verschieben könnte, würde ich merken, dass ich noch mehr Zeit brauchte. Dann erst konnte ich dieses verhasste Gebäude endlich wieder verlassen und wir fanden im Bus zum Glück einen Sitzplatz, auf den ich mich entkräftet fallen ließ. Ein paar Minuten nahm ich mir, um durchzuschnaufen, dann klärte ich Liv über meinen Plan auf. "Meine Eltern haben eine Ferienwohnung in den Bergen, oben in den Victorian Alps. Ich werde sie anrufen und bitten mir die Schlüssel zu geben. Dann könnte ich vielleicht auch nochmal Annabell besuchen, wenn wir schon einmal da sind." Ich hatte sie ewig nicht mehr gesehen und auch wenn ich nicht wollte, dass sie mich in meinem Zustand sehen musste... vermisste ich sie und wollte noch einmal mit ihr sprechen, bevor ich es danach nie wieder könnte. "Allerdings muss ich meine Eltern dann wohl mal langsam aufklären.", stellte ich leise fest. Was sollte ich ihnen auch sagen, wenn wir uns irgendwann sahen und ich stumm war? So oder so würden sie eine Erklärung verlangen.

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Olivia Môntesano
Die nächsten Wochen fiel es mir leichter Leo zu verstehen und ihm Raum und Zeit zu lassen, wenn er diese brauchte, nachdem er mir sein Herz so ausgeschüttet hatte. Natürlich wurde es dadurch nicht leicht, oh nein, ganz im Gegenteil. Leos geistiger und auch körperlicher zustand nahmen rapide ab und beides brachte mich fast um vor sorge. Die Bestrahlung und Chemo wurden nicht intensiviert, aber das mussten sie sich nicht, um seinem Körper schlecht zuzusetzen. Durch die starke Chemo hatte Leo fast dauerhaft keinen Appetit, er verlor also weiterhin an Gewicht und Muskeln, wurde schlanker und damit schwächer. Natürlich sagte ich ihm das nicht ins gesicht, er wusste es auch so selbst. Ich litt mit ihm und hatte das Gefühl meinen geliebten Leo immer weiter zu verlieren, da er sich immer weiter von mir entfernte. Ich ging nach wie vor mit ihm zu jeder Therapie, wenn ich nicht arbeiten musste und half ihm mental wo ich konnte, aber selbst ich konnte seine Lebenslust nicht zurück bringen. Ja die Therapie schlug zwar an, die Metastasen in seiner Brust schrumpften und konnte bald operativ entfernt werden, der tumor in seinem Kehlkopf ging auch zurück, aber er würde nicht komplett verschwinden, das war von vornherein klar gewesen. Leo wusste, dass er seine Stimme verlieren würde, aber er würde leben. Ja es war ein anderes Leben als er wollte, aber es war besser als der Tod. Das hob seine Laune nicht an, dafür ging es ihm aktuell zu schlecht. Er aß seit drei Tagen nichts außer Salzstsngen und trank Tee, ja es war echt ätzend alleine zu kochen und alleine zu essen, es machte keinen Spaß und führte uns beiden nur noch vor Augen, dass Leos Körper nichts vertrug. Die Wohnung oder besser gesagt die Couch, verließ er nur um sich ins Krankenhaus zu schleppen. Jedes mal wenn ich sah wie er sich schon wieder abkämpfte, wollte ich ihn mit dem Auto fahren, damit er nicht zur Bushaltestelle laufen musste, aber er ließ es nach wie vor nicht zu. Ich wollte nicht lügen, aber unsere Beziehung litt darunter, es war hart. Aber ich rief mir immer wieder Leos Worte in Erinnerung und glaubte daran, dass es wieder besser werden würde, das musste es einfach. Heute stand wieder eine allgemeine Untersuchung an und ich begleitete Leo natürlich. Dr. Briggs hatte nichts neues zu berichten oder auszusetzen, aber er hatte eine gute Nachricht. Während ich Leos Hand hielt und wir vor dem Schreibtisch saßen, nahm der Doktor dahinter Platz. "Also es sieht gut aus, Mr. Westfield. Die Metastasen sind jetzt in dem Stadium, dass wir sie ohne großes Risiko operativ entfernen können. Allerdings sind ihre Thrombozyten und Fibrin Werte aktuell zu gering, dass wir operieren könnten ohne Blutungen zu riskieren. Aber das ist kein großes Problem, wir können das medikamentös ausgleichen und ihrem Körper etwas Ruhe bieten. Eine Auszeit von hier würde ihrem Körper gut tun, eine Kur würde ich ihnen empfehlen. Ich kann ihnen eine Klinik zeigen, die sie bei ihrer Erholung beobachtet oder aber sie entscheiden sich dazu mit ihrer Freundin etwas wegzufahren und die Medikamente selbst einzunehmen."

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Es fiel mir wirklich nicht leicht einfach so hinzunehmen, dass ich ganz plötzlich so akzeptiert wurde wie ich war. Bisher hatte ich mich nie jemanden geöffnet. Ich war immer nur der Schönling gewesen und damit war ich sicher dran gewesen. Ich hatte gewusst wo ich stand und ich hatte mir sicher sein können. Jetzt war ich aber unsicher, denn ich verlor in nächster Zeit alles, was mich bisher ausgemacht hatte. Na ja, zumindest, was man von mir kannte und bisher das einzige, was man an mir geschätzt hatte. Es war schwer das zu verlieren. Ich wusste, dass sie mehr in mir sah. Ich wusste, dass sie sich nicht in mein Äußeres verliebt hatte, aber es war schwer das auch zu verinnerlichen. Sie sagte es mir immer wieder, aber wirklich verstehen würde ich es so bald vermutlich nicht. "Ich weiß. Mein Verstand versteht das, aber... es ist nicht leicht das wirklich zu verstehen. Ich... Gott, ich komme mir so dumm vor.", murmelte ich und fuhr mir über das Gesicht, legte den Arm um meine Knie und schüttelte nur den Kopf. Das hier war mir so unglaublich unangenehm. "Ich glaube nicht, dass du bei dem Anblick später Heißhunger bekommst." Ich würde schlimmer aussehen als eine Rosine. Ganz sicher würde ich keinen Hunger bei ihr auslösen, wenn es soweit war. "Bei dir klingt das alles so leicht, wenn du es sagst." Tatsächlich fürchtete ich mich bereits jetzt vor den Konsequenzen der Chemotherapie und den Umständen, unter denen wir versuchen mussten unsere Beziehung weiter aufrecht zu erhalten. Es würde schwer werden. Verdammt schwer. (Sorry, aus der Schule geschrieben o.o)

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Olivia Môntesano
Ich hatte nicht ahnen können, dass unser Streit der eigentlich mit seiner Mütze zu tun hatte und von krebs ausgelost wurde, zu einem allgemeinen Gespräch über seine Probleme zu lieben und vertrauen führen würde. Aber darum ging es ja, er musste mir vertrauen, wenn er nicht alleine hier durch wollte. Ich hatte doch nie auch nur ein Zeichen dafür gezeigt, dass ich ihn verlassen würde, ich wusste nicht wieso er mir dann nicht vertraute, ich war doch nicht wie andere Menschen. Nein ich hatte um ihn gekämpft, hatte ihn genervt und nicht in Ruhe gelassen, auch als er mich zum Schutz von sich schieben wollte. Aber ich verstand ihn auch. Okay, verstehen war vielleicht das falsche Wort, aber ich konnte es nachvollziehen. Wenn er nie Leute gehabt hatte, die ihn wegen seiner Persönlichkeit gemocht hatte, dann musste er denken, dass jeder ihn nur wegen seines Aussehens oder Geldes mochte. Das war wirklich verdammt traurig. Ich zog jetzt ebenfalls meine Beine an meinen Körper und schlang meine Arme darum, während ich ihn ansah und wieder einen Kloß im Hals spürte. Nein, ich würde jetzt nicht heulen, weil er mir so leidtat und das hier so verdammt emotional war. Ich schluckte also und räusperte mich. "Tut mir leid, dass ich dich so gedrängt habe, ich wusste nicht wie schwer dir das wirklich alles fällt. Ich kann dir nur immer wieder sagen, dass ich nicht bin wie andere, dass ich dich wegen mehr als nur deinem Körper liebe, der ist eine schöne Verpackung, für eine noch schönere Persönlichkeit." bestätigte ich ihm wieder und lächelte ihn leicht an. Es würde eine Weile dauern bis auch sein Herz das verstehen würde, bis er nicht mehr daran zweifeln und mir vertrauen würde. "Ich mag Rosinen." sagte ich dann mit einem breiteren lächeln und griff nach meiner Kaffeetasse um Milch und zucker hinzuzufügen. "Das wird schon Leo, wir gewöhnen uns dran, es wird mit der Zeit leichter und der Krebs wird dabei nicht gewinnen." Langsam nahm ich mir einen Pfannkuchen und machte etwas Gellee drauf. jetzt da ich wusste woran ich war und dass er nicht sauer war, meldete sich mein Magen langsam und verlangte nach essen. Davon hatte Leo ja auch mehr als genügend gemacht.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Das war wirklich schwer für mich gewesen. Noch nie hatte ich mich jemand anderen so sehr geöffnet. Noch nie hatte ich mit jemandem über meine Kindheit gesprochen. Das war wirklich hart gewesen. Es waren nur Worte, aber es könnte einiges zwischen uns verändern. Mich ihr offen zu legen hatte wirklich viel Überwindung und Mut gekostet. Bisher war ich mit all dem allein gewesen und hatte daran auch nichts ändern wollen. Auch jetzt wollte ich nicht, dass es irgendjemand erfuhr, aber noch lieber wollte ich, dass Olivia mich verstand und mein Verhalten nachvollziehen konnte. Ich wollte, dass sie mir all das hier verzeihen konnte. Ja, ich hatte mich dumm verhalten und ich war mir ziemlich sicher, dass es nicht das letzte mal sein würde. Deswegen war es wichtig, dass Olivia das alles wusste, um es in gewissen Momenten einfach gut sein zu lassen oder sie mich einfach verstehen konnte. Unsicher kaute ich von innen auf meiner Wange und hielt weiterhin die heiße Tasse fest, die meine Handflächen schon leicht wund werden ließ. Ich wagte es jedoch nicht mich zu bewegen, ehe Olivia nicht etwas dazu gesagt hatte. Ich hatte mich ihr beinahe komplett offenbart, ich hatte ein wenig Angst vor ihrer Reaktion. Sie hatte keine Ahnung gehabt? Nein, wie denn auch? Ich hatte sie nie nah genug an mich herangelassen oder ihr gar davon erzählt. Ich schluckte hart. "Ich verstehe das Prinzip einer Beziehung. Ich weiß, dass ich dir vertrauen soll und natürlich weiß ich auch, dass du nicht gehst, aber mein Herz hat das noch nicht so ganz inne. Mein Kopf versteht wie ich mich verhalten sollte, aber ich weiß nicht. Es ist nicht leicht über seinen Schatten zu springen und zu all dem neuen Scheiß kommt auch noch Krebs dazu. Das alles ist einfach zu viel auf einmal, aber ich kann nichts davon reduzieren. Ich möchte nur, dass du verstehst wie schwer das hier wirklich für mich ist. Schwäche, Liebe, Vertrauen, eine Krankheit, die mich vielleicht umbringt. Nicht einmal einzeln wäre das alles leicht für mich." Ich fuhr mir über das Gesicht und stellte die Tasse Kamillentee ab. Ich wusste nicht, was ich noch weiter sagen sollte. "Dass mein Äußeres sich dabei so sehr zum schlechten verändert, ist auch nicht leicht. Wie gesagt, bisher waren die Leute um mich herum nur in meiner Nähe, weil sie gut neben mir aussahen. Ich schätze mein Herz hat noch nicht ganz begriffen, dass du bei mir bleiben wirst, auch wenn ich aussehe wie eine bleiche Rosine."

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Olivia Môntesano
Gestern war unser erster richtiger Streit gewesen und jetzt ging es darum wie wir daraus hervor gingen. Würde zwischen uns eine Kluft entstehen oder würden gestärkt werden und enger zusammen wachsen? Natürlich wollte ich mich nicht von ihm trennen, das war das letzte was ich wollte, aber ich wusste nicht, wie RS weiter gehen sollte, wenn er sich vor mir versteckte. Ob ich mich für mein verhalten gestern entschuldigen sollte? Dass ich seine grenzen überschritten hatte? Vermutlich sollte ich das wirklich, aber würde er mir nicht misstrauen oder Geheimnisse vor mir hatte, wäre es erst gar nicht dazu gekommen. Und jetzt saßen wir hier, beide auf glühenden Kohlen und keiner von uns traute sich etwas als erstes zu sagen. Stattdessen redete ich also übers essen und darüber, dass er das alles für mich gemacht haben musste, denn er konnte es nicht essen. Langsam griff ich also nach einem Pfannkuchen, als er anfing zu sprechen. Keine Ahnung was ich erwartete, eine Entschuldigung oder Erklärung, aber mit der Geschichte seiner Kindheit hatte ich nicht gerechnet. Während er mir also von seinen komischen und herzlosen Eltern erzählte, konnte ich ihm ruhig ins Gesicht sehen, denn er sah in seine Tasse. Dass er keine schwäche zeigen konnte, wusste ich schon lange. Das war bisher immer unser größtes Problem gewesen, dass er glaubte vor mir keine schwachen momente haben zu können. Ich hatte ihm schon mehrmals gesagt, dass ich damit kein Problem hatte, dass das eben der Krebs in ihm war, er selbst war aber eine der stärksten Persönlichkeiten die ich kannte. Wie oft hatte ich ihm das schon gesagt....ich war es fast schon leid ihn immer wieder davon überzeugen zu müssen. Ich hatte keine Ahnung gehabt, wie sehr seine Eltern ihn verkorkst hatten, dass er keine normale Bindung zu ihnen hatte und anscheinend keine menschlichen Bindungen hatte. Überrascht zog ich die Augenbrauen hoch, als er mir sagte, dass er noch keine Beziehung vor mir gehabt hatte. Das hatte ich nicht gewusst! Natürlich konnte es sein, dass Männer oft Typen für One Night Stands waren, aber ich hatte mir nicht vorstellen können, dass an jemand gutem und liebenswertem wie Leo noch keine Frau länger Interesse gehabt hatte. Aber wie er mir dann sagte, kam es wohl von seiner Seite und er ließ die Menschen nicht an sich heran, weil er nicht wieder verlassen werden wollte. Das war natürlich auch eine Möglichkeit, eine verdammt einsame und traurige. Letztendlich lief es wieder darauf hinaus, dass er Angst hatte, dass ich mich in die Reihe der Menschen einreihte, die ihn bisher im Stich gelassen hatten und er wollte nicht mehr allein sein. Wow...das war so viel Ehrlichkeit auf einmal gewesen... Ich musste erst mal schlucken und hatte den appetit für einen Moment verloren, während ich ihn leicht überfordert, aber auch mitleidig ansah. Ich lehnte mich wieder vom Tisch zurück und fuhr mir übers Gesicht. "Wow Leo, ich hatte ja keine Ahnung." seufzte ich und stützte dann meine Ellenbogen auf den Tisch, um mein Kinn auf meinen verschränkten Finger zu stützen. Was sollte ich denn jetzt sagen? Meine Wut von gestern war natürlich verpufft und ich war nur immer noch erschöpft. Ich sah wieder zu ihm auf und betrachtete ihn eine Weile. "Okay, ich kann dich jetzt besser verstehen, ja es ist einfacher zu verhindern, dass man verlassen wird, wenn man erst gar nicht jemanden an sich ran lässt, aber hab ich dir jemand auch nur ein Anzeichen dafür gegeben, dass ich dich verlasse? Ich hab dir Millionen male gesagt, dass ich damit klar komme und wir hatten doch ausgemacht, dass du ehrlich bist. Ich hab dir versprochen für dich da zu sein, aber ich kann das nicht, wenn du mir nicht vertraust. Willst du dich komplett vor mir verstecken? Denn wenn ja, dann weiß ich nicht wie das funktionieren soll. Ja es tut mir leid, dass ich deine Grenze überschritten habe, aber du musstest ins kalte Wasser geschubst werden, sonst hättest du es mir vermutlich nicht so schnell freiwillig gezeigt oder?" Ja das klang vielleicht hart, aber so war es doch. "Ich werde versuchen nicht jedes mal auszuflippen, aber ich werd dich nerven, wenn es sein muss, damit du merkst, dass man in Beziehungen ehrlich sein kann, damit du merkst, dass Liebe alles über winden kann." sagte ich nun sanfter und hätte gern nach seiner Hand gegriffen, aber mein Arm war zu kurz, um über den Tisch zu ihm zu reichen.

Im Hafen sind Schiffe am sichersten, aber dafür sind Schiffe nicht gebaut.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Scheiße, ich war nicht bereit für sowas. Streit, Versöhnung, Liebe... das alles hatte ich nie gelernt, weil ich nie - oder zumindest selten genug - damit konfrontiert worden war. Ich hatte doch keine Ahnung, was ich in so einem Moment tun sollte. Was sollte ich ihr sagen? Es ihr erklären? Schweigen? Es ignorieren? Das alles erschien mir nicht die richtige Entscheidung zu sein. Sich aber einfach zu entschuldigen reichte wohl nicht aus, oder? Wofür entschuldigte ich mich denn auch? Dafür der Liebe und dem Vertrauen nicht über den Weg zu trauen? Ich erwartete hinter jeder Ecke ein wenig Pech und Unglück für mich lauern. So war es für mich bisher immer gelaufen. Aber würde Olivia das verstehen? Angespannt zog ich die Beine an meine Brust und umklammerte die heiße Tasse mit meinen Fingern. Ich konnte kaum ruhig sitzen. Ständig kaute ich auf meiner Lippe, schwenkte die Tasse oder krümmte und lockerte die Zehen immer wieder. Ich wusste nicht, ob ich hierfür bereit war. Ob sie sich durch die Mütze provoziert fühlen würde? Keine Zeit darüber nachzudenken. Da stand sie schon. Wann war sie aufgestanden?! Nun doch von Panik erfasst, beobachtete ich sie dabei wie sie sich hinsetzte. Kein Guten Morgen, kein Kuss. Okay, sie wollte es also auch nicht einfach ignorieren. Gut... und wie machten wir nun weiter? Sie sprach mich auf das Frühstück und meinen Magen an, sodass ich den Tisch ansah, als wüsste ich nicht, dass ich Unmengen und Varietäten von Essen zubereitet hatte. Ich schluckte. "Du musst aber essen." Sie musste ja schließlich frühstücken, oder? Auch, wenn ich mir Kamillentee und einem Glas Salzstangen daneben saß. Ich wollte... es nur irgendwie wieder gut machen. Aus dem Augenwinkel beobachtete ich sie dabei wie sie sich Kaffee einschüttete. Sie schien genauso wenig oder zumindest schlecht geschlafen haben wie ich. Sie wirkte ja beinahe so blass und unausgeruht wie ich! Oh Shit, was sollte ich nur zu ihr sagen. "Weißt du, mein Dad hat mir nur eine Sache beigebracht." Oh Gott, plapperte ich jetzt einfach drauf los? Beschämt senkte ich den Blick in meine Tasse. "Schwäche ist schlecht. Es ist den Menschen in deiner Umgebung unangenehm - ob sie dich nun kennen oder nicht - und man selbst fühlt sich dabei auch scheiße. Aus dem Grund habe ich es ihm immer geglaubt. Wer ist schon gern ein Schwächling? Na ja, ich... ich war ein kleines Kind. Ab und zu heulen die eben mal, aber mein Vater hat auch das nicht geduldet. Wenn er es durch Worte nicht unterbinden konnte, hat er eben zu anderen Mitteln gegriffen. Ich will nicht sagen, dass er schuld ist, aber ich bin immer noch der Meinung, dass er recht hatte. Schwäche tut nur allen unnötig weh. Solange ich es verhindern kann, tue ich es eben... Es fällt mir auch nicht leicht Vertrauen zu fassen. Meine Eltern haben zuerst meine kleine Schwester und dann mich weggeschickt. Am Anfang waren wir ganz liebreizend, aber jetzt haben wir für sie keinen Nutzen mehr, also schicken sie uns auf Internate und Schulen an anderen Ende des Landes. Die Menschen, die mir an nächsten stehen sollten, haben mich ohne Probleme einfach fallen gelassen. Danach habe ich mir Freunde gesucht, die nur auf mein Geld und meinen Erfolg bei Frauen achteten, bin mit Frauen ausgegangen, die nur Sex wollten... Das hier ist..." Shit, was das schwer. Mir war ganz heiß! "Das hier ist meine erste Beziehung und ich weiß ich bin echt miserabel darin, aber ich versuche es, okay? Dich mit zu den Chemos zu nehmen, war eine Überwindung für mich, aber der Krebs schreitet einfach schneller voran als meine Entwicklung in Sachen menschliche und emotionale Nähe. Ich weiß, ich brauche von dir nicht fürchten, dass du einfach abhaust, aber... bisher haben mich so einige in meinem Leben verlassen und ich hab echt wahnsinnige Angst davor, dass du es Ihnen gleich tust, weil ich... weil ich nicht glaube, dass ich das alleine noch länger packen kann." Wow, noch nie hatte ich jemanden so sehr mein Herz ausgeschüttet. Das fühlte sich einerseits gut an, andererseits fühlte ich mich plötzlich ziemlich nackt und verwundbar. Das gefiel mir gar nicht...

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Olivia Môntesano
Ich hatte mich schon lange nicht mehr in den Schlaf geweint, ja seid der Trennung von Finn nicht mehr, aber ich hatte das Gefühl, dass es jetzt viel mehr wehtat. Ich fühlte mich so zurück gestoßen und nicht verstanden, ich fühlte mich schrecklich. So alleine, obwohl er ein zimmer neben an war. Ich machte mjr wirklich sorgen wie es noch weiter gehen sollte, ich musste doch stark sein. Irgendwann schlief ich mehr aus emotionaler Erschöpfung, als vor Müdigkeit ein, auch wenn es kein tiefer Schlaf war. Die Couch war auch nicht gerade bequem, aber ich passte komplett drauf, auch wenn ein warmer Körper zum daran schmiegen fehlte. Es war Samstag, also musste ich mir keinen Wecker stellen oder so, auch wenn es mir lieber wäre, wenn ich zur Arbeit gehen konnte, um ihm aus dem Weg zu gehen. Ich wollte ihm nicht unter die Augen treten, ich wüsste nicht was ich sagen sollte, ja vermutlich würde ich nur wieder los heulen. Also machte ich keine Anstalten schnell oder vor ihm aufzustehen, stattdessen wachte ich sogar erst auf, als ich in der Küche geklapper hörte und kurze Zeit später der Geruch von Kaffee und Speck zu mir herüber wehte. Er machte Frühstück....für was? Wollte er sich entschuldigen oder mir ein schlechtes gewissen machen? Oder wollte er so tun als sei nichts geschehen? Ich lag weiterhin auf der Couch und lauschte den Geräuschen aus der Küche, bis sie verstummten und ich mir sicher war, dass er fertig war. Als er dann nicht rüber kam und ich Angst bekam, dass er wirklich einfach so weiter machen wollte, stand ich leise auf und ging ins Bad, um mich etwas frisch zu machen. Mein Spiegelbild erschreckte mich tatsächlich und ich starrte mich eine Weile schockiert an. Meine Augen waren rot und verquollen vom weinen, außerdem hatte ich Augenringe und meine Haare sahen aus wie von einem Waschbären vergewaltigt. Toll, dann würde Leo direkt sehen wie scheiße es mir ging, wie sehr mich seine Aktion fertig machte und wie schwach ich war, jetzt schon so zu leiden, obwohl es nur um seine Haare ging. Er würde meine schwäche gegen mich verwenden, behaupten, dass er genau deswegen mich beschützen wollte. Er hatte mir gedroht und ich ihm versprochen, dass ich gehen würde, wenn es mir zu viel wurde. Ich musste mich also zusammen reißen. Nachdem ich mein Gesicht gewaschen, meine Zähne geputzt und meine Haare gebürstet hatte, sah ich wieder etwas besser aus, aber man sah mir immer noch meine schreckliche Nacht an. Mit vor Aufregung wild schlagenden Herzen ging ich barfuß und immer noch nur mit seinem Shirt bekleidet in die Küche. Ich blieb im Türrahmen stehen und sah ihn kurz an, er trug die Mütze wieder. Angespannt biss ich mir auf die Lippe und schluckte, dann ließ ich meinen Blick über den gefüllten Tisch wandern. Er war voll gedeckt mit Pancakes, Bacon, Rührei, Brötchen, aufstrichen und Aufschnitten, man sah wie viel Mühe er sich gegeben hatte. Wenn ihm unser Streit von gestern egal wäre, hätte er nicht so viel essen gemacht oder? Ich setzte mich langsam, den Blick auf den Tisch gewandt und verschränkte meine Beine auf dem Stuhl. "Wieso machst du so viel zu essen, wenn deine Magen noch nicht bereit ist?" fragte ich leise und sah auf meinen leeren Teller. Um nicht nervös mit meinen Fingern herum zu spielen, griff ich nach der Kaffeekanne und schenkte mir ein. Ich wusste nichts zu sagen...erst mal nicht.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Das hier... war doch alles scheiße! Wieso war Liebe so kompliziert? War das der Grund weshalb meine Eltern von Anfang an einfach komplett darauf verzichtet hatten? Sie hatten aus wirtschaftlichen Gründen geheiratet, des Ansehens wegen Kinder auf die Welt gebracht und sie weggeschickt, damit sie wenigstens etwas aus ihrem Leben machten. Unter den Umständen... wer wollte es denn dann leicht haben? Ich zog mit schmerzender Brust die Decke an mich und presste die Lippen aufeinander. War es mein Herz, das sich so zusammenzog oder war es einer der Tumore, der in meiner Brust rebellierte. So oder so, das Gefühl gefiel mir absolut nicht und ich hatte das Gefühl etwas tun zu müssen, aber was sollte ich schon machen? Olivia war sauer auf mich, hasste mich wegen dieser Aktion eben vermutlich. Sie war verschwunden und hatte ziemlich... fertg geklungen. Ich wusste nicht, ob sie so erschöpft von ihrer Wut gewesen war oder ich sie so sehr verletzt hatte. Ich hatte sie doch nur schützen wollen. Sie und mich auch. Ich war noch nicht bereit mich anderen Menschen gegenüber so schwach zu zeigen. Ich wollte nicht, dass Olivia mich ansah und sofort an Krebs dachte. Was war das denn bitte für eine beschissene Situation?! Verzweifelt vergrub ich das Gesicht in den Kissen und wälzte mich eigentlich die gesamte Nacht herum. War es immer so, wenn man mit seinen Liebsten stritt? Machte einen das so fertig? Mir war nie jemand so sehr ans Herz gewachsen, dass mich ein Streit dermaßen beschäftigt hätte. Es machte mich absolut fertig und ließ mich kein Auge zudrücken. Zwischendurch schlummerte ich immer mal wieder, doch sobald ich mich bewegte und den Stoff des Kissens an meinem nackten Kopf spürte, wurde mir wieder mulmig. Mir war fast schlecht vor Unruhe. Aber was sollte ich machen? Ich traute mich ja nicht einmal vor ihr die Mütze abzulegen, wie sollte ich da auf sie zugehen und mit ihr reden, mich erklären? Ich hatte ihr nie viel über meine Kindheit erzählt. Vielleicht könnte sie es verstehen, würde sie die Geschichte kennen, aber... Das würde mich genauso schwach und verletzlich ihr gegenüber machen wie all das einfach hinunterzuschlucken. Am nächsten Morgen also hatte ich nicht einmal den Mut sie zu wecken. Ich ging am Sofa vorbei und in die Küche. Ich konnte nicht gut mit Worten, aber ich könnte vielleicht auch Taten für mich sprechen lassen. Ich kümmerte mich um das Frühstück. Rührei, Bacon, Pfannkuchen, frisch aufgebackene Brötchen. Ich wäre losgefahren und hätte noch mehr besorgt, doch ich hatte Angst, dass sie weg sein würde, wenn ich wiederkam, also hatte ich nur begrenzte Mittel. Ich deckte den Tisch, hielt das Essen warm und setzte mich dann unruhig mit einem Kamillentee und angezogenen Beinen auf den Küchenstuhl. Ich würde einfach warten bis sie aufwachte. Ich wusste einfach absolut nicht was ich sagen oder wie ich mich verhalten sollte. Ich hatte das Gefühl gestern Abend etwas falsch gemacht zu haben, aber nichts davon war aus bösen Absichten gewesen. Ich wünschte wirklich ich wüsste, was ich in solchen Momenten tun sollte...

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Olivia Môntesano
Gott war die Situation hier gerade beschissen! Bis jetzt hatten wir es immer hinbekomnen nicht zu streiten, wenn es um seinen veränderten Körper ging, ich hatte vieles akzeptiert und ihn gehen lassen, aber das hier verletzte mich, ja es beleidigte mich sogar! Dementsprechend war es auch einfacher mit Wut zu reagieren, statt zu heulen, denn so verweichlicht war ich dann doch nicht. Ja ich ärgerte mich schon selbst darüber, dass ich so sehr auf diese dumme Mütze reagierte, aber das war dad Beweisstück dafür, dass er mir nicht vertraute. Ja es schien als würde er an meinen Gefühlen für ihn zweifeln und glauben, dass ich auch nur eine weitere oberflächliche Frau war, die ihn unattraktiv und abstoßend fand, weil er keine Haare hatte. Er hatte sie sich abrasiert, komplett, aber das war mir nicht neu. Er hatte sich die Haare vor etwas mehr als einem Monat schon mal sehr kurz geschnitten und ich hatte ihm, als ich ihm meine Liebe gestanden hatte, schon mal gesagt, dass er so viel mehr zu bieten hatte, als bloß ein attraktives Äußeres. Wieso also versteckte er sich jetzt vor mir? Für mich war das einfach ein Zeichen dafür, dass er mich für schwach hielt, als würde ich bei seinem kahlen Kopf die Flucht ergreifen. Dass er meinte jetzt auch noch seine Eltern und seine Erziehung als Begründung zu benutzen, machte es auch nicht besser. Wir hatten zwar nie großartig über seine Familie gesprochen, ich wusste nur dass sie nicht gerade die großherzigsten oder führsorglichsten Eltern waren, aber dass Leo sich meinte jetzt mit ihnen zu vergleichen und ihnen die schuld dafür zu geben, dass er mir hier anscheinend nicht genügend vertraute, war mehr als unangebracht. Er war überhaupt nicht wie sie, er war viel liebevoller und so gut zu mir, es stimmte nicht, dass er glaubte nicht zu verstehen wie man liebte. Und das er meinte allen immer scheißegal gewesen zu sein, stimmte nicht. Mir war er nie egal gewesen, etwas in mir hatte sich von Anfang an um ihn gesorgt. Sah er denn nicht, dass ich anders war? Er musste doch sehen, wie verdammt wichtig er mir war, wie sehr ich ihn liebte und er mir vertrauen konnte. Und durch seine Zweifel, verletzte er mich. Bevor wir weiter darüber diskutieren konnte, entschied sich dazu die Diskussionen einfach zu beenden und mit kaltem Ton nicht mal zu widersprechen, stattdessen gab er mir noch recht, dass er wirklich nicht angefasst werden wollte. Ich akzeptierte seine grenzen nicht?! Er akzeptierte nicht, dass man in einer Beziehung seinem Partner vertrauen sollte und dass er sich nicht vor mir verstecken sollte. Ich hatte damals klar gemacht, dass ich für ihn da dein würde, dass wir das zusammen schaffen würden, im Gegenzug wollte ich nur dabei sein und seine Ehrlichkeit. Ja gut, ich hätte ihm die Mütze nicht runter reißen sollen, aber er hätte mir von seinen Haaren erzählen können, er konnte mit mir doch über alles reden. Stattdessen stieß er mich weg....versteckte sich von mir. Das war meine größte Angst und diese Erkenntnis und der Blick auf seinen Rücken, wie er sich abwandte, ließen jetzt doch die Tränen hochsteigen und einen Kloß in meinem Hals bilden. Ich biss krampfhaft die Zähne zusammen, damit die Tränen nicht überliefen und starrte noch kurz seinem rücken an, dann stand ich auf und ging ums Bett herum Richtung Tür, als ich sein Gesicht wieder sehen konnte, hielt ich an. "Das hat nichts mit Grenzen zu tun, das ist sich verstecken und vor mir zurück ziehen, weil du mir nicht vertraust. Ich liebe dich, ich würde so ziemlich alles für dich tun, aber fein. Du willst nicht angefasst werden? Ich schlafe auf der Couch." Ich versuchte es möglichst genauso kalt und bissig rüber zu bringen wie er, aber meine Stimme hörte sich wegen der Tränen die ich zurück hielt erstickt an und zitterte am Ende. Bevor ich endgültig die Fassung verlor, drehte ich mich um, ließ das Licht mit Absicht an und ging schnelles Schrittes ins Wohnzimmer, um mich dort auf der Couch zusammen zu rollen und den Tränen freien Lauf zu lassen. Wenn es jetzt schon so war, wie würden dann die nächsten Monate werden? Wie sollte ich es überstehen ihn gar nicht mehr anfassen zu dürfen, ja vielleicht nicht mal mehr mit ihm in einem Bett zu schlafen, wenn es jetzt schon so wehtat?

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Okay, die letzten Worte waren wohl zu viel gewesen. Ich hätte nicht Vertrauen von ihr verlangen sollen, wenn ich mich selbst so vor ihr versteckte. Ich traute mich nicht einmal so vor die Frau zu treten, die ich liebte. Ich hatte solche Angst davor von ihr verlassen zu werden - so wie mich bisher jeder in meinem verdammen Leben verlassen hatte - dass ich glaubte es besser machen zu können, wenn ich ihr vorspielte, dass alles bestens war. Wer hatte schon gern Probleme? Wer schlug sich schon gern mit Problemen anderer herum? Niemand. Niemand machte das gern. Deshalb versuchte ich allein damit klarzukommen, weil ich es eben schon immer allein hatte schaffen müssen. Ich kannte es nicht, dass Menschen sich um mich sorgten, mir helfen wollten und versuchten mir einen Teil der Last abzunehmen. Für mich kam es mir falsch vor es Olivia tun zu lassen. Nein, sie sollte ich vor all dem doch beschützen. Das war einfach zu viel für mich. Ich steckte sowieso schon in einer beschissenen Situation und jetzt musste ich auch noch herausfinden wie die Liebe eigentlich funktionierte und inwieweit ich mich auf sie verlassen konnte ohne dabei verletzt zu werden. Vermutlich war das gar nicht mehr möglich. Nein, selbst ihre Worte taten mir in gewisser Weise weh. Weil sie keine Ahnung hatte, was in mir vorging oder wie ich mich fühlte. Ich fühlte mich entmannt. Durch so viele Komponenten, die waren und noch kommen würden. "Schon mal drüber nachgedacht, dass mir Vertrauen und Liebe schwer fällt? Immerhin habe ich das alles bisher noch nie in meinem Leben erfahren. Du hast doch keine Ahnung wie scheißegal ich allen immer war. Ich kann mich nur so schnell voran bewegen wie ich es mir zutraue und das hier... geht mir eindeutig zu schnell, okay?!", antwortete ich nun ein wenig gereizter. Das hier war wirklich viel auf einmal und genau deswegen wollte ich die Normalität soweit es ging noch beibehalten, bis ich bereit für diesen Schritt war. Mich anderen voll und ganz zu offenbaren und mich zu öffnen, war mir in meinem Elternhaus nicht einmal erlaubt gewesen. Wie sollte es mir dann hier so leicht fallen, ohne dass ich negative Auswirkungen erwartete. Sie fand es lächerlich, ich schützte mich dadurch eben selbst. Und genau diesen Schutz nahm sie mir, als sie mir die Mütze von meinem kahlen Kopf zog und mich dadurch entblößte. Wieso bloß fühlte ich mich so nackt, wenn sie mich so ansah? Als könnte ich mich dadurch besser fühlen, zog ich die Decke bis zu meiner Brust und presste die Kiefer aufeinander. Dass sie mich dann so ankeifte, traf mich irgendwie. Das hier war einer meiner vielen wunden Punkte, die meine Familie in mir hinterlassen hatte und wie ich es gelernt hatte, reagierte ich auf Schmerz mit Wut und eisiger Kälte. Ich sollte mir einen Schlafsack zulegen? "Vielleicht mache ich das. Allerdings scheinst du meine Grenzen ja sowieso nicht zu akzeptieren, also würde das genauso wenig bringen.", brummte ich kalt und schaute zu der Lampe. "Und jetzt mach das Licht aus, ich bin müde." Damit drehte ich mich herum, zog die Decke unters Kinn und wandte ihr den Rücken zu, während ich mich hinlegte. Sie wusste wo mein Problem war. Ich hatte es ihr gerade noch gesagt. Bevor sie mich durch ihre Aktion so verletzt hatte, hatte ich ihr erklärt, dass ich für gewisse Dinge noch nicht bereit war. Sie hatte mich aber ins eiskalte Wasser geschubst und um nicht verletzt zu werden, baute ich eben eine Mauer aus Emotionslosigkeit auf. Wäre sie nicht genauso in ihrer Wut und ihrer Verletzlichkeit gefangen, hätte sie gemerkt, dass ich nicht sauer war, sondern einfach nur enttäuscht. Was hätte ich auch tun sollen? Ich wollte nicht länger darüber reden. Ihr auszuweichen erschien mir irgendwie die bessere Idee zu sein. Die Erziehung meiner Eltern war eben noch nie sonderlich menschennah gewesen.

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Olivia Môntesano
Ich konnte mir nicht vorstellen wie schwer das alles für Leo sein musste, niemand der nicht in seiner Haut steckte konnte das vermutlich, deswegen versuchte ich immer tolerant zu sein und alles zu tun, damit es ihm so leicht und angenehm war wie möglich. Ja ich hatte von vorneherein gewusst, dass es nicht leicht werden würde, dass sich Dinge ändern würden und ich damit konfrontiert werden würde, dass er sich vor mir zurück ziehen würde. Es hatte die letzten Wochen ja schon langsam damit angefangen, dass ich ihn alleine ins Bad ließ, weil ich ihm einfach diesen Platz lassen wollte, auch wenn ich es vermisste mit ihm zusammen zu duschen oder damit, dass er jetzt mit Hose und Shirt schlief, während er vorher nur Boxershorts oder nichts getragen hatte. Unser Sexleben war auch ziemlich ruhig geworden, aber das störte mich eigentlich kaum. Vielmehr tat es mir weh, dass er sich im Bett von mir weg drehte und ich deutlich spürte wie er sich verkrampfte, wenn ich ihn anfasste. Das verstand ich nicht, denn sein Körper hatte sich noch nicht drastisch verändert, er hatte kaum abgenommen, wenn dann vielleicht ein wenig an den Muskeln seiner Oberarme oder am rücken, aber sonst fühlte er sich wie der alte Leo an in den ich mich verliebt hatte. Ich war wirklich geduldig und ließ ihn machen, was es für ihn leichter machte, auch wenn ich wusste, dass er sich dadurch von mir langsam entfernen würde, solange ich aber bei ihm war, war das alles was ich wollte. Wir sprachen ja sonst über seine Entwicklung ziemlich offen und ich war auch bei allen Therapien dabei gewesen, deswegen verletzte es mich jetzt umso mehr, dass er im Bett eine Mütze trug. Das hatte so viel mehr zu bedeuten, es zeigte erneut, dass er anfing sich vor mir zu verstecken, aber vorallem war es ein Beweis dafür, dass er meiner Reaktion darauf nicht vertraute. Er glaubte ich würde wegrennen, ihn abstoßend finden oder damit nicht umgehen können. Hielt er mich für so oberflächlich? Verletzt, was sich bei mir allerdings erstmal als Wut zeigte, sah ich ihn an. Natürlich wich er unangenehm berührt meinem Blick aus, ja nicht mal in die Augen sehen konnte er mir, aber sich verstecken ja? Das war doch keine Option! Immer noch versuchte er mir nichts zu erklären oder nahm die Mütze ab, was mich rasend machte. Ich sollte es einfach gut sein lassen? Es ignorieren, dass hier etwas gewaltig nicht stimmte? Oh nein, bestimmt nicht. Verdrängen und ignorieren war nicht meine Art mit Problemen umzugehen und seine sollte es auch nicht werden. Er setzte dem noch die Krone auf, als er sagte ich solle ihm vertrauen. Ich biss fest den kiefer zusammen, um zu ignorieren, dass ich schon die aufkommenden Tränen spürte. "Dir vertrauen und es gut sein lassen? Wie soll ich das machen, wenn du mir nicht vertraust? Denkst du ich renne weg oder lache dich aus? Wenn hier etwas lächerlich ist, dann die Situation an sich. Anscheinend vertraust du meiner Reaktion ja nicht, denkst du ich bin so leicht zu schockieren?" Solange ich sauer war, war es besser als in Tränen auszubrechen, denn dann würde das hier komplett entgleisen. Leo setzte die Mütze immer noch nicht ab, also tat ich etwas, was ich im nachhinein leicht bereute, denn ich überschritt eine Grenze zu seiner Privatsphäre, aber diese sollte es eigentlich gar nicht geben, wenn er mir vertraute. "Ich hab ja kein Problem, dass du sie tagsüber oder auf dem Weg zum Krankenhaus trägst, aber das hier ist zu viel." Damit streckte ich meinen Arm aus und bevor er reagieren konnte, zog ich ihm die Mütze vom Kopf. Was ich sah, hatte ich nicht erwartet, weshalb ich meine Hand mit der Mütze langsam sinken ließ und ihn betrachtete. Er hatte sich die Haare komplett kurz rasiert, sie waren nicht mal mehr einen Millimeter lang. Wann hatte er das gemacht? Bisher hatte er seine Haare, auch wenn sich lichter geworden waren, noch länger getragen. Das versteckte er also? "Das ist es ja? Das versteckst du vor mir? Uns war doch beiden klar, dass das irgendwann kommen würde und du denkst ich komme damit nicht zurecht? Wie sehr willst du dich noch vor mir verstecken? Schlaf doch gleich in einem Schlafsack, dass ich dich auch ja nicht anfasse." Nein ich klang immer noch nicht sanft, sondern angepisst und so schnell würde sich das vermutlich auch nicht ändern.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Okay, also musste ich jetzt hoffen, dass sie heute keine Lust hatte zu kuscheln und es im Dunkeln einfach nicht mitbekommen würde. Klar, ich hätte dann genauso gut die Mütze abziehen und mich mit entblößter Glatze hinlegen können, aber so hatte ich noch eine kleine Barriere, falls mein Plan doch schief gehen sollte. Obwohl ich dann immer noch nicht wusste, was ich dann zu ihr sagen sollte. Ich wollte mich ihr einfach so noch nicht zeigen. Der endgültige Verlust meiner Haare war ernst. Er würde uns die nächsten Wochen immer und immer wieder vor Augen führen, dass etwas mit mir nicht stimmte und dass ich an all dem Scheiß vielleicht doch noch verrecken würde. Es würde uns zeigen in welchem Kampf mein Körper steckte. Es würde keinen einzigen Moment mehr geben, an dem wir nicht darüber nachdenken mussten. Die Glatze machte den Krebs allgegenwärtig und dafür waren wir beide noch nicht bereit. Ich wollte nur uns beide hiervor schützen. Ich biss mir auf die Unterlippe, als ich den Umriss von Olivia aus dem Bad kommen sah. Sie schob mein Verhalten auf die Chemo. Gut. Ich war aber auch müde. Es war also nicht einmal gelogen. Ich spürte wie hinter mir die Matratze herunterging und ein Lufthauch über meine Haut fegte. Nun lag sie neben mir, doch wie immer rückte sie näher, legte ihre Arme um meine Brust und schmiegte sich an meinen Rücken, sodass ich mich anspannte. Diesmal mehr als sonst. Allein wegen meines sich verändernden Körpers war mir das alles hier in den letzten Wochen schwer gefallen, doch jetzt hatte ich noch Angst erwischt zu werden. Gott, ich verhielt mich wie ein kleines Kind! Und so kam ich mir auf vor, als Olivia sich kurz versteifte und sich dann von mir löste. Was? Sie konnte das unmöglich schon bemerkt haben! Die Matratze bewegte sich und im nächsten Moment war das Zimmer wieder in Licht getaucht. Oh nein, bitte nicht. Wehleidig drehte ich mich auf den Rücken und schaute vorsichtig zu ihr rüber. Wieso bloß wirkte sie so wütend? "Oh wir sind noch viel weiter als dir bewusst ist.", murmelte ich in mich hinein und kaute nervös auf meiner Unterlippe herum. Wie sollte ich die denn milde stimmen? Sie würde das erst verstehen, wenn die es sah. Sie war doch genauso stur wie ich. Ich seufzte und senkte den Blick, kauerte mich etwas zusammen und zog die Decke an meine Brust. "Via, bitte... lass einfach gut sein, ja? Ich will nur schlafen. Bitte leg dich einfach wieder zu mir und denk gar nicht dran." So weit kam es schon? Dass ich sie anbettelte, nur damit sie nicht erfuhr, dass meine Haare nun komplett weg waren? War es denn wirklich so schlimm? Für mich schon... "Vertrau mir einfach.", flüsterte ich. Diese Worte hätte ich vielleicht nicht wählen sollen, denn sie fühlte sich in meinem Vertrauen ihr gegenüber deutlich verletzt.

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Olivia Môntesano
Das Abendessen mit Leo rettete mir immer den Tag und war das beste nach einem harten Schultag. Wir hatten schon eine gewisse routine entwickelt und es fühlte sich einfach so richtig und eingespielt an, als wären wir schon länger als einen Monat zusammen. Da ich diesmal nicht bei der Therapie dabei gewesen war, musste Leo mir davon erzählen, beziehungsweise musste ich ihn danach ausquetschen, weil nur ganz genau klar gewesen war, dass er freiwillig nicht mit information raus rücken würde, weil er nicht wollte dass ich noch mehr hatte, worüber ich mir den Kopf zerbrach oder sorgen machte. Tja deswegen wollte ich ja dabei sein und alles direkt wissen. Manchmal sagt Dr. Briggs noch Dinge auf die ich achten sollte oder wie ich mich um Leo kümmern sollte, aber heute hatte er dass wirklich taktisch klug gelegt und den vormittag gewählt. Wenn er das in zukunft öfter machen würde, würden wir ein Problem bekommen.
Jetzt machte ich den Fernseher und DVD-Player aus, Während Leo schon ins Bad ging und sich fürs Bett fertig machte. Früher hatten wir das immer zusammen gemacht, aber seid sein Körper sicher veränderte, ließ ich ihm etwas mehr Freiraum, auch wenn ich es zum Beispiel schade fand, dass er beim schlafen nun immer Klamotten trug. Sobald ich also alles aufgeräumt hatte, ging ich nach Leo ins Bad, putzte mir die Zähne und schlüpfte in eines seiner Shirts, das ich zum schlafen trug, weil es einfach verdammt bequem war und bei meiner Größe die Länge eines Nachthemdes hatte. Als ich fertig war, kehrte ich ins Schlafzimmer zurück, wo es schon komplett dunkel war und ich musste mich am Licht der Straßenlaterne orientieren, um mir nicht komplett wehzutun. "Da hat es aber jemand eilig zu schlafen, aber du bist bestimmt von der Chemo fertig." Er war ja beim Film schon eingeschlafen und den ganzen Tag noch lädiert, Gott wie ich hasste was diese Chemotherapie mit ihm machte, aber wenigstens ging der Krebs langsam zurück. Wir konnten nur hoffen, dass der Krebs weg war, bis Leos Körper dem nicht mehr standhalten konnte. Ich tapste also rüber auf meine Seite des Bettes, tastete nach der Ecke der Decke und schlüpfte darunter. Ich rutschte wie immer zu ihm rüber und schmiegte mich an seinen Rücken und schlang meine arme um ihn. Ich spürte, dass er sich etwas anspannte, aber das kannte ich schon. Seit er abnahm hatte er wohl Angst, dass ich ihn nicht mehr anfassen wollte oder dass ich zurück schrecken würde, irgendsowas glaubte ich zumindest. Aber so schnell würde mich nichts davon abhalten mich beim schlafen an ihn zu kuscheln, denn ich schlief an ihn geschmiegt eben einfach am besten. Ich rutschte etwas hoch und legte meinen Kopf wie immer an seine Schulter, aber dann merkte ich etwas komisches. An meiner Stirn spürte ich nicht die kurzen haare in seinem Nacken, es fühlte sich wie....Stoff an... Trug er immer noch die Mütze?! Das, nein konnte nicht sein! Ich löste einen Arm und fuhr zu seinem Kopf. "Du hast im Bett eine Mütze an?! Das ist nicht dein ernst!" sagte ich nun und setzte mich auf, um das Nachtlicht auf meiner Seite an zu machen. Was sollte das? Mich machte das unglaublich wütend, weil er sich vor mir versteckte, weil er mir nicht vertraute. Aufgebracht sah ich zu ihm rüber, er hatte sich wenigstens rumhedreht, machte aber keine Anstalten die Mütze abzuziehen. "So weit sind wir also schon hm?"

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Nein, ich machte mir aber Sorgen. James Kommentare waren von Anfang an nicht angemessen gewesen. Ich kannte ihn. Ich wusste, dass er sich aus sowas keinen Scherz machte. Die Dinge, die er sagte, meinte er auch so, auch wenn sein Grinsen dabei noch so dämlich war. Er war ein verdammter Idiot, der sich von mir Tipps geholt hatte wie er Frauen abschleppte. Das aber hatte ich ihm nie beigebracht! Er musste den Frauen über Respekt zeigen. Das hatte ich ihm immer wieder gesagt. Und jetzt beleidigte er mein Mädchen bis auf die Knochen, indem er die als Sexobjekt und lustgesteuerte Perverse abstempelte! Das würde ein Nachspiel haben. Krebskrank und schwach hin oder her, sollte er mir begegnen, würde ich all meine letzte Kraft in dösen Schlag in seine Fresse setzen. Und wenn ich dabei draufging! Das alles beschäftigte mich. Auch als ich mich an einer Ecke Pfannkuchen versuchte und Olivia von meinem Tag erzählte und von dem, was Dr Briggs gesagt hatte. Meine Konditionen wurden schlechter, der Krebs dafür aber auch keiner. Es blieb uns nichts weiter übrig als abzuwarten und zu sehen ob ich oder der Krebs stärker waren. Natürlich verpackte ich es in harmlosere Worte, sagte wie immer, dass es schlimmer klang als es war und versuchte es eher gleichgültig klingen zu lassen, damit Olivia sich nicht übermäßig sorgte. Ändern könnte sie es ja sowieso nicht. Ich würde mit der Zeit immer müder, schlief während des Filmes am Abend neben ihr auf der Couch ein, sodass sie den Fernseher ausstellte und sagte, dass wir ins Bett gehen sollten. Ich nickte also nur, ging mit ihr zusammen ins Schlafzimmer und bemerkte beim Öffnen des Kleiderschrankes schlagartig, dass normale Menschen keine Mützen im Bett trugen. Und schon war ich wieder wach. Shit! Egal. Nichts anmerken lassen. Ich griff nach meiner Pyjamahose und einem meiner Tshirts - seit ich an Gewicht verlor, hatte ich mir das Tragen von Shirts beim schlafen angewöhnt - zog mich an und verzog mich unter die Decke, noch ehe Olivia aus dem Bad zurück war. Ich stellte das Licht aus, zog die Decke bis zu meinem Kinn und tat einfach so, als wäre nichts. Vielleicht würde sie es in der Dunkelheit gar nicht sehen. Aber vielleicht würde die Mütze nachts verrutschen. Hoffentlich würde ich dann einfach vor ihr aufwachen. Ich dachte gar nicht daran es ihr jetzt schon zu sagen! So weit war ich noch nicht. Doch so weit würde ich wohl auch nie sein.

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Olivia Môntesano
Ich sagte zu seiner Mütze oder seinen Haaren jetzt erst mal nichts weiter. Wir hatten die Diskussion schon einige male geführt, aber wenn er sich so besser fühlte, sollte er sie halt auch in der Wohnung tragen. Ich konnte ihm ja nicht einfach die Mütze vom Kopf reißen, naja ich könnte schon, aber ich wollte wirklich keinen Streit provozieren, dafür war der heute Tag schon anstrengend und aufwühlend genug gewesen. Eigentlich musste Leo gar nichts von James wissen, er ging ja nicht mehr zur Schule und musste sich darüber nicht eigentlich auch noch den Kopf zerbrechen, aber es betraf ihn ja auch und es tat gut mit jemanden darüber zu reden. Natürlich gefiel es Leo nicht und er nahm es sich zu sehr zu Herzen, was ich aber auch verstehen konnte. Er war mit James befreundet gewesen, also in der Schule eben, und ich konnte schon irgendwie nachvollziehen dass es scheiße War, wenn er sowas hören musste. Ich hatte mich ja auch aufgeregt und war schockiert gewesen, dass er sich traute mir sowas ins Gesicht zu sagen. Natürlich hatte es lange Gerüchte gegeben, aber nachdem Leo abgegangen war und er von seinem Krebs erzählt hatte, waren sie wieder verschwunden. Leo kam nicht mehr an die TAFE und wir gingen auch nicht wie ein Pärchen aus, weil er sich da nicht mehr wohlfühlte, also musste uns jemand im Krankenhaus oder im Bus gesehen haben. Mir war von vornherein klar gewesen, dass jemand noch einen unpassenden Kommentar machen würde, niemand konnte so schnell darüber hinweg sehen, dass Leo ein ehemaliger Schüler von mir war. Ich kuschelte mich näher an Leo, schüttelte dann aber den Kopf. "Entschuldige dich nicht, es ist nicht deine Schuld, keiner von uns ist Schuld. Uns hätte ja klar sein müssen, dass jemand noch was unpassendes sagen würde, aber wir müssen uns darüber jetzt keine sorgen mehr machen, wir brechen keine Regeln mehr." versuchte ich ihn zu beruhigen. Es brachte nichts gegen die Leute etwas zu sagen, es würde immer jemand reden und eigentlich war es mir egal, solange ich dort weiter arbeiten konnte. Etwas grinsend sah ich zu ihm hoch und schüttelte den Kopf. "Nein hab ich nicht, ich war in dem Moment zu sprachlos und ich wollte ihm nichts im Flur hinterher brüllen, damit es nicht noch jemand hörte. Außerdem hat er gar keine Antwort verdient. Eine Ohrfeige oder einen Tritt in die Eier, ja das hätte er verdient, aber ich will meinen Job nicht schon wieder verlieren." scherzte ich und versuchte die Stimmung etwas zu heben, bevor er sich wieder zu sehr aufregte und die Stimmung in den keller ging. "Mach dir keine sorgen." Eigentlich sagte er das immer zu mir, wenn es um seinen Krebs ging, komisch dass ich das jetzt sagte. Aber so war es, was in der Schule passierte war wirklich nicht sein Problem, er hatte auch so schon genügend sorgen. Ich lächelte ihn also an, gab ihm einen aufmunternden Kuss. "Hast du Hunger? Ich hab Lust auf Pfannkuchen. Oder ist dein Magen noch zu empfindlich? Wie war die Chemo eigentlich?" [kannst dann zum schlafen gehen springen wenn du magst :D]

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Mir wurde von Minute zu Minute mulmiger. Ich war komplett kahl und ich wusste wirklich nicht, was Olivia dazu sagen würde. Scheiße... Was hätte ich aber tun sollen? Ich konnte doch nicht mit fleckig ausgefallenen Haaren herumrennen. Diese kahle Stelle heute Morgen... das hatte einfach nur bescheuert ausgesehen und ich hätte mich Olivia sowieso nicht mehr unter die Augen getraut. Also hatte ich lieber kurzen Prozess gemacht und uns damit eine Menge Arbeit in Form von Frust und Staubsaugen erspart. Allerdings war der Frust dennoch da. Meine Haare waren komplett weg. Es war schon ein Schritt gewesen sie zu kürzen, bis sie nur noch Millimeter lang waren, aber wirklich komplett glatzköpfig herumzurennen. Das traute ich mich nicht. Ich könnte fast behaupten, dass ich nicht genügend Selbstvertrauen dazu hatte. Oh Gott... Bisher war ich von meinem Aussehen immer überzeugt gewesen, aber das hier - das nagte an mir. Ich war ein seelisches Wrack und doch hielt ich es immer zurück und ließ mir kaum etwas anmerken, wenn Olivia da war. Sie hatte nur eine Vorahnung von dem, was in mir vorging. Mir rutschte das Herz vor Nervosität in die Hose, als ich ihre Stimme aus dem Flur hörte. Dann jedoch riss ich mich schnell zusammen, checkte, ob die Mütze meinen Nacken weitesgehend bedeckte und zog die Decke bis unter meine Arme hoch. Sie kam um die Ecke und erhellte wie immer den gesamten Raum. Für einen Moment vergaß ich meine kleine Existenzkrise und lächelte schief. Allerdings verging mir das sofort wieder, als sie auf meine Mütze zu sprechen kam. Ich musste meine Haare nicht vor ihr verstecken. Tja, welche Haare? Gerade im Moment konnte ich meine Ängste von vor wenigen Tagen nicht mehr nachvollziehen. Jetzt hatte ich gar keine Haare mehr für die ich mich schämen könnte! Jetzt sah ich wirklich aus wie ein Krebskranker und das würde uns beiden die Situation nur immer wieder vor Augen führen. Dieser Punkt, an dem die Patienten ihre Haare verloren... der war ernst und nun war es soweit. Ich schluckte und schüttelte nur leicht den Kopf. "Mir ist einfach kalt um den Kopf herum.", murmelte ich. Das war keine Lüge. Nackte, ungeschützte Kopfhaut fror scheinbar recht schnell. Ich würde mich sicher nie daran gewöhnen - scheiße, das wollte ich auch gar nicht! Unsicher legte ich meine Arme um Olivia und zog sie hoch bis an meine Brust, legte mein Kinn auf ihrem Scheitel ab und zog die Augenbrauen zusammen. Scheiße, sie würde es doch so oder so irgendwann herausfinden. Jetzt aber war nicht der richtige Zeitpunkt. Ich wollte mich ablenken und sie schaffte das gerade wunderbar, indem sie von James sprach. Dieser Idiot! "Und solche Leute habe ich meine "Freunde" genannt...", flüsterte ich. Ich war eben schon immer allein gewesen. Wirklich verlassen hatte ich mich bisher auf niemanden können. Bloß auf Olivia. Sie war mir immer eine wahre Freundin gewesen. Von Anfang an. "Wäre ich nicht so am Arsch, würde ich ihm in den Arsch treten und dazu bringen sich auf Knien bei dir zu entschuldigen. Es tut mir leid, dass du dir das alles anhören musst." Ich war ja fein aus der Sache heraus gewesen, als ich abgehauen - oder besser: rausgeschmissen worden - war. "Ich hoffe doch du hast dich selbst verteidigt und ihm wenigstens eine passende Antwort reingewürgt?" Sowas sollte sie nicht auf sich sitzen lassen. Ja, die Gerüchte waren wahr, aber das konnte an der TAFE doch niemand wissen und dass sie es so weit trieben es ihr beinahe ins Gesicht zu sagen und ihre angeblichen Vorlieben auszunutzen, widerte mich an. Gerade James sollte sein vorlautes Maul halten. Ich hatte ihm immer in den Magen geboxt, wenn er solche Kommentare über Olivia abgelassen hatte. Das hier ging aber eindeutig zu weit. Sollte ich ihn das nächste Mal sehen, würde ihn die gleiche Faust treffen, die bereits Finn hatte spüren dürfen. Ich seufzte und ließ kraftlos meine Stirn gegen ihre sinken. Das alles war wirklich viel und mein Körper hielt einfach nicht mehr so viel aus wie früher. Es war schlimm wie schwach ich so plötzlich geworden war... Ich fühlte mich so alt und dem Tod nah. Es war wirklich ein Scheißgefühl.

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Olivia Môntesano
Die nächsten Wochen waren wirklich.... Dafür gab es kein Wort. Meine Geduld, Akzeptanz und Ruhe, aber vor allem unsere Beziehung, wurden auf die Probe gestellt. Es hatte gute Tage gegeben, meistens unter der Woche zwischen den Chemos, aber eben auch schlechte, sehr schlechte. Tage an denen er mich nicht sehen wollte, schnippisch war und eindeutig nicht mit sich zufrieden. Er fing an sich sich von mir zurückzuziehen, langsam, aber ich bemerkte schon eine Veränderung. Natürlich versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen, ich wollte ihn nicht drängen oder zeigen, dass er mir wehtat, wenn er mich seine Haare nicht anfassen ließ. Denn wenn ich zeigte, dass sein verhalten mir wehtat, würde er wieder damit anfangen, dass ich gehen sollte und nicht leiden sollte, dass er alleine stärker war. Ich musste mich zwischenzeitlich also wirklich verdammt zusammen reißen und mich zur Stärke zwingen, es war ein nervlicher Drahtseilakt. Wie sollte das später noch werden? Wenn ich jetzt schon so eine Veränderung spürte, wie würde es dann noch werden? Jetzt war an seinem Körper noch keine große Veränderung bemerkbar, ja gut er hatte ein wenig abgenommen, aber ich hätte es nicht bemerkt, wenn er nichts gesagt hätte. Dass er immer mal wieder sehr blass war daran hatte ich noch schon gewöhnt, es würde wieder besser werden. Heute jedoch machte er wieder einen Schritt von mir weg, indem er die Chemo machte während ich in der TAFE war. Ja er war kein kleines Kind, aber ich hatte ihn zu den letzten Sitzungen immer begleitet und wenn ich nur seine Hand hielt oder schweigend neben dran saß, ich wollte nur da sein. Also schrieb ich ihm, dass ich zum Abendessen vorbei kommen würde, erst musste ich mich noch etwas mit den Auswertungen der Prüfungen befassen, die diese Woche liefen. Gerne würde ich mit Leo darüber sprechen, aber ich wollte ihn nicht daran erinnern was er verloren hatte. Obwohl, eine Sache gab es da die ich ihm vielleicht sagen sollte. Mit meiner Tasche ausgestattet ging ich um sechs zu Leo rüber, schloss auf und rief "Bin da!". Mittlerweile benutzte ich immer seinen Ersatzschlüssel, es war praktisch schon mein Schlüssel geworden, ohne dass ich Leo je gefragt hatte. Er hatte aber auch nie etwas dagegen gesagt. Ich zog meine Schuhe aus, ließ meine Tasche im Flur und ging zu ihm ins Wohnzimmer. Er trug wieder seine Mütze, das machte er in letzter Zeit öfter. Seine Haare waren zwar wieder etwas länger und lockten sich an manchen stellen wieder, aber sie wuchsen nicht mehr so stark nach und vielen auch mehr aus, aber ich bekräftigte ihm immer, dass es noch in Ordnung war und er die Mütze ja tragen konnte, wenn er in die Öffentlichkeit ging. "Na, wieder Mützensaison? Du weißt doch, dass du vor mir deine Haare nicht verstecken musst." zog ich ihn auf und ließ mich neben ihm aufs Sofa plumpsen. Schnell gab ich ihm einen üblichen Begrüßungskuss und schmiegte mich etwas an ihn. "Du glaubst nicht was mir heute passiert ist. James ist in Tanzen durchgefallen, er packt das Jahr also nicht und bekommt keinen Abschluss. Als ich dann raus gehen wollte und wir alleine waren, sagt er doch ernsthaft im vorbei gehen "Wenn ich das Jahr wiederhole, können sie mir ja auch mal Nachhilfe geben. Oder aber, wenn ich kein Schüler mehr bin, kann ich ihnen mal Nachhilfe geben." Und wie er es betont hat, ich hätte ihm fast ins Gesicht gekotzt. Ich dachte an der Schule wüssten es die meisten nicht, weil du ja nicht mehr hingehst, aber scheinbar hat uns wer gesehen." erzählte ich und rollte mit den Augen.

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Grimmig schaute ich in den Spiegel mir gegenüber und verkrampfte die Finger um das Waschbecken. Meine Laune war in den letzten Tagen stark gesunken. Seit vier Wochen machte ich nun diese heftige Chemotherapie und ich hatte bereits fünf Kilo verloren. Klar, das war nicht unbedingt sehr viel, aber diese Masse war natürlich zuerst an meinen Muskeln heruntergegangen. An sich auch kein Problem, doch es zeigte mir, dass es bald anfing. Meine sinkende Laune und mein schwindendes Gewicht, waren schon Grund genug für mich mich langsam aber sicher zurückzuziehen, aber das war natürlich nicht alles! Nein... Es reichte nicht mich dadurch fertig zu machen. Nach der heutigen Chemo - die ich extra so gelegt hatte, dass Olivia arbeiten war, wenn ich im Krankenhaus war - hatten meine mittlerweile wieder zentimeterlangen Haare beschlossen nun endgültig aufzugeben. Ich war gerade aus der Dusche gestiegen und hatte diese kreisrunde, kahle Stelle direkt an meiner Schläfe entdeckt. Ich sah aus, als hätte ich einen Unfall beim Friseur gehabt! Generell waren meine Haare in den letzten Tagen ziemlich licht geworden, aber es war nie so schlimm gewesen, dass man mir etwas hätte ansehen können. Das hier... Das hier war ein Desaster! Wie sollte ich das denn wieder richten? Meine dunklen, kurzen Haare bedeckten nur gerade so noch meinen Kopf und jetzt fielen sie so unregelmäßig aus? So plötzlich? Ich knirschte mit den Zähnen und wandte den Blick von der kahlen Stelle ab. Es hatte doch keinen Sinn es sich einfach weiter anzusehen. Es sah bescheuert aus! Wütend darüber, dass das alles ausgerechnet mir passieren musste, durchsuchte ich hecktisch die Schublade unter dem Waschbecken und zog den Rasierer heraus. Beinahe in der selben Bewegung, ließ ich das Teil einmal quer über meinen Kopf gleiten und hielt dann inne. Wow, ich hatte es tatsächlich noch schlimmer gemacht. Ich seufzte mutlos und knallte die Schublade zu, schaute zu meinen Klamotten auf dem Klodeckel rüber und biss die Zähne zusammen. Reiß dich zusammen, Leo! Also setzte ich erneut an und befreite meinen kompletten Kopf von den übrigen, kurzen, dunklen Haaren, die ich nachher vom Boden aufkehren und die Toilette herunterspülen konnte. Der neue Anblick, der sich mir im Spiegel bot, war beinahe noch schlimmer. Jetzt sah ich noch blasser und kränklicher aus. Schnaubend drehte ich mich um, nahm die Mütze und zog sie über meinen Kopf und bis über meine Ohren, ehe ich mich weiter anzog und danach frustriert auf die Couch schmiss. Erst gegen Abend bekam ich dann langsam Panik. Olivia würde heute sicher noch vorbeikommen. Am besten sie würde erstmal gar nicht sehen, was ich angestellt hatte. Ewig könnte ich es sicher nicht vor ihr verstecken, aber erstmal wollte ich mich selbst daran gewöhnen.

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Olivia Môntesano
Wir waren schon ein komisches Paar, aber man musste uns auch lassen, dass wir keine Klischees erfüllten und es bei uns nicht langweilig wurde. So kompliziert wie unser Start schon war, durchzogen von einem Haufen Hochs und Tiefs, dem dramatischen Ende und der schweren Zeit die noch kommen würde, war es also auch nicht verwunderlich, dass auch die Art wie wir uns die Liebe gestanden alles andere als gewöhnlich war. Aber das gefiel mir, es war aufregend und Leo war unglaublich, ich war noch nie so glücklich. Die Beziehung mit Finn letztes Jahr war ganz anders gewesen, so geregelt und gewöhnlich, leicht. Zu leicht vermutlich, wie mir im nachhinein klar war, aber er hatte sich wirklich wie das Musterbeispiel eines zukünftigen Ehemanns verhalten. Jetzt jedoch sah ich mit Leo eine Zukunft, ja sie würde anders verlaufen, wie genau wusste niemand von uns, die graue Wolke seines immer noch möglichen Todes schwebte über uns, aber wenn sie vorbeizog, würde es auch nicht sofort besser werden. Ja ich sah einige Momente und Situationen mit denen ich vermutlich nicht umgehen können würde und die mir Angst machten, aber die Hauptsache war, dass Leo bei mir war. Scheinbar wollte er die Zeit jetzt noch nutzen, solange sein Körper noch einigermaßen fit war, denn er wollte anscheinend doch nicht nur Duschen. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, oh nein, natürlich nicht. Was den Sex anging würde ich vermutlich nie nein zu ihm sagen, dafür war er zu gut, ja wir harmonierten perfekt. Eine kleine Stimme in meinem Unterbewusstsein sagte mir, dass ich ihn schonen sollte, dass er vielleicht nicht die Kraft dazu hatte und sich nicht verausgaben sollte, aber ich wusste ganz genau, dass es ihn kränken würde. Er wollte nicht, dass ich ihn anders behandelte, er wollte sich nicht schwach fühlen und er konnte seine Kräfte vermutlich selbst einschätzen oder? Also ließ ich mich nur zu gern von ihm hochheben, schlang Arme und Beine um ihn und ließ mich an die Wand drücken, die einen kühlen Kontrast zu Leos warmen Körper bot. Das war nicht das erste mal, dass wir Sex in der dusche hatten, wir hatten praktisch über all in seiner Wohnung miteinander geschlafen, aber es war jedes mal wieder fantastisch. Danach brausten wir uns nochmal schnell ab und ich föhnte meine Haare, während er sich anzog. Das war auch schon wie eine Art routine, dabei wohnten wir nicht mal zusammen. Ich ließ das Handtuch im Bad, ging nackt rüber und angelte mir selbstverständlich Eines seiner T-Shirts aus seinem Schrank, das ich grinsend anzog. Dann zog ich noch einen sauberen Slip aus meiner Tasche und schmiss mich aufs Bett. "Ach, so viel besser als Krankenhausbetten oder Stühle." seufzte ich zufrieden und rollte mich einmal herum. (Wie gehts weiter? :D)

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Leopold "Leo" Ares Westfield
Gerade jetzt, in so einem Moment, an dem ich Zweifel hegte, war es wohl wichtig gewesen, dass sie mir soetwas sagte. Ich fürchtete mich oft davor, dass sie das Interesse an mir verlieren könnte. Dass sie sich wie andere nur auf mein Aussehen und meine Stärke beschränkte, so wie es alle anderen vor ihr auch getan hatten. Ich sollte es besser wissen, ja. Ich kannte Olivia und wusste, dass sie nicht so war wie die anderen, aber... es fiel mir nicht leicht das alles fallen zu lassen, mich ihr so zu zeigen wie ich mich noch nie getraut hatte jemandem zu zeigen. Sie würde die erste Person sein, die mich so schwach, unsicher und jämmerlich sehen würde und es war nur menschlich, dass ich Angst vor ihrer Reaktion hatte, oder? Ich könnte es immerhin vollkommen nachvollziehen, wenn sie davor wegrennen würde. Liebende trennten sich nun einmal, wenn es zu viel für sie wurde und unsere Beziehung war so frisch, ich war unerfahren wa das betraf und dann wurden wir auf so eine harte Probe gestellt? Ich traute mich einfach nicht die Hoffnung zu haben, dass wir das alles problemlos überstanden. Ich versuchte immer noch uns beide davor zu beschützen, obwohl ich das nicht konnte. Ich seufzte und lehnte meine Wange auf ihren nassen Scheitel. "Hey, du hast mich gedrängt es zu sagen. Das war nicht meine eigene Entscheidung gewesen. Ich hätte es wesentlich schöner machen können, aber du wolltest ja keine Ruhe geben.", erinnerte ich sie schmunzelnd, aber mit geschlossenen Augen. Sie hatte vor wenigen Tagen so auf meine Psyche eingeredet, dass ich beinahe durchgedreht war. Klar, wäre es anders gewesen, hätte ich mich vermutlich nie getraut es zu sagen, aber ich hätte es ihr nicht entgegengeschrien. Ich lehnte mich etwas zurück, als sie sich etwas streckte und mich küsste. Oh ja, sie hatte recht. Wir mussten diese Zeit hier nutzen. Solange ich es noch konnte, sollten wir uns nicht zurückhalten. Ich schob also meine Hände unter ihre Knie und hob sie auf meine Hüften, drehte sie zur Wand hin und lehnte ihren Rücken an die kalten, nassen Fliesen. Ich war immer noch geschwächt von der Chemo, aber ich würde das hier erst lassen, wenn ich keine Kraft mehr hierzu hatte. Bis dahin... würde ich ihr geben, was ich nur konnte.